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Darabos: "Causa Entacher liegt mir noch im Magen"

(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Norbert Darabos über sein neuerdings wieder positives Image, die gute Nachrede für seinen Nachfolger Gerald Klug, Gabi Burgstallers Fehler, die Baustelle SPÖ-Zentrale. Und warum Negative Campaigning einer Kanzlerpartei nichts bringt.

Haben Sie sich in den vergangenen Jahren von den Medien ungerecht behandelt gefühlt?

Norbert Darabos: Nicht global, aber in Einzelfällen. Ich habe es als Chance gesehen, dass jemand, der nicht aus dem Bundesheer kommt, das Ressort übernimmt. Da hat es aber schon auch eine Lobby unter den Journalisten gegeben, die das anders gesehen hat. Und die Causa Entacher liegt mir noch ein wenig im Magen, weil ich nicht verstanden habe, dass hier das Primat der Politik nicht anerkannt wurde.

 

Dieselben Medien, die Sie zuvor als hilflosen Verteidigungsminister dargestellt haben, beschreiben Sie nun als toughen Wahlkampfmanager. Ist das eine genauso übertrieben wie das andere?

Ja. Ich habe mich als Minister nicht so schlecht gefühlt wie es medial rübergekommen ist. Und nun bekomme ich pausenlos ungefragt den Zuruf: Jetzt schaust wieder besser aus! Offensichtlich wirke ich wieder authentischer.

 

Wie übersteht man solche Krisenzeiten? Indem man keine Zeitungen mehr liest?

Ich habe immer Zeitungen gelesen. Was mich ein bisschen mit Wehmut erfüllt, ist, dass kaum wahrgenommen wurde, dass ich versucht habe, die internationale Rolle des Bundesheers zu stärken. Da können sie auch beim deutschen Verteidigungsminister de Maizière nachfragen, der mir geschrieben hat: „Ich werde dich vermissen.“

 

Neidisch auf die gute Nachrede, die Ihr Nachfolger Gerald Klug nun hat?

Nein. Ich war ja für seine Bestellung. Er macht das gut. Aber es bringt mich schon zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken, dass Dinge, die ich vorbereitet habe – etwa das Sportförderungsgesetz – und die ziemlich lange von der ÖVP blockiert wurden, nun relativ rasch über die Bühne gehen.

 

Gabi Burgstaller hatte in der Berufsheerfrage gegen Sie Stellung bezogen. War das eine gewisse Genugtuung für Sie, dass ihr das auch nichts gebracht hat?

Nein. Ich habe ihr am Donnerstag zum 50. Geburtstag gratuliert und ich weiß, dass es ihr auch nicht gut geht nach so einer Schlappe. Aber es ist schon zu hinterfragen – und das gilt jetzt nicht nur für Gabi Burgstaller –, ob es gut ist, sich auf Kosten der Bundespartei profilieren zu wollen. Das hat auch nichts gebracht. Und obwohl sie für den Finanzskandal nichts kann, hätte man das vielleicht kommunikativ auch anders lösen können, wenn ich mir anschaue, dass Niederösterreich auch gewisse Gelder verbrannt hat.

 

Hatten Sie – Stichwort Bienen – Mitleid mit Nikolaus Berlakovich, so von Burgenland-Kroate zu Burgenland-Kroate?

Wir haben ein gutes Verhältnis. Seine und meine Tochter haben zusammen maturiert. Ich wünsche keinem so eine Debatte. Wobei ich mitunter schon das Gefühl habe, dass man es Burgenländern vergönnt, dass sie am Wiener Parkett Schwierigkeiten bekommen.

 

Kommen wir zum SPÖ-Wahlkampf: Wird es einen Themen- oder einen Persönlichkeitswahlkampf, zugespitzt auf Kanzler Faymann, geben?

Es wird ein Themenwahlkampf, der aber auch auf die Position des Spitzenkandidaten fokussiert wird.

 

Eine Negativkampagne wie 2006 werden Sie nun nicht mehr machen können, immerhin stellt die SPÖ jetzt den Kanzler.

Das ist eine Mär. Wir haben damals keinen Negativwahlkampf geführt...

 

Die Pflege-Debatte, aufgezogen an der Familie Schüssel...

Das haben wir nicht hinausgestellt. Wir werden auch die Spindelegger-Wohngeschichte nicht thematisieren. Ich halte es für falsch, wenn sich Regierungsparteien auf diesem Niveau matchen, weil das nur den anderen nützt.

 

Sie lassen derzeit den eher belanglosen Slogan „Die SPÖ. Die Partei der Arbeit“ plakatieren. Wen soll dieser ansprechen? Die traditionalistischen Kernwähler?

Es ist schon eine Botschaft an die Kernwähler – aber auch darüber hinaus. Und das mag trivial klingen. Aber es ist das Thema, das die Menschen bewegt: Arbeit, von der man leben kann. Und Mieten, die man sich leisten kann.

 

Man hört, die SPÖ-Zentrale soll eine ziemliche Baustelle gewesen sein, bevor Sie sie übernommen haben.

Es gab einen schmerzhaften Sparkurs mit einem personellen Aderlass. Das wird nun umgedreht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2013)