Vermögen: Österreicher sitzen auf 484 Mrd. Euro

Vermögen: Österreicher
Vermögen: Österreicher(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
  • Drucken

Gegenüber dem Vorjahr wuchs das Finanzvermögen der Österreicher um 3,7 Prozent. Ein Großteil des Zuwachses entfiel auf Neuveranlagungen.

Wien/B.l. Die Österreicher legen immer stärkeren Wert darauf, ihr Geldvermögen jederzeit griffbereit zu haben. Dass sie damit nur niedrigere Zinsen erhalten, scheint sie kaum zu stören. Seit der Finanzkrise ist der Anteil des Finanzvermögens, das aus Bargeld und täglich fälligen Einlagen besteht, von 15 auf 19Prozent gestiegen. In Summe sind das 93 Mrd. Euro, von denen 20 Mrd. Euro auf Gehalts- und Pensionskonten und 18,3 Mrd. Euro auf Bargeld entfallen. Zählt man die bis zu einem Jahr gebundenen Einlagen, Wertpapiere und Geldmarktfondsanteile dazu, könnten die Haushalte sofort über 170 Mrd. Euro verfügen. Das würde laut Nationalbank (OeNB) „rein rechnerisch die Konsumausgaben für das Jahr 2013 fast abdecken“.

Vermoegen Österreicher
Vermoegen Österreicher(C) DiePresse

Inflation frisst Vermögen auf

Ende des Vorjahres saßen die privaten Haushalte auf einem Finanzvermögen in Höhe von 484 Mrd. Euro, wie die OeNB am Dienstag bekannt gab. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 3,7 Prozent. Zwei Prozentpunkte dieses Zuwachses oder 9,3 Mrd. Euro sind jedoch auf Neuveranlagungen zurückzuführen. Bei den restlichen 1,7 Prozentpunkten handelt es sich um Kursgewinne oder Zinserträge. Diese konnten damit nicht mit der Inflationsrate von 2,6Prozent (nach EU-Berechnung) Schritt halten.

Mit Aktien und Anleihen hätte man der Teuerung im Vorjahr ein Schnippchen schlagen können. Warum die Haushalte lieber eine negative Realverzinsung bei täglich fälligen Anlagen in Kauf nahmen, dafür sieht die OeNB „mannigfaltige Gründe“: Einer dürfte sein, dass die Alternativen wenig attraktiv scheinen. So hatten die Lebensversicherungen ihren Mindestgarantiezins auf zwei Prozent gesenkt. Wer ab 21.Dezember eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, bekommt überhaupt nur noch 1,75Prozent garantierten Ertrag– ohne Berücksichtigung von Gebühren. Damit haben Lebensversicherungen deutlich an Attraktivität eingebüßt. Im Vorjahr flossen zwei Mrd. Euro neu in Lebensversicherungen, das ist etwas mehr als im Jahr 2011 (1,7 Mrd. Euro). In den beiden Jahren davor waren es noch je etwa vier Mrd. Euro, wie aus den OeNB-Daten hervorgeht.

Hinzu komme „die Unsicherheit auf dem Goldmarkt als alternatives Investment“. Seinen nominellen Höchststand von mehr als 1900 Dollar aus dem Jahr 2011 hat der Goldpreis seither nicht mehr erreicht. „Nicht zuletzt dürfte auch die Arbeitsmarktsituation eher zu Veranlagungen in kurzfristig verfügbare Vermögenswerte geführt haben“, hieß es. Die hohe Inflation schien die Österreicher weniger zu stören. „Die Haushalte akzeptieren eine negative Realverzinsung für einen Teil ihres Finanzvermögens“, so die OeNB.

Gebundenes Geld abgehoben

Von den 9,3 Mrd. Euro, die die Österreicher im Vorjahr netto (also nach Abzug der Entnahmen) neu investiert haben, steckten sie acht Mrd. Euro in täglich fällige Einlagen. Dagegen verringerten sie ihre Bestände an länger gebundenen Einlagen um 4,4 Mrd. Euro.

Die Bauspareinlagen erlebten trotz Halbierung der staatlichen Prämie ein Plus von 0,7 Mrd. Euro, was nach Angaben der Bausparkassen auch darauf zurückzuführen ist, dass die Anleger ihr Erspartes mangels Alternativen länger liegen lassen.

Auch verzinsliche Wertpapiere (etwa Anleihen) verzeichneten ein Plus bei den Neuveranlagungen, das mit 0,2 Mrd. Euro aber deutlich geringer ausfiel als in den Jahren davor. Im Jahr 2011 steckten die Österreicher noch zwei Mrd. Euro in Anleihen. Aus Aktien wurden hingegen netto 0,1 Mrd. Euro abgezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Euro
New Articles

Österreicher geben ihr Geld lieber aus, als für später zu sparen

52 Prozent der Österreicher fürchten sich laut einer Umfrage vor Altersarmut. Am größten ist diese Angst in Italien.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.