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Gerald Klug: Die rote Hoffnung im Tarnanzug

Gerald Klug rote Hoffnung
Gerald Klug(c) APA/BUNDESHEER/GUNTER PUSCH (BUNDESHEER/GUNTER PUSCH)

Von Feldschuhen bis hin zum Fallschirmsprung: SPÖ-Minister Gerald Klug macht sich mit kleinen Tricks unter den Militärs beliebt. Doch es kommen noch ein Wahlkampf und eine Reform auf ihn zu.

Inmitten einer Schar von Soldaten war diesmal er der mit dem Tarnanzug: Bei seiner ersten Auslandsreise auf den Golanhöhen passte sich Gerald Klug stylingtechnisch an die Truppe an. Sakko und Hose hatten dieselbe Farbe wie die Uniform der Soldaten. Auch sandfarbene Feldschuhe hatte sich der Minister zugelegt. Die kurz geschorenen Haare taten ihr Übriges – von Kopf bis Fuß hatte er sich militärisch in Szene gesetzt.

Es sind (auch) solche Kleinigkeiten, mit denen der neue Verteidigungsminister bei der Truppe punkten will. Dass er eben ihre Schuhe trägt. Oder, wieder in Wien in der Rossauer Kaserne, in der Kantine zu Mittag isst – und sich nicht das Essen von außen liefern lässt. Wenn er von der Truppe erzählt, bemüht er sich auch stets, von „meinen Soldaten“ zu sprechen. Selbst seine Reden haben etwas Militärisches – zackig, klar und mit strenger Stimme.

Das gehört zu seinem Wesen. Man merkt, dass es Klug leichtfällt, auf Soldaten zuzugehen und mit ihnen zu plaudern. Aber es ist durchaus auch Taktik – und die geht auf. Hört man sich bei den Militärs um, ist nur Positives über den neuen Minister zu hören – selbst bei jenen, die eigentlich der ÖVP angehören. „Er interessiert sich für uns“, heißt es. Und: „Er identifiziert sich mit der Aufgabe Bundesheer.“ Auch die Bevölkerung scheint Klug zu mögen. Auf der Beliebtheitsskala klettert er immer weiter nach oben, zuletzt überholte er in einer „Österreich“-Umfrage sogar den Jungstar der ÖVP, Sebastian Kurz, und landete auf Platz eins. Auch im Vertrauensindex der Nachrichtenagentur APA liegt er nun hinter Bundespräsident Heinz Fischer und Nationalratspräsidentin Barbara Prammer auf Platz drei der vertrauenswürdigsten Politiker.

Doch wie schaffte es der 44-jährige Steirer, ausgerechnet als Verteidigungsminister so beliebt zu werden? Schließlich ist die Landesverteidigung unter Sozialdemokraten nicht gerade als Karrieresprungbrett bekannt.


SPÖ verliert, ÖVP jubelt. Die Einstiegsvoraussetzungen waren für Klug – einerseits – nicht gerade die besten: Die SPÖ hatte die Volksbefragung verloren, die ÖVP freute sich über den Sieg der Wehrpflicht. Dem damaligen Verteidigungsminister Norbert Darabos stand sein Unmut, mit einer jubelnden Johanna Mikl-Leitner den Grundwehrdienst reformieren zu müssen, ins Gesicht geschrieben. Die Aufgabe, für Bundeskanzler Werner Faymann in der Löwelstraße den SPÖ-Wahlkampf zu managen, nahm er freudig entgegen. Und hier lag – andererseits – schon der erste Startvorteil für Klug: Er ist nicht Norbert Darabos.

Das verschaffte ihm in der Truppe schon einige Pluspunkte. Denn der ehemalige Verteidigungsminister war bei vielen Uniformierten alles andere als beliebt. Immer wieder hörte man Beschwerden, Darabos würde den Kontakt zu Soldaten meiden und sich zurückziehen. Aber es sei nicht nur wegen seines Vorgängers, dass der neue Minister so gut ankomme: „Klug macht all das, was Darabos nicht gemacht hat – und darüber hinaus“, heißt es aus dem Heer.

Zum Beispiel verbrachte er (zusammen mit der „Kronen Zeitung“) einen Tag beim Jagdkommando in Wiener Neustadt. Er schlüpfte in einen Tauchanzug und probierte einen Tandem-Fallschirmsprung aus. In derselben Woche verkündete er, dass das Bundesheer am 8.Mai auf dem Heldenplatz eine Mahnwache abhalten werde, um die Burschenschafter und ihr „Totengedenken“ zu vertreiben. In den vergangenen Wochen verging kaum eine Woche, in der Klug keinen öffentlichen Termin hatte.


Anfang März noch unbekannt. Dabei ist es noch keine drei Monate her, da saß Klug noch völlig unbekannt als SPÖ-Fraktionschef im Bundesrat. Damals war sein größter Gegner noch der 500-Euro-Schein, den er abschaffen wollte. Und als am Abend des 8.März die ersten Gerüchte aufkamen, ein gewisser Gerald Klug solle Norbert Darabos als Verteidigungsminister nachfolgen, fragte sich so mancher: „Gerald – wer?“

Das Archiv füllte sich erst langsam mit Informationsmaterial über den neuen Minister: Ja, er habe seinen Präsenzdienst abgeleistet. Und nein, er habe nicht für die Wehrpflicht gestimmt. Ansonsten hat der ledige Sohn eines früheren Betriebsratsvorsitzenden bei Simmering-Graz-Pauker eine klassische rote Parteikarriere absolviert: Er war Jugendvertrauensmann, später Sekretär der Metallgewerkschafter, danach steirischer Arbeiterkammerrat – bis er in den Bundesrat kam. Der gelernte Dreher holte das Jus-Studium nach, er kocht gern und ist ein leidenschaftlicher Läufer.


50 Liegestützen. Das unterstreicht er als Sportminister immer wieder: Auch heute noch versuche er, zwei- bis dreimal die Woche eine Stunde zu joggen. Und wenn es sich zeitlich nicht ausgeht, dann macht er vor dem Frühstück schon einmal 50 Liegestützen.

Klug weiß, wie er sich bei Militärs beliebt macht. Bei seiner Antrittsrede gleich nach der Angelobung verglich er sich mit einem Grundwehrdiener – schließlich bleiben auch ihm bis zur Nationalratswahl im Herbst nur sechs Monate beim Militär. Klug sei sich durchaus bewusst, dass sein Erfolg auch an der Reform des Grundwehrdienstes gemessen werde. Das Konzept dafür soll bereits im Sommer stehen.


Koalitionärer Frieden. Daher nehme er bei der politischen Arbeitsgruppe immer mehr die Führung in die Hand, heißt es. Während Darabos vorwiegend Mitverhandler und SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer entscheiden ließ, soll Klug die Zügel in die Hand nehmen. Noch funktioniert auch die Arbeit mit dem Koalitionspartner gut.

Doch der Wahlkampf ist eröffnet, und das wird wohl auch Auswirkungen auf die (friedlichen) Wehrpflicht-Verhandlungen haben. Der „attraktivierte“ Grundwehrdienst stellt auch eine weitere Hürde für Klug dar: Ein begrenztes Budget grenzt auch die Möglichkeiten einer Reform ein.

Wenn die nächsten Rekruten im Herbst einrücken, könnte allerdings schon wieder alles anders sein: Hinter vorgehaltener Hand wird er schon als Kandidat für andere Ämter gehandelt. „Er hat gute Chancen, in die erste SPÖ-Liga aufzusteigen.“ Daher werde ihm wohl ein für die SPÖ wichtigeres Ressort zugeteilt werden.

Seine alten politischen Forderungen hat Klug übrigens auch nicht vergessen. „Ich bin deutlich der Meinung, dass der 500-Euro-Schein der überflüssigste ist, der in der EU herumsegelt.“

ZUR PERSON

Gerald Klug ist seit 11.März 2013 Bundesminister für Landesverteidigung und Sport. Er übernimmt bis zur Nationalratswahl im September die Ressorts von Norbert Darabos. Dieser kehrte nach sechs Jahren Amtszeit zurück in die SPÖ-Zentrale als Wahlkampfleiter. In der Steiermark tritt Klug auch als SPÖ-Spitzenkandidat für die Nationalratswahl im September an.

Der gebürtige Steirer wurde am 13. November 1968 in Graz geboren. Nach seiner Ausbildung zum Dreher studierte er Rechtswissenschaften an der Uni Graz. Anders als viele SPÖ-Mandatare war Klug beim Heer: 1987 trat er seinen Präsenzdienst an. Später wurde er Sekretär der Metaller-Gewerkschaft, 2005 kam er in den Bundesrat. Drei Jahre war er dort SPÖ-Fraktionschef.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2013)