Frankreichs konservative Partei ist mit internen Machtspielen beschäftigt und kann Hollande nicht Paroli bieten.
Theoretisch wäre es für François Hollandes politische Gegner ein leichtes Spiel, die Gunst der Stunde zu nutzen und schon jetzt die Weichen für einen Machtwechsel in vier Jahren zu stellen: Der Präsident befindet sich nur knapp dreizehn Monate nach seiner Wahl in einem Umfragetief wie kein französischer Staatschef vor ihm.
Die konservative UMP aber ist zu sehr mit internen Querelen beschäftigt, als dass sie dem Präsidenten Paroli bieten könnte. Dem wochenlangen Machtkampf um einen Nachfolger für Ex-Parteichef Nicolas Sarkozy folgt nun der nächste öffentlich ausgetragene Zwist – und das bei einem Thema, das seit Wochen die Medien des Landes dominiert: die Homo-Ehe. Während Parteichef François Copé am gestrigen Sonntag zur Teilnahme an einer Großkundgebung gegen das vor einer Woche beschlossene Gesetz aufrief, kritisierten hochrangige Parteikollegen wie der dem liberaleren Flügel der Partei zugehörige Ex-Außenminister Alain Juppé die Proteste öffentlich. Unter den Organisatoren finden sich zahlreiche radikale und ultrakonservative Gruppierungen.
Die Zeit bis zu nächsten Wahl ist kürzer, als den Konservativen lieb sein kann. Die UMP sollte ihre internen Probleme jetzt schleunigst in den Griff bekommen und wieder mit der Sacharbeit beginnen – sonst gelingt ihr das Unmögliche: gegen einen zu verlieren, der seine Chance eigentlich schon verspielt hat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2013)