Kapsch: Vorsicht bremst Kurs

Kapsch stellt neue Produkte fuer mehr Tunnelsicherheit vor
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Mautsysteme. Projektverzögerungen haben der erfolgsverwöhnten Kapsch TrafficCom zugesetzt. Läuft jetzt alles nach Plan, gibt es Aufwärtspotenzial.

Wien. Während sich österreichische Aktien seit Jahresbeginn im Schnitt um zwei Prozent verteuert haben, mussten die Aktionäre von Kapsch TrafficCom einen Verlust von 18 Prozent verkraften und zählen damit zu den größten Verlierern im Prime Market neben dem Baukonzern Strabag und dem Leiterplattenhersteller AT&S.

Projektverzögerungen in Südafrika und Polen machten dem Mautsystemanbieter in den vergangenen Monaten zu schaffen und bescherten ihm in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres rote Zahlen. Die Analysten sind dennoch zuversichtlich. Drei raten zum Kauf, je einer zum Halten und zum Verkauf. Fundamental stehe Kapsch gut da, meint Erste-Analyst Daniel Lion. Doch das Sentiment sei negativ: Der Markt sei vorsichtig geworden, da sich der Start des Mautsystems in Südafrika schon so oft verzögert habe, dass inzwischen weitere Verzögerungen im Kurs eingepreist seien.

Warten auf Südafrika

„Jetzt sieht es wieder so aus, als könnte das Projekt in ein paar Wochen starten“, sagt Lion. Ein entsprechendes Mautgesetz muss noch eine gesetzliche Instanz passieren, das Parlament muss es dem Präsidenten zum Unterzeichnen vorlegen. Läuft alles nach Plan, sollte das der Aktie Auftrieb verleihen. Das Südafrika-Projekt sollte jährlich 55 bis 60 Mio. Euro zum Umsatz beitragen. Auch RCB-Analyst Daniel Damaska ist zuversichtlich, dass das Mautsystem in wenigen Wochen in Betrieb genommen werden kann – unter anderem, weil das lokale Parlament die Durchführungsverordnung für die elektronische Bemautung genehmigt hat. Die Inbetriebnahme hätte gute Auswirkungen auf die Margen: Diese seien bei Betrieb und Wartung von Projekten am höchsten.

Auch weitere Projekte sind in Sicht: In Slowenien stünden die Chancen gut, da Kapsch einziger Bieter für Errichtung und Betrieb eines landesweiten Mautsystems war. Die Entscheidung der zuständigen Behörde wird im Juni 2013 erwartet, doch könnten Konkurrenten noch Berufung einlegen.

Abgesehen von den Projektverzögerungen drückt noch ein Faktor auf den Kurs: Kapsch rüstet sich für Wachstum – und genau das drückt kurzfristig auf die Margen. „Die Organisation ist derzeit darauf ausgerichtet, dass sich der Umsatz verdoppelt oder verdreifacht“, sagt Lion. Das sollte sich in den nächsten Jahren rechnen, vorerst verursacht es aber Kosten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2013)

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