Agrana: „Blütenreine Weste“

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Agrana(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Im April gab es Hausdurchsuchungen beim heimischen Zuckerkonzern Agrana. Gefunden worden sei nichts, so der Vorstand.

Wien/Hie. Im April bekam der österreichische Zucker-, Frucht- und Stärkekonzern Agrana Besuch von den Wettbewerbshütern der EU („Die Presse“ berichtete). Auf seiner Bilanzpressekonferenz am Dienstag äußerte sich dazu nun der Vorstand des Konzerns. Es habe eine „Nachschau“ gegeben, sagte Agrana-Finanzvorstand Walter Grausam. Die Wettbewerbshüter hätten allerdings nach drei Tagen das Haus verlassen, „ohne ein einziges Beweisstück mitzunehmen. Sie haben überhaupt nichts gefunden“, sagte Grausam. „Wir haben eine blütenreine Weste.“

Bei den Ermittlungen ging es um Untersuchungen der Zuckerpreisanstiege in den Jahren 2010 und 2011. Zu diesem Zweck seien Hausdurchsuchungen bei europäischen Zuckerproduzenten vorgenommen worden.

Auch in einem anderen Verfahren muss sich die börsenotierte Agrana mit den Wettbewerbshütern auseinandersetzen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) verdächtigt den Konzern, Preisabsprachen getätigt zu haben. Der Verdacht betrifft die Agrana sowie ihre deutsche Mutter Südzucker und Nordzucker. Die Absprachen sollen zwischen 2004 und 2008 stattgefunden haben. Die BWB stellte 2010 beim Kartellgericht einen Strafantrag in Höhe von 27,85 Mio. Euro. Grausam wies die Vorwürfe wiederholt zurück: „Abmachungen hat es nicht gegeben.“ Das Verfahren laufe nun seit zwei Jahren und es sei „noch immer nichts auf dem Tisch“.

 

Insidergeschäfte in Mexiko

Abgesehen davon hat die Agrana zwei gute Jahre hinter sich: 2012 schrieb der in Wien ansässige Konzern einen Gewinn von 156,5 Mio. Euro, im Jahr davor waren es 155,7 Mio. Euro. Beim Umsatz rechnet Agrana-Vorstandschef Johann Marihart auch im laufenden Geschäftsjahr mit einem leichten Anstieg, der primär auf Mengenzuwächse zurückzuführen sei. Die Rekordgewinne der Vorjahre würden sich aber wegen höherer Produktionskosten eher nicht wiederholen lassen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr steigerte die Agrana ihren Umsatz um 19 Prozent auf 3,1 Mrd. Euro und knackte damit erstmals die Drei-Milliarden Euro-Marke. Der Vorstand will bei der Hauptversammlung eine Dividende von 3,6 Euro je Aktie vorschlagen.

Kostspielig waren für den Konzern Insidergeschäfte des Managements in Mexiko. Wegen erwarteter Forderungsausfälle in der Causa hat die Agrana in ihrer Bilanz 14,8 Mio. Euro rückgestellt. Der Generaldirektor der Mexiko-Tochter, der Finanzchef, der Einkaufsleiter und vier weitere Mitarbeiter sind entlassen worden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2013)