Syrien bereit zu Israel-Gegenschlag?

Syrien
Syrien(c) REUTERS (STRINGER)

Sollte Israel erneut militärisch in Syrien eingreifen, würde Tel Aviv laut Medienberichten mit Boden-Boden-Raketen beschossen. Neue Großoffensive der Armee.

Kairo/Damaskus/M. g./Wg/Ag. Während im syrischen Bürgerkrieg am Wochenende die Regierungstruppen zu einer „Entscheidungsoffensive“ antraten, tauchten Berichte auf, wonach Syrien auf einen weiteren israelischen Luftangriff militärisch reagieren werde – nämlich mit dem Start von Boden-Boden-Raketen des Modells „Tishreen“ gegen Tel Aviv, vor allem den dortigen Flughafen.

Die auf Fahrzeugen montierten Raketen, die im Iran als „Fateh-100“ entwickelt wurden, sollen überaus präzis sein und 500 Kilo Sprengstoff 300 Kilometer weit tragen können; sie würden eine Sperre des für Israel enorm wichtigen Flughafens erzwingen. Syrien soll 200 und mehr Tishreens besitzen.

In den vergangenen Monaten hatten israelische Jagdbomber und Marschflugkörper Ziele im Raum Damaskus angegriffen, darunter sollen Fateh-100 und/oder Tishreens gewesen sein, die für die Hisbollah bestimmt gewesen sein sollen; Präsident Bashar al-Assad muss darauf eine Antwort finden, um sein Gesicht nicht zu verlieren.

Große Verluste der Hisbollah

Zwei Wochen vor der geplanten internationalen Syrien-Konferenz ist das Regime militärisch massiv in die Offensive gegangen, während Assad in einem TV-Interview einen Rücktritt erneut kategorisch ausschloss. Rund um die Uhr griffen die syrischen Truppen übers Wochenende mit Artillerie, Hubschraubern und Flugzeugen die strategisch wichtige Stadt Qusair nahe der Grenze zum Libanon an, die im Besitz der Rebellen ist.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mehr als 50 Kämpfer auf beiden Seiten getötet – inklusive 23 Mitglieder der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon, die auf Assads Seite fochten. Es wären die schwersten Verluste der vom Iran und von Syrien unterstützten schiitischen Kampforganisation seit dem Krieg gegen Israel im Jahre 2006, was die zunehmende Beteiligung der fremden Milizionäre deutlich macht.

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Assad schloss in einem seiner seltenen Interviews, diesmal mit argentinischen Medien, erneut einen Rücktritt aus. „Wir haben in den letzten Wochen wichtige Erfolge erzielt. Der Kampf ist lang, aber wir machen gute Fortschritte“, sagte er und verglich sich mit einem Kapitän: „Das Land befindet sich in einer Krise. Wenn ein Schiff in schweren Sturm gerät, haut der Kapitän nicht einfach ab, sondern versucht, es in einen sicheren Hafen zu steuern.“ Er werde bei der nächsten Präsidentenwahl 2014 erneut antreten.

Auf die Frage, ob er auch Kritik am eigenen Vorgehen habe, antwortete Assad: „Es ist unlogisch, Selbstkritik zu üben, bevor die Ereignisse zu einem Ende gekommen sind. Wenn Sie sich einen Film ansehen, fangen Sie ja auch nicht mit der Kritik an, bevor Sie alles angeschaut haben.“

 

Rebellen sprechen von Teilsieg

Mittlerweile scheint sich Assad mit der faktischen Teilung des Landes abgefunden zu haben und konzentriert sich darauf, Damaskus und einen Korridor in die alawitische Bergregion entlang der Meeresküste zu halten. Für einen solchen Reststaat aber besitzt das Städtchen Qusair zusammen mit der schwer umkämpften Stadt Homs eine Schlüsselstellung. Den Rebellen diente der Ort bisher als Drehscheibe für Waffen, die aus dem Libanon geschmuggelt werden.

Nach Darstellung des staatlichen Fernsehens konnte die Armee nach tagelangen Häuserkämpfen die Hälfte des Stadtgebietes besetzen, einschließlich des Rathauses. Dagegen erklärten Rebellen, man habe die Offensive am Montag zurückgeschlagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2013)