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Börse: Sind Affen wirklich die besseren Trader?

Boerse Sind Affen wirklich
Boerse Sind Affen wirklichReuters/EPA
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Eine neue Studie lässt aufhorchen: Demnach haben von Menschen erstellte Indizes keinen Chance gegen zufällig zusammengewürfelte Aktientitel.

Eigentlich ist die Geschichte mit dem Affen und der Börse ein alter Hut. Bereits Jahr 1973 stellte der Princeton-Professor Burton Malkiel in seinem Buch "A Random Walk Down Wall Street" die These auf, es sei besser, einen Affen Dartpfeile auf Aktientitel werfen zu lassen, als einen professionellen Händler zu beschäftigen. Schon bald wurde der Affe zum geflügelten Wort. In unzähligen Experimenten versuchten Forscher und Wirtschaftsjournalisten, die Behauptung zu überprüfen. Viele kamen zum Fazit, dass der Affe mit seinem Dartpfeil die Finanzprofis schlägt. Dafür gibt es eine relativ einfache Erklärung, wie "Spiegel.de" schreibt: Anlageprofis haben viele Nachahmer, die den Kurs wiederum stark beeinflussen können. Oder anders gesagt: Der Markt ist sehr schwer zu "überlisten", wenn man selbst Teil davon ist.

Affenarmee vs. Index

Eine aktuelle Studie wirft nun aber neue Fragen auf: Forscher der Londoner "Cass Business School" ließen im Auftrag der Unternehmensberatung "Aon Hewitt" eine ganze Armee von Dart-Affen gegen Aktien-Indizes antreten. Das überraschende Ergebnis: Auch hier liegen die Affen klar in Führung. Für die groß angelegte Studie ließen die Forscher ein Computerprogramm, das ein Affenhirn simulieren sollte, einen Korb aus tausend US-Aktien zusammenstellen. Das Ganze wiederholten die Forscher zehn Millionen Mal pro Jahr, zwischen 1968 und 2011.

Daneben stellten die Wissenschaftler einen Index aus den tausend größten US-Aktien des jeweiligen Jahres zusammen. Wie bei realen Indizes wurde nach Marktapitalisierung gewichtet, während im "Affen-Index" jedes Unternehmen gleich viel Wert war.

Aktienindizes

Indizes gelten als eine Art "Börsenbarometer", weil sie einen Teil des Marktes repräsentieren sollen. Gewichtet werden die im Index vertretenen Aktientitel nach Marktkapitalisierung: Je höher der Börsenwert (aktueller Kurs der Aktie multipliziert mit den Anteilen), desto höher der Anteil am Index.

Ein Beispiel: Die Erste Group trägt 19,6 Prozent zum österreichischen Aktienindex ATX bei, die OMV 15,2 Prozent, der Ziegelhersteller Wienerberger dagegen nur 2,9 Prozent.

Wenn man nun berechnet, was in den 43 Jahren aus 1000 Dollar geworden wäre, kommt man auf ein erstaunliches Ergebnis:

  • Hätte man in den von Menschen zusammengestellten Index investiert, wäre man auf rund 48.000 Dollar gekommen.
  • Mehr als 75 Prozent der Affen erwirtschafteten dagegen 87.000 Dollar oder mehr - und zehn Prozent der virtuellen Affenarmee kamen sogar auf über 95.000 Dollar.

"Die Resultate sind schockierend", fasst Studienautor Andrew Clare zusammen: "Fast jeder einzelne Affe schlug die durch Marktkapitalisierung gewichteten Indizes", so der Professor. "Wir sollten den Erfolg von Fondsmanagern vielleicht künftig an Affen messen, anstatt an gewichteten Aktien-Indizes".

Gegen den Strom statt mit der Herde

Was sind nun die Gründe dafür? Womöglich hatte Börsen-Altmeister Gottfried Heller recht, als er gesagt hat: ''Nicht mit der Masse gehen. Wer in die Fußstapfen anderer tritt, kann diese nicht überholen. Das können Sie nur, wenn Sie eigene Wege gehen. Kaufen Sie, wenn die Mehrheit verkauft, und umgekehrt.''

Die "Affen-Indizes" waren viel stärker diversifiziert als jene, die von Menschen zusammengestellt wurden. Affen verlassen sich auf den Zufall und kaufen damit auch schlecht gehende Aktien. Titel in Indizes sind dagegen umso stärker gewichtet, je besser sie abschneiden. Sie lassen sich mit der "Herde" treiben, während Affen auch gegen den Strom schwimmen und stärker in Nebentitel investieren.

Leicht in die Praxis umzusetzen ist das Experiment jedenfalls nicht, wie die "Welt" erklärt: Ein Depot mit tausend Titeln, wie es die virtuellen Affen zusammenstellten, müsste mindestens eine Million Euro schwer sein, da Transaktionen unterhalb von 1000 Euro pro Aktie sich nicht nicht rentieren. Ein so hohes Investment können sich viele nicht leisten.

Equal Weight Index als Alternative?

Dennoch wirft die Studie die Frage auf, ob es sinnvoll ist, in Indexfonds zu investieren. Eine Alternative könnte ein Equal Weight Index sein. Wie der Name schon sagt, wird dabei nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet, also nicht zwischen kleineren und größeren Unternehmen unterschieden. Das bekannteste Beispiel ist der "S&P 500 Equal Weight Index", den es seit 2003 gibt. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um die nicht-gewichtete Version des "S&P 500", der die größten börsennotierten US-Firmen umfasst. Der Equal Weight Index hat seit seinem Start 137 Prozent an Wert gewonnen, das sind immerhin 28 Prozentpunkte mehr als beim "S&P 500".

Aktiv und passiv gemanagte Fonds

Indexfonds bilden einen bestimmten Aktienindex, also etwa den Dow Jones oder den DAX, eins zu eins nach. Sie investieren also exakt so in Wertpapiere, wie diese im Index gewichtet sind.

Die Gebühren von Indexfonds, die auch "passiv gemanagte Fonds" genannt werden, sind deutlich niedriger als die von aktiv gemanagten Fonds, bei denen Finanzprofis versuchen, den Index zu schlagen.