Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Frankreich: Alarmstufe Rot nach Messerattacke

FRANCE PARIS FRENCH SOLDIER STABED
Frankreich Alarmstufe nach MesserattackeEPA
  • Drucken

Auch in Paris wurde ein Soldat angegriffen – von einem bisher Flüchtigen. Der Fall erinnert an die Ermordung eines britischen Militärs.

Paris. Alles ging blitzschnell. Zeugen berichteten, wie am Samstagnachmittag ein ziemlich großer und athletisch gebauter Mann ohne ersichtlichen Grund mit einem Messer oder einer scharfen Cutter-Klinge einen der uniformierten Soldaten hinterrücks angriff. Das Opfer war zum Schutz der Passanten und Kunden im Einkaufszentrum Quatre-Temps im Büro- und Businessviertel La Défense auf Patrouille. Der Angreifer verletzte den Soldaten mit seiner Waffe am Hals – ganz offensichtlich wollte er ihn töten. So rasch, wie er aufgetaucht war, verschwand der Täter danach in der Menge, bevor die Kameraden des Opfers auch nur realisiert hatten, was passiert war. Der attackierte Soldat blutete sehr stark aus seiner Schnittwunde am Hals; er wurde sofort ins nahe gelegene Militärkrankenhaus in Clamart gebracht. Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums schwebt er nicht in Lebensgefahr.

 

Polizei wertet Videomaterial aus

An Samstagen herrscht um 18 Uhr in diesem Geschäftszentrum immer sehr viel Betrieb. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. La Défense ist zugleich ein Verkehrsknotenpunkt öffentlicher Transportbetriebe zwischen dem Pariser Zentrum und den Vororten. Das Center gleich neben den Hochhäusern mit Firmensitzen von Banken, Versicherungen und Konzernen ist am Wochenende auch ein Treffpunkt für die Jugendlichen der umliegenden Vorstadtsiedlungen. Die Militärs, die an der Seite der Polizisten die Sicherheit garantieren sollen, haben keine einfache Aufgabe angesichts der Anonymität der Masse.

Die schiere Zahl der Passanten erleichterte dem bisher unbekannten Angreifer die Flucht. Paradoxerweise haben nur ganz wenige Kunden und Beschäftigte eines Fast-Food-Restaurants gleich daneben etwas vom blutigen Überfall gesehen. Dennoch gab es Augenzeugen. Der Angreifer sei ein Mann nordafrikanischen Typs, sagten sie. Er habe bei seiner Tat braune Sportschuhe und möglicherweise eine Kappe sowie eine weiße Tunika getragen. Diese habe er sogleich ausgezogen, um in der Menge unterzutauchen.

Niemand hat gehört, dass er etwas gerufen hätte – beispielsweise ein religiöses oder politisches Bekenntnis oder eine Anschuldigung, die einen Hinweis auf sein Motiv liefern könnte, wie es bei dem Mord an einem britischen Soldaten in London in der Vorwoche der Fall war. Aufschlüsse, die bei der fieberhaften Fahndung zu seiner Identifizierung und schnellen Festnahme führen könnten, erhofft sich die Polizei von der Auswertung der Videoaufzeichnungen mehrerer Überwachungskameras. Mit der Aufklärung des Anschlags ist die Antiterrorabteilung der Pariser Polizei betraut worden.

Weil das Vorgehen in La Défense verdächtig stark an die Ermordung eines Soldaten in London erinnert, fragen sich die Ermittler, ob ein Zusammenhang mit der Bluttat islamistischer Jihadisten besteht oder ob es sich allenfalls um einen Akt der Nachahmung durch einen Geistesgestörten handeln könnte. Sicher ist nur, dass islamistische Terroristen aus Afrika Frankreich seit der militärischen Intervention in Mali mit Rache gedroht haben.

Schon vor dem Überfall vom Samstag herrschte in Paris Alarmstufe Rot. Nun ist ausgerechnet ein Mitglied jener Patrouillen angegriffen worden, die im Rahmen des Sicherheitsplans Vigipirate für den Schutz der Bevölkerung im Einsatz sind.

 

Großbritannien: Neue Antiterror-Einheit

In Großbritannien will die Regierung als Reaktion auf den Mord in London eine neue Antiterror-Gruppe einrichten, wie Premier David Cameron am Sonntag mitteilte. Die Einheit solle die „giftigen Erzählungen“ radikaler Moslems im Land eindämmen und gegen Radikalisierungen an englischen Schulen vorgehen, heißt es vonseiten der in Bedrängnis geratenen Regierung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2013)