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„Höfliche Zurückhaltung ist nicht angebracht“

Wer die gläserne Decke durchstoßen will, muss aufzeigen, weiß die Private-Bankerin und Absolventin des Zukunft.Frauen-Programms, Beatrice Schobesberger.

Die sechste Runde des Programms Zukunft.Frauen (siehe unten) endet im Juni. Eine der 22 Teilnehmerinnen des vierten Lehrgangs ist Beatrice Schobesberger, die das Private Banking im Looshaus der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG leitet. „Es macht mir Freude, und es passt gut in meine aktuelle Lebensphase, mehr Verantwortung im beruflichen Umfeld zu übernehmen“, erklärt die Mutter zweier erwachsener Söhne.

Bereit für mehr Verantwortung

Was sie dazu motiviert hat, an dem Ausbildungsprogramm teilzunehmen? „Die Chance, zielstrebige, erfolgreiche Frauen aus diversen Bereichen kennenzulernen, sich mit ihnen auszutauschen und damit Einblicke in fremde Bereiche zu erwerben. Natürlich auch die Wissenserweiterung durch die Vorträge und Workshops zu den vielen Fachthemen in den einzelnen Modulen.

Besonders interessant fand Schobesberger darunter Bereiche, mit denen sie selbst nicht täglich zu tun hat, wie etwa Krisenkommunikation oder aber Rechte, Pflichten, Vergütungsmodelle von Aufsichtsräten, das Zusammenspiel Vorstand und Aufsichtsrat und das Thema Verhandlungsführung. „Da gab es oft sehr spannende Diskussionen mit den Vortragenden. Unter anderem kam an einem der Kaminabende die Frage auf, warum eigentlich nur Frauen eine AR-Ausbildung machen, Männer hingegen einfach aufgrund ihrer Old-boys-Netzwerke in solche Funktionen gelangen“, erinnert sich Schobesberger.

Ob Frauen zu bescheiden agieren? „Wir wollen Macht, sonst bleiben wir in der Versenkung!“, weiß die 53-Jährige, die ein achtköpfiges Team führt und Verantwortung für die Veranlagung von 700 Kunden trägt. Höfliche Zurückhaltung ist nicht zielführend, besser Profil schärfen, eigene Persönlichkeit aufzeigen, so ihre Devise. Seit dem Kurs hat sie ein Aufsichtsratsmandat, nämlich für die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft m.b.H. Wie sie dazu gekommen ist? Am Ende des Programms gab es eine sehr schöne Abschlussveranstaltung im langen Marmorsaal des Wirtschaftsministeriums, zu der Hausherr Reinhold Mitterlehner eingeladen hatte. Anwesend war auch die im Wirtschaftsministerium für Tourismus und Kultur zuständige Sektionschefin, Elisabeth Udolf-Strobel. Bei einem Podiumsgespräch hat Schobesberger gute Figur gemacht. Drei Monate später kam das Mandat für Schönbrunn.

Was sie außer dem neuen AR-Mandat noch mitnimmt? „Ich hab bestätigt bekommen, dass es lohnt, mein kommunikatives und organisatorisches Talent zum Zusammenführen von Menschen verstärkt einzusetzen.“

Alumnae-Klub

Bevor steht die Gründung des Alumnae-Klubs von Zukunft.Frauen: „Ich möchte mein Fachwissen und meine Kompetenzen zukünftig auch in AR-Gremien einsetzen und als Mentorin von engagierten jungen Mitarbeiterinnen fungieren.“ Ob es neue Ziele gibt? „Die Männerdomäne Raiffeisen weiter aufbrechen.“

Auf einen Blick

Aufstiegshilfe. Das Programm Zukunft.Frauen mit dem Ziel, den Frauenanteil in Führungs- und Entscheidungspositionen von Unternehmen zu vergrößern, ist nach einer Gemeinschaftsinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ), der Wirtschaftskammer Österreich und der Industriellenvereinigung entstanden. Teilnehmerinnen sind Unternehmerinnen beziehungsweise Frauen in Führungspositionen, die von ihren Arbeitgebern nominiert wurden. In acht rund eintägigen Modulen erwerben sie von Experten für Aufsichtsfunktionen praxisrelevantes rechtliches und wirtschaftliches Fachwissen. Zusätzliche Assets sind der direkte Austausch mit den unterrichtenden Topmanagern und die Vernetzung unter den Kolleginnen. Damit sollen qualifizierte Frauen gezielt für wichtige Management- und Aufsichtsratspositionen vorbereitet und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich gestärkt werden.



Der nächste Teil zur Serie Zukunft.Frauen erscheint am 11. Mai

Diese Serie wird von der „Presse“ in redaktioneller Unabhängigkeit gestaltet und ist durch finanzielle Unterstützung der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) möglich geworden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2013)