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"Star Trek": Die schwarze Pionierin und die Doppelmoral

Star Trek schwarze Pionierin
Die ursprüngliche Crew: DeForest Kelley, Leonard Nimoy, Walter Koenig, Nichelle Nichols, William Shatner, George Takei, und James Doohan(c) Paramount Pictures
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Gene Roddenberry verwirklichte in seiner genialen Science-Fiction-Serie seine Vision einer egalitären Zukunft. Doch dabei übersah er die Frauen. Morgen kommt der neue Film "Star Trek Into Darkness" ins Kino.

Es gibt Leute, die mit Stolz von sich behaupten, sie wären Trekkies. Trekkies sind Fans von „Star Trek", die „Star Trek"-Serien in und auswendig kennen, Fanartikel auf ihren Arbeitstischen halten und Gene Roddenberry, den Vater von „Star Trek", für ein Genie halten. Neben fantasievollem Space-Design Roddenberrys, fühlen sich Trekkies vor allem zur egalitären Philosophie der Serie hingezogen. Wenn man das Phänomen analysiert, wird jedoch verständlich, dass „Star Trek" von Anfang an auch einen Konservatismus pflegt.

Seit 1966 dominiert „Star Trek" das Genre von Science-Fiction. Roddenberry hatte die Idee, eine Sci-Fi-Abenteuer-Geschichte im Stil populärer Western der Zeit für das Fernsehen zu produzieren. Die Welt von „Star Trek" und dem Raumschiff Enterprise war fantastisch und ein wenig lächerlich zugleich. Roddenberry arbeitete mit begrenztem Budget, was dazu führte, dass Spezialeffekte naiv ausfielen und manch Außerirdische wie die entfernte Verwandte einer Gottesanbeterin wirkte.

Weniger naiv verhielt es sich mit dem Konzept der Raumschiffbesatzung der Enterprise. Die Crew bestand aus mehreren Erdlingen - unter ihnen einer schwarzen Frau - und einem Außerirdischen mit komischen Spitzenohren namens Mr. Spock. Vom Kalten Krieg und Rassentrennung umgeben, wollte Roddenberry durch die multikulturelle Crew seine Vision einer egalitären Zukunft verwirklichen, in der Individuen nur aufgrund ihres Charakters beurteilt werden.

Neben spitzenohrigem Mr. Spock war die Offizierin Uhura die kontroverseste Figur. Gespielt von Nichelle Nichols, war Uhura die erste schwarze weibliche Figur, die in einer nicht-stereotypischen Rolle im amerikanischen Fernsehen gezeigt wurde. Selbstbewusst und emanzipiert, besaß Uhura eine Autorität die für Afroamerikanerinnen Frauen der 1960er Jahre völlig unbekannt war.

Martin Luther King war ein Fan von Uhura

Der Einfluss von Uhuras Figur griff schnell über das Fernsehen hinaus und erfasste die amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Als Schauspielerin Nichols bei einer Veranstaltung der Bürgerrechtsorganisation NAACP von Martin Luther King angesprochen wurde, bekam sie erstaunt zu hören, dass Star Trek eine der wenigen Serien sei, die King und seine Frau ihren Kindern zu sehen erlauben. Als Nichols erwiderte, dass sie beabsichtigte „Star Trek" zu verlassen und zum Theater zurückzukehren, bat King sie, es sich anders zu überlegen. "Menschen die nicht aussehen wie Sie und ich", sagte er, "sehen uns zum ersten Mal als das was wir wirklich sind - gleichberechtigt. 'Star Trek' hat das Gesicht des Fernsehens verändert."

Ein paar Jare später: William Shatner, Nichelle Nichols, Walter Koenig, George Takei, und Leonard Nimoy mit James Doohan (im Rollstuhl)(c) � STR New / Reuters

Vom Flop zum Welterfolg

Obwohl „Star Trek" eine feste Fangemeinde hatte, konnte Roddenberrys Zukunftsvision breite Massen nicht bewegen. 1969 sanken die Einschaltquoten dramatisch. Die Fernsehstation NBC, die die Originalserie ausstrahlte, entschied sich, „Star Trek" abzusetzen. Um aus verlorener Investition Profit zu schlagen, wurden Ausstrahlungsrechte an nationale und internationale Fernsehstationen verkauft. Im deutschsprachigen Raum wurde die erste Staffel 1976 im ZDF unter dem Titel „Die Enterprise" ausgestrahlt.

Die Verbreitung auf dem Weltmarkt wurde ein riesiger Erfolg. Bald darauf nahm NBC die Dreharbeiten wieder auf und drehte die zweite Staffel, gefolgt von zwölf Filmen und sechs Serien. Ein Mythos war geboren.

Simple Moral: gut gegen böse

Die Moral von „Star Trek" war von Anfang an simpel - die Guten waren diejenigen, die für die Freiheit kämpften. Und diejenigen, die Recht hatten, behielten zum Schluss immer Recht. Dafür wurden sie mit dem Sieg belohnt. Bösewichte dagegen endeten böse. Im Gegensatz zu Amerika der 1960er, gab es in „Star Trek" keine gespaltenen Polit-Lager, keine Grauzonen, die einem den Kopf zerbrechen konnten. Während amerikanische Soldaten Napalmbomben über Vietnam abwarfen, verbreiteten Captain Kirk & Co. die friedliche Botschaft in die Galaxie. Die Zuschauer wurden eingeladen, in eine Heile Welt zu flüchten, in der alles immer neu war und alles immer gut endete.

Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen scheute Roddenberry nicht davor, unethische Moralvorstellungen seiner Epoche zu verurteilen. Jahre später sollte er öffentlich zugeben, dass er in seiner Weltall-Utopie heimlich Stimmung gegen blinde Gefolgschaft und autoritäre Verhältnisse machte.

Roddenberry: Frau kann nie Raumschiffkapitän werden

Aber auch Roddenberrys Vision hatte ihre Grenzen. Sie tat sich schwer, Konservatismus bei einem Thema abzusetzen: den Frauen. Frauen waren in der Welt von Star Trek willkommen. Insbesondere wenn sie, wie Uhura, neben voll gekleideten Männern ultrakurze Miniröcke als Uniform trugen und keine Kapitäninnen wurden.

Die Serie hing in dieser Hinsicht an alten Konzepten, verschuldet war das allerdings nicht Roddenberry, sondern dem produzierenden Fernsehsender, der in dieser Hinsicht auf Konservativismus beharrte: in einer Episode der Originalserie wird behauptet, dass eine Frau nie Raumschiffkapitän werden könne. Es dauerte fast dreißig Jahre, bis „Star Trek" mit Captain Kathryn Janeway die erste - und bisher die einzige - Raumschiffkapitänin bekam. Von allen Star Trek Kapitänen war es Janeway, die die Autorität der Sternenföderation am meisten in Frage stellte.

Der jüngste Film zur Reihe, "Star Trek Into Darkness" kommt am 9.5. ins Kino.