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Bruttosozialglück

Work-Life-Balance
Work-Life-Balance(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Warum das Wissen um Work-Life-Balance immer wichtiger wird, und wie Österreichs Manager damit umgehen.

Weniger Krankenstandstage, mehr Produktivität: Für die meisten Chefs sind dies die beiden wichtigsten Punkte für betriebliche Gesundheitsförderung – jedenfalls nach Umfrage des Hernstein-Management-Report vom April 2013: Jeweils ein knappes Viertel beziehungsweise ein knappes Drittel der 300 befragten Manager aus Österrreich, Deutschland und der Schweiz nannte diese Punkte, gefolgt von „Gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“ (15 Prozent) und „Der demografischen Entwicklung vorbeugen“ (14 Prozent).

 

Geht es den Mitarbeitern gut,...

Doch was versteht man eigentlich unter Gesundheitsförderung? Und was hat das mit Weiterbildung zu tun? „Die Palette reicht von der Arbeitssicherheit, also einem ergonomischen Arbeitsplatz, über Verhaltensprävention wie regelmäßige Gesundheitschecks oder Angebote für Yoga bis zur Verhältnisprävention“, so Lisa Kratzer, Leiterin der Marktkommunikation des Hernstein-Instituts für Management und Leadership. „Dazu gehören etwa Teilzeitmöglichkeiten oder die Schaffung anderer Rahmenbedingungen, die zur Work-Life-Balance beitragen.“ Doch die besten Maßnahmen nützen nichts, wenn der Führungsstil nicht dazupasst. Kratzer: „Was das Management nicht lebt, hat wenig Erfolg.“

Man könnte auch sagen, was das Management nicht weiß, kann es nicht umsetzen – und da gibt es noch viel zu lernen, was es an Möglichkeiten, aber auch an Strategien zur Umsetzung gibt. „Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass produktionserhöhendes Führungsverhalten auf den drei Säulen Sinn, Orientierung und Wertschätzung beruht“, so Kratzer. Fehlende Kommunikation, Unsicherheit und das Gefühl, eine schnell austauschbare Nummer zu sein, schaden den Mitarbeitern – und damit der Firma. „Sie gehen zu anderen Betrieben oder in die innere Emigration.“

Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitssicherheit wird also in vielen Bereichen versucht, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter durch Work-Life-Balance zu verbessern: In der Studie „Weiterbildung 2013“ der Plattform für berufsbezogene Weiterbildung (PbEB) gaben 77 Prozent der befragten 500 österreichischen Führungskräfte an, Teilzeitmodelle anzubieten, 70 Prozent Gleitzeit, 31 Prozent Arbeitszeitkonten. Elternteilzeit und Väterkarenz waren bei 58 bzw. 42 Prozent möglich. Konkrete andere Maßnahmen waren unter anderem Gesundheitschecks bei 51 Prozent der Befragten, Fitnessangebote bei 29 Prozent und Burn-out-Vorsorge bei 25 Prozent.

Doch die Angebote wurden höchst unterschiedlich genutzt: In Väterkarenz gingen nur sechs Prozent aller, die das Model nutzen konnten, die Burn-out-Vorbeugung wurde von weniger als der Hälfte der Mitarbeiter nachgefragt. „Die Gründe sind sehr unterschiedlich“, so Hannes Knett vom PbEB. „Im zweiten Fall wurde das Paket im Rahmen einer anderen Veranstaltung unter anderem Namen angeboten und stark genutzt.“

 

...geht es der Firma gut

Für Lisa Kratzer liegt die Diskrepanz neben Unsicherheit und nicht eindeutig kommunizierten Unternehmenswerten unter anderem auch darin, dass „es zwar viele Angebote gibt, aber oft wenig System dahintersteckt“. In der Hernstein-Studie gaben 67 der österreichischen Befragten an, Maßnahmen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit zu setzen, aber nur 36 Prozent verfügen über ein entsprechendes Kennzahlensystem. Die meisten gab es für Krankenstandstage (79Prozent), Anzahl der Angebote (44 Prozent) und Fluktuationsquote (38Prozent). Nur 29Prozent überprüften, wie die Angebote tatsächlich genutzt werden.

In einem Punkt besteht nur wenig Nachholbedarf: In der PbEB-Studie versprechen sich 83Prozent der Befragten Nutzen durch „die Erhöhung der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2013)