Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Dolmetscher: Nicht nur übersetzen

Dolmetscher: Nicht nur übersetzen
Dolmetscher: Nicht nur übersetzen(c) Erwin Wodicka
  • Drucken

Der Dolmetscherberuf ist nicht geschützt. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, ist eine gute Ausbildung wichtig – ebenso wie soziale Kompetenzen.

Um als Dolmetscher arbeiten zu können, reichen gute Sprachkenntnisse noch lange nicht. Zu Beginn ist wohl vor allem eines wichtig: Durchhaltevermögen. Denn der Beruf ist rechtlich nicht geschützt. Das bedeutet, dass sich grundsätzlich jeder als Dolmetscher bezeichnen und als solcher arbeiten kann. Dadurch wächst die Konkurrenz – aber auch die Notwendigkeit einer soliden Ausbildung. „Damit hat man auf dem Arbeitsmarkt sicher die besseren Chancen“, meint Waltraud Kolb, Vize-Studienprogrammleiterin des Zentrums für Translationswissenschaft an der Uni Wien.

Und man müsse vor allem auch das Berufsbild in zwei Sparten unterscheiden: „Einerseits gibt es das Simultandolmetschen, zum Beispiel bei Konferenzen in der Kabine. Andererseits gibt es das Konsekutivdolmetschen, bei dem man sich Notizen macht und dann nach ein paar Absätzen dolmetscht.“

Um sich an der Uni als Simultan- oder Konsekutivdolmetscher ausbilden zu lassen, wird einiges benötigt. Die beiden Schwerpunkte werden an der Universität Wien in insgesamt elf Sprachen angeboten, allerdings erst als Masterstudium – ein Bachelorstudium ist daher eine wichtige Voraussetzung, etwa in transkultureller Kommunikation. Aber das ist nicht die einzige Hürde: Neben der Muttersprache müssen zwei weitere Fremdsprachen ebenfalls auf Maturaniveau beherrscht werden.

Alternativ zum Studium gibt es Universitätslehrgänge, bei denen man sich spezialisieren kann. Etwa an der Uni Graz, die den Lehrgang Kommunaldolmetschen anbietet. „Hier lernt man neben den sprachlichen Fähigkeiten auch interkulturelle Kompetenzen“, berichtet Barbara Pichler von der Uni Graz. Denn die Dolmetscher werden in medizinischen, sozialen und therapeutischen Einrichtungen eingesetzt werden. Der Kurs startet im Herbst 2014 und wird in Kombination mit Russisch angeboten. Kosten: 800 Euro pro Semester.

 

Sonderfall Gerichtsdolmetscher

Eine weitere Spezialisierung, die sich anbietet, ist jene des Gerichtsdolmetschers. Dieser Beruf ist auch gesetzlich geschützt: „Gibt man sich als Gerichtsdolmetscher ohne Zertifizierung aus, droht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 10.000Euro“, meint Christine Springer, Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Gerichtsdolmetscher. Um als solcher arbeiten zu können, muss man eine Prüfung vor einer Zertifizierungskommission absolvieren.

Doch was sind die Voraussetzungen, um die Prüfung zu bestehen? „Ein Rechtswissenschaftsstudium ist zwar hilfreich, muss aber nicht unbedingt sein“, meint Springer. Die Sprachen zu beherrschen sei das Wichtigste. Idealerweise haben Interessenten ein Dolmetschstudium hinter sich, doch auch dies ist keine Bedingung.

Zur Vorbereitung bietet der Verband auch eine Starthilfe an. Kosten: für das Einführungsseminar 260 Euro, die zweitägigen vertiefenden Seminare je 340 Euro. „Wir versuchen auch stark mit der Universität zusammenzuarbeiten“, sagt Springer. Doch der Bedarf an Dolmetschern in verschiedenen Sprachen würde sich schnell ändern – Hochschulen könnten diesem Trend nicht immer folgen. Derzeit sei die Nachfrage nach Rumänisch, Georgisch sowie Albanisch groß. „Und Englisch und Französisch sind immer gefragt“, weiß die Expertin.

Auf einen Blick

Bachelorstudien: Transkulturelle Kommunikation wird als Bachelorstudium an den Universitäten in Wien, Graz und Innsbruck angeboten. Eine Spezialisierung folgt im Masterstudium.

Masterstudien im Bereich Dolmetschen, transkulturelle Kommunikation und Übersetzen bieten ebenfalls die Universitäten Wien, Graz und Innsbruck in verschiedenen Sprachen an.

BFI Wien:
Diplomlehrgang Schriftdolmetschen, Start im Herbst 2013, das Assessment Center startet am 4. Mai. Infos unter: www.bfi-wien.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2013)