Israel plant Angriff auf Assad-Arsenal

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Im Fall des Sturzes des syrischen Diktators will Israel Plünderung des Waffenlagers vereiteln.

Jerusalem/Reuters. Israel ist extrem beunruhigt, dass das reichhaltige Waffenarsenal Bashar al-Assads in die Hände von Jihadisten und Hisbollah-Milizen im Libanon fällt. „Wenn Syrien morgen zusammenbricht, könnten wir sehr schnell und in großem Maß in die Bredouille geraten, weil das enorme Waffenlager geplündert und gegen Israel gerichtet werden könnte“, sagte Israels Luftwaffenchef Amir Eshel bei einer Sicherheitskonferenz in Herzliya. „Wir sehen uns möglicherweise genötigt, binnen Kurzem und in großem Stil zu handeln.“

Damit implizierte er nichts weniger als einen groß angelegten Angriff auf das Waffenarsenal Assads. Allein heuer hat die israelische Luftwaffe bereits drei Attacken gegen Ziele in Syrien geflogen, um den Waffennachschub aus dem Iran zu unterbinden. Im Fall eines Sturzes Assads fürchtet Israel vollends das Chaos, insbesondere das Chemiewaffenpotenzial gibt in Israel Anlass zur Sorge. Die Hisbollah und Palästinensergruppen haben schon damit gedroht, die von Israel okkupierten Golanhöhen zu attackieren. Zuletzt kam dort eine israelische Militärpatrouille unter Beschuss der syrischen Armee.

 

Raketenlieferung aus Moskau

Syriens Waffenarsenal dürfte sich im Laufe des zweijährigen Bürgerkriegs zwar einigermaßen dezimiert haben, doch sind die Regierungstruppen Assads nach wie vor gut ausgerüstet. So verfügen sie laut dem Fachmagazin „Flight International“ immerhin über 480 Kampfflugzeuge, 150 Kampfhubschrauber, mehr als 10.000 gepanzerte Fahrzeuge, 6000 Geschütze, fast 7000 Panzerabwehrraketen und 4000 Luftabwehrraketen.

Der jüngste Versuch des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu, bei seiner Moskau-Visite die Auslieferung russischer Luftabwehrsysteme an Syrien zu verhindern, schlug derweil fehl. Die Raketen seien bereits unterwegs, erklärte Eshel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2013)