Vom solitären Vergnügen, allein essen zu gehen

solitaeren Vergnuegen allein essen
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Allein essen zu gehen ist eine solitäre Angelegenheit.

Allein essen zu gehen ist eine solitäre Angelegenheit. Was nicht zwangsläufig negativ sein muss, auch wenn viele davor zurückschrecken – und sich lieber daheim mit einer Pizza Solo zurückziehen. Wobei das Problem am Einzeltisch im Restaurant ja weniger das Essen selbst ist, sondern die Beschäftigung zwischendurch. In Gaststätten mit Fernseher ist das weniger das schwierig, da schaut man im Notfall sogar Fußball oder bosnische Musikvideos – Hauptsache, es bewegt sich. Doch soll es auch Lokale ohne Berieselung von der Wand geben, und hier muss der Alleinesser Eigeninitiative ergreifen. Der Buchleser signalisiert, indem er auch während des Essens nicht vom Lesen ablässt, dass er mit sich selbst im Reinen ist und keine Tischgesellschaft braucht. Der Zeitungsleser macht auch gute Figur, solange das Großformat nicht mit einem Eck in die Suppe hängt. Und nicht zuletzt kann man sich ja auch mit seinem Handy beschäftigen. Die Spezies des permanenten Mail-Checkers oder Surfers gehört heute zu den am weitesten verbreiteten unter den Alleinessern. In Lokalen im Ausland ohne W-LAN und mit hohen Roamingkosten blättert man dann eben im Instagram-Archiv.

Neben all diesen solipsistischen Essern kennt man auch noch die Beobachter, die sich vom Treiben im Lokal unterhalten lassen. Die Schauer, die mit ihren Blicken Löcher in die Luft zu bohren scheinen. Die Auf-den-Boden-Starrer, die Kerzen- und Glühbirnenzähler, die Salzstreuerspieler, die Zahnstocherbastler, die Serviettenbekritzler, die Bierdeckelarchitekten. Und nicht zuletzt die – ziemlich unsouveränen, wenn Sie mich fragen – Kellner-in-ein-Gespräch-Verwickler. Denn letztere Gruppe signalisiert allzu deutlich, dass man eigentlich lieber in Gesellschaft wäre. Dabei kann allein essen gehen wirklich etwas sehr Spannendes sein. Vor allem dann, wenn man nachher darüber eine Kolumne schreiben kann. Geht halt nur einmal...

 

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2013)