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Die Testerinnen: François im Vierzehnten

Das unkomplizierte Mittelmeer in der Nachbarschaft.

Ein Blick auf die knappe Karte des „François im Vierzehnten“, und schon taucht im Hirn der Name Ottolenghi auf. Und praktisch, dass man den Tisch an der Glaswand zur Küche genommen hat: Da steht es schon, des Londoner Gemüsekultkochs jüngstes Werk, das Kochbuch „Jerusalem“.

Wien ist ja, was die Küche des südlichen und östlichen Mittelmeerraums betrifft, noch immer ein wenig unterversorgt (Familie Molcho hat hoffentlich weggelesen). François Laliberté, der nach den Pariser Stationen Arpège und L’Astrance unter anderem das Küchenkonzept des Yamm! verantwortet hat, ist in den 14. Wiener Bezirk gegangen.

Und hat dort mit Unterstützung eines Immobilienmenschen einen Italiener zu einem Lokal umgebaut, das die Gegend nahe der Hütteldorfer Straße aufwerten und als niederschwelliges Nachbarschaftslokal fungieren soll. Bei der Gestaltung hat man sich nicht allzu weit aus dem Fenster gelehnt: Industrieparkett, fast leere Wände, Kunstledersessel. Zur mediterranen Küchenlinie habe ihn die ethnische Durchmischung der Anrainer angeregt. Das kann man glauben oder eher die Kalkulation der erwähnten Marktnische wittern.

Franois Vierzehnten
Franois Vierzehnten(c) Stanislav Jenis (Stanislav Jenis)

Was die gstandenen Kellnerpersönlichkeiten ohne großes Trara aus der durch einen Vorraum samt Holzofen erweiterten Küche bringen und mit Schmäh garnieren, ist dergestalt, dass man öfter kommen möchte: entweder, weil es schon jetzt sehr gut ist, oder, weil man das Gefühl hat, dass da hoffentlich bald noch mehr geht. Vor allem, wenn François (Laliberté will wohl beim Vornamen genannt werden) den Holzofen in den Griff bekommen hat.

Der Brotsalat Fattoush kommt mit gerade noch als dosiert durchgehenden geschmacklichen Rauchschwaden, dafür aber mit schöner Gemüse-Knackigkeit und Zitrussäure. Bei den gegrillten Melanzani mit Limettenjoghurt, Harissa und Granatapfel schiele ich dankbar aufs Ottolenghi-Kochbuch. Die ebenfalls forciert gesäuerten Sardinen aus einer der vielen Tajines, die man in der Küche erblickt, erfrischen ungemein, die Brioche-Galette mit Beeren ist dafür sehr kompakt und passt eher in ein Bäckereiketten-Papiersackerl als in ein Restaurant. Die Preise: niedrig. Zur Weinauswahl (auch Orange Wines) und -kalkulation: Wie gut, dass die U-Bahn so nah ist. Für die, die keine Nachbarn sind.

INFO

François im Vierzehnten, Reinlg. 20, 1140 Wien. Tel: 01/985 51 03, Küche Mo–Fr 11.30 bis 22, Sa 18 bis 22.

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