Eishockey: "Vanek kann alles!"

Eishockey Vanek kann alles
Eishockey Vanek kann alles(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Christian Ort)
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Für Eishockey-Teamchef Manny Viveiros ist die A-WM in Finnland nach der Olympiaqualifikation eine weitere Qualitätskontrolle. Er blickt in die Puckseele der Österreicher, spricht über »Austros«, Vanek und den Adler auf dem Teamtrikot.

Österreichs Eishockeyteam hat sich mit der Qualifikation für die Winterspiele 2014 in der Weltspitze zurückgemeldet – was passiert jetzt bei der A-WM in Finnland?

Manny Viveiros: Wir fahren natürlich das gleiche Programm! Wir wollen oben bleiben, was freilich nicht leicht wird. Mir genügt aber nicht, nur vom Klassenerhalt zu träumen, ich will das Viertelfinale erreichen! Als Realist muss man aber auch sagen, dass der sofortige Wiederabstieg nicht ausgeschlossen ist. Mir geht es jedoch darum, dass jeder auf und abseits des Eisrinks kapiert, dass wir es wollen und es auch versuchen. Jeder soll sehen, dass es uns stolz macht, für Österreich zu spielen. Es ist eine Ehre, im Team zu spielen – mit dieser Ehre spielt man nicht.

Das klingt sehr pathetisch und gibt Anlass, nachzuhaken. Ist es nicht immer eine Ehre, für Österreich zu spielen?

Schon. Für mich und viele meiner Spieler gibt es daran auch gar keinen Grund, zu zweifeln oder es infrage zu stellen. Aber: Es war bei einigen Spielern nicht immer so, das muss man schon einmal in aller Deutlichkeit gesagt haben. Im Nationalteam gibt es nur das Eine: Es geht um das Dress mit dem Adler darauf. Nur das ist wichtig, und nicht, welcher Name hinten steht.

Namen nennen Sie jetzt keinen, oder?

Nein. Aber die Herrschaften, die ich meine, kennen meine Meinung.

Sie wurden 2011 zum Teamchef bestellt. Oft wurden erfolgreiche Klubtrainer, wohl auch aus finanziellen Gründen, mit diesem „Nebenjob“ belohnt. Stimmt das?

Das weiß ich nicht. Für mich ist es kein Nebenjob, ich liebe diese Aufgabe. Natürlich ist es ein ganz anderer Zugang als bei einem Klub. Da hast du die Spieler jeden Tag, hier beim Team vielleicht drei, vier Tage pro Saison oder eine Woche vor der WM, um zu trainieren. Wir haben in meiner Ära sehr viel geschafft, und auf ein kleines, aber sehr wichtiges Detail bin ich besonders stolz: Österreich spielt erstmals seit 32Jahren ohne Austrokanadier.

Das klingt ja fast nach einer Aversion gegen „Austros“. Sie haben doch selbst kanadische Wurzeln, kamen 1991 nach Österreich und begannen bei ...

...Villach! Natürlich habe ich nichts gegen Österreichs Eishockeygeschichte, und Austrokanadier waren in der Vergangenheit sehr wichtig für das Team. Wir haben umgedacht, wir setzen ein Signal: Wir haben gute Spieler, die als Vorbilder dienen. Aber wir haben noch immer nicht genug gute Spieler im ganzen Land. Dieser Aufbau beginnt im Nachwuchs. Erreichen U16- bis U20-Teams das A-Niveau, hat die erste Mannschaft keine Probleme mehr. Daran arbeiten wir, und ich habe Vergleichszahlen parat: In Österreich gibt es von der Bambini-Stufe bis zur U20 2300 Nachwuchsspieler. In der Schweiz 17.000, sogar in Frankreich sind es 9000. Da müssen wir hin – es müssen mehr Kinder zum Sport, zum Eishockey.

Das predigen Politiker und Funktionäre auch fortlaufend, nur passiert wenig.

Das ist eine Frage der Ehre, der Mentalität, der Einstellung. Ich will, dass meine Mannschaft ein Beispiel liefert, wie es gehen kann, wenn man es wirklich will. Im Eishockey gibt es große Trophäen, um die muss man spielen: den Stanley Cup – den wird irgendwann vielleicht ein Österreicher gewinnen –, die WM und Olympia. In Sotschi sind wir dabei, erstmals seit 2002. Das ist ein guter Ansatz. Es motiviert!

Was hat sich für Sie als Trainer seit der Olympiaqualifikation geändert?

Viel. Ich bin zwar noch immer der gleiche Mensch, ich habe aber noch nie so viele Interviews gegeben. Sogar aus Kanada haben mich Reporter angerufen – Olympia ist eben ein Thema, weltweit. Dort spielen wir gegen NHL-Stars und NHL-Trainer, das ist ein guter Vergleich. Aber: Auch wir wissen, wie Eishockey funktioniert. Es gibt kein Geheimnis im Eishockey.

Jahrzehntelang klagte Österreich darüber, keine NHL-Spieler zu haben. Jetzt sind mit Vanek, Grabner und Nödl gleich drei in Amerika unterwegs, Vanek will auch bei der WM spielen. Was kann er bewirken?

Uuuh, sehr viel. Vanek ist ein Scorer, ein Superspieler. Er kommt, er hat ein SMS geschickt und angerufen. Am 2.Mai landet er in Helsinki, dann treffen wir uns. Bewegen kann er fast alles, auf dem Eis und abseits davon. Er ist eine Leaderfigur, heiß – er macht schon in der Kabine Dampf. Es werden harte Spiele gegen USA, Frankreich, Lettland, Deutschland, Finnland, Slowakei und Weltmeister Russland. Wir brauchen jeden Crack, der anpacken kann.

Haben Sie sich schon eine Taktik überlegt? Österreich ist Außenseiter.

Wir wollen mit mindestens acht Verteidigern und zwölf Stürmern in Finnland beginnen. Ich denke an drei, vier Linien – aber alles hängt vom guten Start in das Turnier ab. Der ist wichtig, danach kann man umdenken, planen.

In der Vergangenheit soll es hie und da vorgekommen sein, dass Spieler bei einer WM den Zapfenstreich gestrichen und...

...das mag sein, aber darüber denke ich nicht nach. Das ist Vergangenheit. In unserem Team herrschen Professionalismus und Stolz. Ich achte sehr genau darauf, wie die Linien zusammengestellt werden, wer mit wem an einem Tisch sitzt oder wer sich ein Zimmer teilen muss. Ich lege Wert auf Gruppendynamik, es gibt keine Ausreißer. Ich bin seit über zwanzig Jahren in Österreich, ich war selbst Eishockeyspieler. Alles klar?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2013)

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