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Mailath-Pokorny: „Bin grundsätzlich gegen Umbenennungen“

Andreas Mailath-Pokorny
Andreas Mailath-PokornyAPA/HERBERT NEUBAUER
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Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny will erklärende Hinweistafeln anstatt Umbenennungen und kann sich Maßnahmen beim Renner-Ring vorstellen.

Die Presse: Unter welchen Voraussetzungen benennen Sie Straßen um? Nur wenn es sich um historisch belastete Persönlichkeiten handelt?

Andreas Mailath-Pokorny: Ich bin grundsätzlich gegen Umbenennungen, aber für das Sichtbarmachen von historischen Wahrheiten. Über diese sollte man auch diskutieren. Im Juni wird dazu der Bericht jener Historiker-Kommission vorliegen, die derzeit die Wiener Straßennamen untersucht.

 

Sie sind gegen Umbenennungen, auch wenn es die Kommission empfiehlt?

Es geht nicht darum, die Geschichte der Stadt auszulöschen. Es geht darum, die Geschichte der Stadt bewusst zu machen.

 

Bei der Umbenennung des Lueger-Rings hatten Sie damit aber keine Probleme.

Der Lueger Ring war eine Ausnahme. Denn es gab dafür den dringenden Wunsch des wichtigsten Anrainers, der Universität Wien. Es gibt außerdem ausreichend andere Erinnerungsorte an Lueger in Wien.

 

Wie soll mit historisch belasteten Straßennamen umgegangen werden?

Der erste Schritt ist eine öffentliche Diskussion. Dann soll von Fall zu Fall entschieden werden, ob es eine Information durch erklärende Zusatzschilder gibt oder eine künstlerische Intervention. Das wird in enger Kooperation mit den Bezirken zu geschehen haben.

Beispielsweise gab es auch Diskussionen um den Karl-Renner-Ring.

Ich bin dafür, über die wichtigsten Politikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts eine vertiefende wissenschaftliche Forschung zu machen. Quer über alle Parteigrenzen hinweg, auch über Renner und Kunschak.

 

Welche konkreten Maßnahmen könnten dadurch folgen?

Dann werden wir das in den Straßenverzeichnissen der Stadt zu dokumentieren haben. Beispielsweise durch erklärende Zusatzschilder. Soweit ich derzeit sehe, handelt es sich bei den rund 4000 Wiener Straßennamen um einen verschwindend geringen Prozentsatz, über den diskutiert werden muss. Das sind maximal ein, zwei Dutzend Namen. Denn es gibt nicht (bei den Straßennamen, Anm.) die großen Kriegsverbrecher, die man bisher übersehen hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2013)