Am Herd

Ich will ja nicht sexistisch klingen und ich arbeite gern mit Männern zusammen, aber manchmal reagieren sie doch emotional etwas überschießend.

Nein, ich bin keine Sexistin. Ehrlich. Und wie manche meiner Geschlechtsgenossinnen sich aufführen, ist mir echt peinlich. Da gibt es Frauen, die können einfach ihre Pratzen nicht bei sich behalten. Mir hat ein junger Herr gesagt, er gehe lieber zu Fuß, als mit so einer allein in den Lift zu steigen!

Obwohl: Treppensteigen soll ja gesund sein. Und einen schönen Hintern macht es auch.

Natürlich beginnt Sexismus nicht erst, wenn es handgreiflich wird. Manche Frauen schauen Männern ungeniert in den Schritt und kommentieren das dann auch noch: „Ordentlich was los da unten!“ Das ist schlechter Stil. Aber gegen ein kleines Kompliment hin und wieder kann doch keiner etwas haben! Wenn etwa die Bemühungen im Fitnesscenter bemerkbar werden. Das wollen sie doch hören, oder? Deswegen plagen sich die Männer doch an den Geräten – damit wir Frauen ihren Arsch bewundern. Wenn sie gut aussehen, kann man ihnen das ruhig sagen, das hebt ihr Selbstbewusstein.

Das Y-Chromosom. Ich komme mit Männern im Allgemeinen gut klar. Privat: also privat sowieso. Sie haben meinen Mann ja gesehen: super, oder? Auch beruflich läuft es gut. Jedenfalls hat sich noch keiner beschwert. Und dabei... Um ehrlich zu sein, fällt mir die Zusammenarbeit nicht immer leicht: Männer tendieren zu – wie soll ich das jetzt am besten formulieren –, also sie neigen zu leicht überschießenden Reaktionen. Haben ihre Emotionen nicht im Griff. Vielleicht ist das genetisch, irgendwas mit dem Y-Chromosom. Vielleicht haben die Väter ihnen nicht die nötige Selbstbeherrschung beigebracht. Die Väter sind oft überfordert. Dann fehlen im Kindergarten und in der Schule auch die nötigen Vorbilder, weil sich die Männer vor den pädagogischen Berufen bekanntlich drücken, und so erwerben sie die nötige Impulskontrolle nie und zucken mit vierzig aus wie die Vierjährigen.

Männer verlassen halt oft die sachliche Ebene, darauf muss man sich als Frau einstellen. Mich stört das nicht weiter: Wenn die Machtspiele gar zu arg sind, stelle ich sie mir einfach beim Schlamm-Catchen vor. Haha. Ich sage ja immer: Ein bisschen Spaß muss sein. Das müssen die Männer auch verstehen: Nichts ist schlimmer als ein Mann ohne Humor.


P. S. Ja, das ist Satire. Wie die meisten Frauen weiß ich ganz genau, dass man die neue Frisur eines Kollegen loben kann, auch seinen geschrumpften Bauch, wenn man ihn wirklich gut kennt – den frisch trainierten Hintern aber nicht. Und was der Unterschied zwischen Flirt und Anmache ist, wissen die meisten auch. Zum Glück. Denn wer kein Gefühl für diese Nuancen hat, lernt es schwer.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

diepresse.com/amherd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2013)

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