Bargeld ist ein Rest von Freiheit. In der Debatte geht es aber erstaunlicherweise um ganz andere Dinge.
Die ÖVP will das Bargeld in der Verfassung verankern und erntet Kritik, obwohl die anderen Parteien auch nichts gegen Bargeld haben, aber finden, dass die Idee eigentlich von ihnen sei (FPÖ), dass es sich um eine populistische Scheindebatte handle (Neos) oder dass man lieber mehr Bankomaten aufstellen sollte (SPÖ). Nun kann man tatsächlich streiten, ob es eine gute Idee ist, alles Mögliche in die Verfassung zu schreiben.
Interessanter ist aber, welche Argumente für das Bargeld ins Treffen geführt werden und welche nicht. Da heißt es, Bargeld sei den Menschen wichtig (dann wird es wohl ohnehin weiter ausgegeben und akzeptiert werden), es gehe um Wahlfreiheit beim Bezahlen (dann müsste auch Kreditkartenzahlung überall möglich sein), es biete Seniorinnen und Senioren Freiheit und Sicherheit (Jüngeren nicht?), es sei Teil unserer Identität.
Da sollte es nicht verwundern, dass Kritiker auf Twitter spöttisch fragen, warum man nicht auch das Vierteltelefon und die Schreibmaschine in die Verfassung schreiben wolle. Der Vergleich hinkt extrem und ist ärgerlich. Doch stellen auch Befürworter in der Debatte Bargeld vor allem als antiquiertes, aber eben (bei Senioren) beliebtes Zahlungsmittel mit Tradition dar.
Dabei ist es weit mehr als das: Bargeld gehört einem tatsächlich selbst, während Geld auf dem Konto nur eine Forderung an die Bank ist. Bargeld stellt sicher, dass auch in einer zunehmend digitalisierten Welt ein Rest an Privatsphäre erhalten bleibt, und zwar auch für die, die es nicht nutzen: Völlig flächendeckende Überwachung ist schlicht nicht möglich, solange auch Bargeld genutzt wird. Wer Bargeld schützen will, sollte auch diese Punkte ins Treffen führen.