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Wie grün ist Österreichs Wirtschaft wirklich?

Windpark
WindparkClemens Fabry
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171.245 Green Jobs zählen die Statistiker. Die AK sieht dies kritischer. Laut dieser stammen etwa nur rund 12.000 Arbeitsplätze aus dem Technologiebereich der erneuerbaren Energien.

Wien/Jaz. Was ist ein Green Job? Landläufig dürften die meisten Menschen darunter einen gut bezahlten Techniker verstehen, der sich mit einer neuen Technologie wie erneuerbarer Energie, Elektromobilität oder biogenen Kunststoffen auseinandersetzt. Dieses Bild wird zumindest in entsprechenden Publikationen des Umweltministeriums verwendet, um den Begriff greifbar zu machen. Und das Ministerium gab auch der Statistik Austria den Auftrag zu zählen, wie viele Menschen in Österreich in „umweltorientierten“ Branchen – vulgo Green Jobs – tätig sind.

Die Statistiker zählten und präsentierten am Dienstag ihre Ergebnisse für 2011. Demnach sind hierzulande 171.245 Menschen im Umweltbereich beschäftigt. Dies entspricht 4,8Prozent der Erwerbstätigen. Allerdings wird in diesen Green Jobs mit 32,6 Mrd. Euro sogar 10,8 Prozent des BIPs erwirtschaftet. Ein respektables Ergebnis also.

Etwas kritischer sieht die Sache indes die Arbeiterkammer, die ihrerseits bereits Ende des Vorjahres eine eigene Studie präsentiert hat. Und laut dieser stammen etwa nur rund 12.000 Arbeitsplätze aus dem Technologiebereich der erneuerbaren Energien. Viele andere Green Jobs seien hingegen etwa schlecht bezahlte Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Zudem würden oftmals auch keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, sondern bestehende würden „ergrünen“, da beispielsweise Dachdecker plötzlich auch Fotovoltaikanlagen anbringen.

 

„Kein Etikettenschwindel“

„Bei den von uns genannten Green Jobs handelt es sich sicher um keinen Etikettenschwindel“, sagt Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. „Die Abgrenzung ist natürlich schwierig, wir halten uns dabei jedoch an international definierte Vorgaben.“ Und laut diesen sei jeder Job enthalten, der ein umweltfreundliches und nachhaltiges Produkt oder eine entsprechende Dienstleistung zum Ziel hat. „Die Aufgabe der Statistik ist aber keine Maximierung der Green Jobs.“

Bei der internationalen Definition von Green Job sei die Lohnhöhe aber nun einmal kein Thema, so Pesendorfer weiter. Die von der Arbeiterkammer besonders kritisierten Green Jobs im Handel (etwa Verkäuferin in einem Bioladen) wurden aufgrund einer Änderung der Definition gegenüber dem Vorjahr jedoch diesmal nicht mehr mit einberechnet. Auch die Nahrungs- und Futtermittelproduktion ist nicht mehr enthalten, weshalb die Gesamtzahl nun wieder deutlich unter den bisher von Umweltminister Nikolaus Berlakovich genannten knapp 210.000 Arbeitsplätzen liegt.

Die zwei größten Bereiche der Green Jobs sind aber nach wie vor das „Management von Energieressourcen“ mit 64.237 Jobs sowie „Schutz und Sanierung von Boden“ mit 34.220 Jobs. Bei Ersterem sind etwa auch die Angestellten der Stromversorger – je nach ihrem Anteil an Wasserkraft am Stromportfolio – enthalten, bei Zweiterem Biobauern.

Internationale Vergleichswerte gibt es zu dem Thema noch nicht. Die EU hat sich die europaweite Statistik jedoch zum Ziel gesetzt. Sie dürfte ab dem Jahr 2017 vorliegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2013)