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Salafisten sagen tunesischer Regierung den Kampf an

Kampfansage Salafisten Tunis
Kampfansage Salafisten Tunis(c) REUTERS (ANIS MILI)
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Tödliche Straßenschlachten zwischen der militanten islamischen Bewegung Ansar al-Sharia und tunesischen Sicherheitskräften. Die gemäßigt islamische Regierung nimmt den Fehdehandschuh auf – 200 Verhaftungen.

Tunis/Afp/Reuters. Tunesien bleibt ein schwelender Unruheherd in Nordafrika, in dem es sporadisch zum Aufflackern von Gewalt kommt. So auch wieder am Pfingstwochenende. Nachdem am Sonntag bei Straßenschlachten zwischen Sicherheitskräften und militanten islamischen Demonstranten mindestens ein Islamist getötet worden war, verhaftete die Polizei 200 mutmaßliche Extremisten. Bei den Zusammenstößen wurden auch 18 Menschen verletzt, darunter 15 Polizisten.

„In Terrorismus verstrickt“

„Wer nachweislich das Gesetz gebrochen hat, wird verfolgt“, sagte Tunesiens Premier Ali Larayedh. Er warf der Salafisten-Bewegung Ansar al-Sharia, die die Krawalle ausgelöst hatte, vor, „in den Terrorismus verstrickt“ zu sein: „Ansar al-Sharia ist eine illegale Organisation, die den Staat herausfordert und provoziert“, redete der Premier im Staatsfernsehen Klartext.

Auslöser der Gewalt war das Verbot eines Kongresses der islamistischen Bewegung. Nachdem das Treffen in der Stadt Kairouan nicht abgehalten werden durfte, hatte Ansar al-Sharia für Sonntag zu einer Versammlung im Westen von Tunis aufgerufen.

Hunderte Anhänger der Bewegung forderten zum Sturz der nach der Revolution 2011 demokratisch gewählten Regierung auf und warfen Steine und Brandsätze auf die Sicherheitskräfte. Diese setzten Tränengas ein und feuerten Warnschüsse ab. Außer der Polizei waren auch Einheiten der Armee und der Nationalgarde im Einsatz.

Verwirrung herrschte am Montag über ein möglicherweise zweites Todesopfer bei den Zusammenstößen in Tunis am Sonntag. Ein Vertreter der Nationalgarde sagte, es habe zwei Tote gegeben. Das Innenministerium erklärte dagegen, der zweite Tote habe weder etwas mit den Krawallen noch mit den Salafisten zu tun. Ein Vertreter von Ansar al-Sharia sprach ebenfalls von zwei Toten bei den Zusammenstößen, bestritt aber eine Verbindung zu dem zweiten Opfer.

Im Internet tauchte eine Unterstützerbotschaft des Terrornetzwerks al-Qaida für Ansar al-Sharia auf. Wie das auf die Überwachung islamistischer Webseiten spezialisierte US-Unternehmen Site mitteilte, forderte ein Mitglied des sogenannten Sharia-Komitees der al-Qaida im islamischen Maghreb (AQMI) namens Abu Yahya al-Shankiti die tunesischen Salafisten auf, nicht auf die „Provokationen“ der Regierung in Tunis einzugehen. Sie sollten sich „vom Regime nicht provozieren lassen“ und lieber Klugheit und Geduld zeigen sowie die „guten Schritte, die Früchte tragen, weitergehen“.

Siegessichere Herausforderer

Die in Tunesien regierende „Ennahda“-Partei, die selbst eine islamistische Ausrichtung hat, wendet sich neuerdings verstärkt gegen die militanten Islamisten. Der abgetauchte Ansar-al-Sharia-Gründer Abou Iyadh gab sich in einer Botschaft an den verbotenen Kongress aber unbeeindruckt: Trotz der „Verfolgung“ durch den Staat könnten seine Anhänger „nicht besiegt werden“, heißt es in der auf der Facebook-Seite der Organisation veröffentlichten Audiobotschaft.

Ansar al-Sharia wirft der Ennahda-Partei eine antiislamische Politik vor und hat der Regierung bereits mit „Krieg“ gedroht. Nach eigenen Angaben hat die Bewegung 40.000 Anhänger.

Auf einen Blick

Ansar al-Sharia – „Kämpfer für das islamische Recht“ – haben ihren Ursprung im Jemen. Seit 2011 verübten sie dort mehrere Terroranschläge. Die USA sehen in ihnen einen Ableger der Terrorgruppe „al-Qaida auf der arabischen Halbinsel“. Inzwischen hat Ansar al-Sharia Ableger in Libyen, Ägypten, Marokko und eben auch Tunesien. Die militanten Salafisten sehen die islamische Rechtsprechung (Sharia) als einzige Grundlage von Staat und Gesellschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2013)