Wieso die Welt ein wenig besser geworden ist

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„Good news“: PKK-Kämpfer ziehen sich zurück, immer mehr Kinder können lesen und schreiben, Japan boomt wieder – und Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hat verhindert, dass in Liberia wieder die Gewalt herrscht.

Finanzkrise und blutige Konflikte in Nahost dominieren die Schlagzeilen. Doch es gibt auch positive Nachrichten: aus der Türkei etwa, wo die kurdische PKK und die Regierung ihren jahrzehntelangen Krieg mit einer Waffenruhe beendet haben. Oder aus Japan, wo plötzlich die Wirtschaft wieder boomt. Afrika ist keineswegs nur der Kontinent der Katastrophen: Staaten wie Angola weisen einen beachtlichen Wirtschaftsaufschwung auf. Vor allem aber: Der Euro existiert noch – allen Unkenrufe zum Trotz.


1 Fortschritte bei Dauerkonflikten.

Ja – ein Ende des grausamen Bürgerkrieges in Syrien ist nach wie vor nicht in Sicht, genauso wenig wie eine Lösung des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinensern. Und Gewalt herrscht nach wie vor in mehreren afrikanischen Staaten, etwa im Kongo oder Somalia.
Aber es gibt Lichtblicke. Allen voran in diesen Tagen in der Türkei: Dort haben sich im März die Regierung und die Kurdenpartei PKK auf eine Waffenruhe geeinigt. Und somit ihren seit 30 Jahren andauernden, blutigen Konflikt, der mehr als 40.000 Menschen das Leben gekostet hat, beendet. Hinsichtlich der Erfolgschancen der Waffenruhe waren viele skeptisch, doch diesmal scheint es tatsächlich zu klappen: Vor wenigen Wochen begann die PKK ihre Truppen abzuziehen. Und bisher verlief das alles überraschend friedlich.
Sogar aus dem Minenfeld Asien, wegen regionaler Konflikte mit dem aufstrebenden China derzeit eine der gefährlichsten Regionen der Welt, gibt es positive Nachrichten: So einigten sich die regionalen Atom-Supermächte Indien und China darauf, den jahrzehntelangen Grenzkonflikt im Himalaja beizulegen. Allein die Tatsache, dass die erste Auslandsreise des neuen chinesischen Premiers zum Erzrivalen Indien führte, ist eine gute Nachricht.
Und in Burma ist Freiheit nach jahrelanger Militärherrschaft kein abstrakter Begriff mehr. Zwar wird die muslimische Minderheit weiterhin unterdrückt. Doch Präsident Thein Sein hat die Zensur gelockert, die Wirtschaft liberalisiert. Und die jahrelang inhaftierte Aung San Suu Kyi darf ihr Parlamentsmandat ausüben.

2 Unerwartete Renaissancen.


Stagnierende Wirtschaft, sinkende Geburtenraten, aufgeblähte Infrastruktur – und das Nukleardesaster von Fukushima. Aus Japan kamen jahrelang nur schlechte Nachrichten. Doch plötzlich boomt das ostasiatische Land wieder: Erstmals seit Langem verzeichnet Japan einen starken Quartalswachstum – und die Geschäfte sind wieder voll. Die ganze Welt blickt bewundernd auf „Abenomics“, die riskante Wirtschaftsstrategie von Premier Shinzo Abe. Er setzt auf lockere Geldpolitik und massive Staatsausgaben – gemischt mit einer ordentlichen Portion Nationalismus. Ob das Wunder anhält, wird sich zeigen. Aber immerhin hat Abe es geschafft, das Selbstbewusstsein der Regionalmacht wieder aufzupäppeln – und den Japanern Hoffnung auf eine rosigere Zukunft zu machen.
Und auch in Afrika wächst die Wirtschaft. Staaten wie Angola erfreuen sich guter ökonomischer Daten. Mittlerweile wandern Portugiesen auf der Suche nach Arbeit in das südwestafrikanische Land aus.

3 Armutsrate halbiert.


Mitten in der Krise hat die Weltbank erstaunlich gute Nachrichten: Heute gibt es weltweit halb so viele Arme wie 1990. „Hauptverantwortlich“ dafür ist China: Dank Wirtschaftsreformen schaffte es die Volksrepublik seit 1990, 510 Millionen Menschen über die 1,25-Dollar-pro-Tag-Grenze zu heben. Aber auch Länder wie Nepal, Timor, Guinea oder Bosnien reduzierten die Anzahl der in extremer Armut Lebenden um die Hälfte. Voreiliger Optimismus ist allerdings fehl am Platz: In Sub-Sahara Afrika hat die Verelendung zugenommen.
Eine andere Entwicklung macht indes Hoffnung: Noch 1990 besuchte ein Sechstel der Kinder weltweit keine Schule. Seitdem sind die Einschulungsraten stark gestiegen – allein in Asien gehen inzwischen doppelt so viele Kinder in die Schule. Auch in Afrika gibt es Fortschritte:  Benin etwa hatte noch 1999 eine der niedrigsten Einschulungsraten weltweit. Nach jetzigem Stand werden bis zum Jahr 2015 fast alle Kinder eine Volksschulbildung erhalten.

4 Hoffnungsvolle Neuanfänge.

Der Konflikt galt lange als Kernkonflikt in Südosteuropa. Es war der Streit um den Kosovo, an dem sich schon Ende der Achtzigerjahre zeigte, wie groß die Fliehkräfte in Jugoslawien waren. Es folgten serbische Polizeiherrschaft über die Provinz, Krieg, Massenvertreibung. Mittlerweile haben fast 100 Länder den Kosovo als eigenen Staat anerkannt. Serbien tut das nach wie vor nicht, aber Belgrad und Prishtina sind nun einen großen Schritt aufeinander zugegangen: Sie versuchen, künftig als Nachbarn zu kooperieren. Alle Horrorszenarien, die Staatsgründung des Kosovo könnte zu einem neuen Krieg führen, bewahrheiteten sich nicht.
Auch die Abspaltung des Südsudans vom Sudan führte nicht zur Katastrophe. Zwar kommt es wegen einer teilweise unklaren Grenzziehung immer wieder zu Scharmützeln. Doch keiner der beiden Staaten scheint einen neuen großen Krieg zu wollen. Die Abspaltung des Südsudans war 2011 nach langen Verhandlungen im Einvernehmen beider Seiten erfolgt.

5 Demokratie hat überlebt.

Der Rückfall in die Diktatur wäre in all diesen Fällen die wahrscheinlichste Lösung gewesen, und doch siegte die Demokratie: Im zentralasiatischen Kirgisien initiierte Interimspräsidentin Rosa Otunbajewa die Transformation zu einer parlamentarisch geprägten Republik – und gab ihr Amt nach vollzogener Demokratisierung ab. In Pakistan hatten Islamisten gedroht, jeden zu ermorden, der an der Parlamentswahl Mitte Mai teilnehmen würde. Das hielt 60 Prozent der wahlberechtigten Pakistanis nicht davon ab, ihre Stimme abzugeben: Sie ermöglichten damit, dass eine demokratische Regierung durch eine neue abgelöst wurde – erstmals in der Geschichte der asiatischen Atommacht.
Im bitterarmen und vom Bürgerkrieg traumatisierten westafrikanischen Liberia hingegen hat es Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf geschafft, einen klassischen „failed state“ in eine halbwegs funktionierende Demokratie zu verwandeln – und zu verhindern, dass das Land wieder von einem Bürgerkrieg zerrissen wird.

6 Erfolg im Kampf gegen Piraten.


Im vergangenen Jahrzehnt trieben sich auf den Weltmeeren wieder Gestalten herum, die man jahrelang im Reich der Sagen geglaubt hatte: Piraten. Vor allem am Horn von Afrika in den Gewässern vor der Küste Somalias trieben sie ihr Unwesen. Sie bedrohten die Sicherheit von Seeleuten und behinderten den Transport von UN-Hilfslieferungen und Waren. Die UNO und die EU wurden aktiv, Letztere 2008 mit ihrer „Operation Atalanta“. Kriegsschiffe sicherten fortan die Überfahrt; in Kenia wurde ein Gerichtshof für Piraten eingerichtet, denn das Justizsystem in Somalia war nicht existent. Man baute Gefängnisse, schulte Wärter. 300 Piraten warten in Kenia, den Seychellen und Mauritius auf ihren Prozess. Die Mission ist recht erfolgreich: Die Zahl der Angriffe hat sich merklich verringert. Nach EU-Daten sind die Attacken von 299 im Jahr 2011 auf 111 im vergangenen Jahr gesunken. 2013 zählte man bisher 44 Angriffe, aber nur drei „erfolgreiche“ Entführungen. Sieben Schiffe sind derzeit weltweit in der Gewalt von Piraten.

7 Der Euro lebt.

Vergangenes Jahr tourte der ehemalige deutsche Industriemanager Hans-Olaf Henkel noch durch die Lande und verkündete das unaufhaltsame Zerbrechen der Währungsunion. Er trat als Lösung der Krise für eine Teilung in einen Nord- und einen Südeuro ein. Henkel war nicht der Einzige, der Europas Währung keine Zukunft mehr gab. Wirtschaftsexperten wie IFO-Chef Hans-Werner Sinn warnten vor der unaufhaltsamen Hyperinflation infolge einer verfehlten Euro-Rettung. Zahlreiche Oppositionspolitiker und Kolumnisten verbreiteten die Theorie, dass Länder wie Deutschland längst wieder ihre eigene Währung drucken würden, um für den Zerfall des Euro vorbereitet zu sein. Wirtschaftsverbände wie die Vertretung des deutschen Handels appellierten an ihre Mitglieder, sich auf das Ende der Währung vorzubereiten.
Tatsache ist: Den Euro gibt es noch immer. Krisenländer wie Griechenland oder Spanien mussten nicht austreten. Die Gemeinschaftswährung ist allen negativen Prophezeiungen zum Trotz eine der stabilsten Währungen der Welt geblieben. In diesem April erreichte die Inflation in der Eurozone den niedrigsten Wert seit drei Jahren – 1,2 Prozent. Von zweistelligen Inflationsraten, die manche Experten angekündigt haben, ist die Eurozone trotz weiterhin hoher Staatsverschuldung weit entfernt.
Auch die Angst, der Euro könnte wegen der Finanz- und Schuldenkrise gegenüber dem Dollar massiv an Wert verlieren, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Im Jahr 2000 war der Tiefststand des Euro gegenüber dem Dollar erreicht, er lag bei 0,82 Dollar. Heute liegt er bei 1,29 Dollar.