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Ray Manzarek: Der Organist der „Doors“ ist tot

Doors
Doors(C) Elektra Records
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Ray Manzarek ist mit 74 Jahren gestorben. Er hat der Band, die die düsteren Seiten des Sixties-Amerika ausdrückte wie keine andere, ihren Sound gegeben.

Er war, so will's die Legende, der Erste, dem Jim Morrison den „Moonlight Drive“ vorsang, in Venice Beach, 1965, bei Sonnenuntergang. Er hat sie erst gut arrangiert und später gut verwaltet, die Mondlichtfahrt: Ray Manzarek, Amerikaner polnischer Abstammung, der Keyboarder der Doors. Er hat den Sound dieser Band geprägt mit den sehnsüchtigen Tongirlanden seiner rechten Hand. Und mit seiner Linken, mit der er die Bassgitarre ersetzte: Dadurch klangen die Basslinien bei den Doors getragener, elegischer als bei anderen Bands.

Was wäre „Light My Fire“ ohne die eröffnende Orgelmelodie? Was wären die „Riders On The Storm“ ohne das perlende E-Piano Manzareks? „Waiting For The Sun“ ohne sein zart zitterndes Spinett? Immer mit Sonnenbrille, meist mit Koteletten, ein Hipster unter den Hippies, schrieb und spielte er – gemeinsam mit dem kongenialen Gitarristen Robbie Krieger – die Musik, zu der sich Morrison, diese Ödipus- und Dionysosfigur der Sixties-Mythologie, jäh erheben konnte; er machte den „scream of the butterfly“ hörbar, um es mit einer Doors-Zeile zu sagen. Und als Morrison dann, kaum drei Jahre später, bärtig und fett in den alkoholischen Blues abstürzte, sorgte der treue Manzarek für die Unterlage.

„When The Music's Over“

Es waren nicht mehr als sechs Alben, die die Doors von 1965 bis 1971 mit Morrison veröffentlichten, aber sie drücken die Visionen der Sechziger perfekt aus. Schon auf der ersten Platte etwa das zum spukhaften Mythen-Panoptikum erweiterte Abschiedslied „The End“, aber auch „Break On Through“: die Idee von der „anderen Seite“, die zu erreichen jede Substanz recht ist, in einer knackigen Nussschale. Dann kamen die „Strange Days“ (mit „When The Music's Over“), das herbstliche „Waiting For The Sun“ (mit „Five To One“, das das Pathos der Studentenrevolte in Todessehnsucht überhöhte), die seltsam üppige „Soft Parade“. Schließlich die Rückkehr zur Bodenstation Blues: „Morrison Hotel“ und „L.A. Woman“. Dann verließ Morrison die Band, um Dichter zu werden, in Paris, wo man ihn bald tot in der Badewanne fand.

Nach Morrisons Tod 1971 führte Manzarek mit Krieger und Schlagzeuger John Densmore die Doors kurz weiter, arrangierte 1978 Gedichte aus Morrisons Nachlass („An American Prayer“). Dann versuchte er sich auf eigenen Wegen, interpretierte die Carmina Burana, spielte bei „Night City“. Wieder in seinem Element war er 2002, als er mit Krieger „The Doors of the 21st Century“ gründete. Fortan blieb er bei der Pflege des Doors-Erbes, manchmal mit Band, manchmal als Solist und Geschichtenerzähler. Wenn er von den Idealen seines Jahrzehnts, von der „spirituellen Energie“ schwärmte, belächelte man ihn, achtete ihn aber doch als naiven Zeitzeugen der naiven Sechzigerjahre. „Die Gegenwart ist doch entsetzlich“, sagte er 1997. „Wir leben in genau dem zynischen Albtraum, vor dem wir in den Sechzigern immer gewarnt haben.“

Nun hat Ray Manzarek Traum und Albtraum verlassen: Er ist 74-jährig in einer Klinik im bayerischen Rosenheim an Krebs der Gallengänge gestorben. Legionen von Doors-Freunden werden „When The Music's Over“ auflegen, auf den Schrei des Schmetterlings warten und seiner gedenken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2013)

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