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Ein bisschen London am Ulrichsplatz

bisschen London Ulrichsplatz Vintage
bisschen London Ulrichsplatz Vintage(c) Fabry
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Angie Pohl, Moritz Baier und Marco Pauer wollen mit der "Burggasse 24" stilvoll Secondhandware verkaufen. Café und Kunst sollen folgen.

Es ist ein Trend, und nicht einmal ein besonders neuer, der alle je da gewesenen Trends umfasst: Vintage, das schicke Wort für Secondhandware. Tauschpartys boomen, doch etwas, fanden Angie Pohl, Moritz Baier und Marco Pauer, habe noch gefehlt. Ein großer, hipper Vintage-Shop, wie es sie in London, in New York oder Berlin gibt, nur nicht in Wien.

Nun gibt es ihn, der Weg dorthin war anstrengend und ziemlich kalt (renoviert wurde im Winter), und dementsprechend groß wurde nun, mit DJ und regem Zustrom, drei Tage lang Eröffnung gefeiert. Zuvor war die Location schon einmal gerammelt voll, als die Mode-Newcomer Mark&Julia hier eine Modenschau organisierten. Seit Dienstag ist die „Burggasse 24“ offiziell im Dienst, und wo früher Elektroroller im Verkaufsraum standen, hängen nun Mäntel, bunt gemusterte Blusen und Achtziger-Sweatshirts.

Treibende Kraft dahinter war Marco Pauer, 33, im Hauptberuf Fotograf in der Galerie Westlicht, seit 13 Jahren quasi im Grätzel in Wien-Neubau daheim und, seit er neben Moritz Baier (32) an der Grafischen saß, von der Idee beseelt, etwas gemeinsam zu machen. Am liebsten „irgendetwas mit Immobilien, ich bin ein kleiner Immobilien-Fetischist“. Er war es auch, dem das freie Geschäftslokal an der Ecke zum St. Ulrichsplatz aufgefallen war, mit einem Eingang auf den Kopfsteinpflasterplatz vor der Kirche (samt Baum und Dorfcharakter) und, wie man sagt, „Potenzial“.

In Eigenregie und mithilfe von Freunden entfernte das Trio Böden, Wände und Zwischendecke, vergrößerte Türen und zimmerte mit den frei gewordenen Brettern Stufen und Regale, einen Tisch und eine Bar. Heraus kam ein in Weiß und Graugrün gehaltenes Shabby-Chic-Kunstwerk mit Lastenaufzug, Wendeltreppe und Sitzgruppe (Vintage natürlich), das sich die Marketingabteilung eines Jeanskonzerns nicht schöner hätte ausdenken können.
Luftig, nach Farben und nicht nach Geschlecht sortiert, hängt hier das, was von privaten Vorbesitzern ausgemustert und von Angie Pohl für gut befunden wurde (etwa ein Viertel des späteren Verkaufspreises bekommt man dafür). Die 24-Jährige hat nach einer Modezeit in Paris zwei Jahre in Wien als Stylistin gearbeitet und glaubt nun, „genau das Richtige“ für sich gefunden zu haben. „Ich glaube, dass die Leute Interesse haben, sich individuell zu kleiden“, sagt sie; und in Vintage-Läden könne man „Einzelstücke finden, die leistbar sind“. Bewusst sei alles sauber, gepflegt und die Wäsche gewaschen, „damit es nicht den muffigen Geruch von Secondhandshops hat“.

Gleichzeitig „erzählt das Zeug eine Geschichte und muss nicht extra hergestellt werden“, ergänzt Moritz Baier. Er ist der Einzige der drei mit Unternehmenserfahrung, auch wenn er „noch nie einen Businessplan geschrieben“ hat. Mit dem Produktionsmanagementkonzept „use a brand“ ist er bereits im Modebereich aktiv (dessen Ansatz ändert sich aber gerade), daneben führt er das Café Liebling in der Zollergasse. Auch in der „Burggasse 24“ soll ein Café entstehen, sobald alle Genehmigungen da sind, „voraussichtlich Anfang nächsten Jahres“. Geplant sind aber auch Events im Kunstbereich. „Wir haben ja eine coole Location für junge Kreative“, sagt Pohl. Zumal das Grätzel gerade zu kreativem Leben zu erwachen scheint. Pauer blickt an der Kirche vorbei über den St. Ulrichsplatz. „Da unten wird schon das nächste Lokal vermessen.“

Auf einen Blick

„Burggasse 24“ heißt der neue Vintage-Shop im Grätzel um St. Ulrich, das sich langsam zu einem Kreativviertel entwickelt. 20 bis 60 Euro kosten die Kleidungsstücke im Schnitt. Ab Anfang 2014 wollen Marco Pauer, Moritz Baier und Angie Pohl hier auch ein Café mit Schanigarten aufmachen, außerdem ihre Location für Kunstprojekte öffnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2013)