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Künstler und Kommunengründer Otto Muehl gestorben

Kuenstler Kommunengruender Otto Muehl
Kuenstler Kommunengruender Otto Muehl(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Der Skandalkünstler, wegen sexuellen Missbrauchs Unmündiger verurteilt, lebte zuletzt in Portugal. Als Künstler war der Gründer der Kommune Friedrichshof umstritten.

Der Künstler Otto Muehl ist tot. Er starb am Sonntagfrüh im Alter von 87 Jahren. Die Leiterin des Muehl Archivs, Daniele Roussel, hat eine entsprechende Meldung der "Kleinen Zeitung" bestätigt. Roussel zufolge sei der parkinsonkranke Künstler "friedlich im Kreis seiner Freunde in Portugal gestorben". Muehl gehört zu den umstrittensten Künstler Österreichs. 1991 wurde er wegen Sittlichkeitsdelikten, Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz und Zeugenbeeinflussung zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Seit seiner Entlassung lebte er gemeinsam mit einigen Künstlerfamilien in der Art & Life Family-Kommune in Portugal.

Der Künstler versuchte, mit den Mitteln der Kunst gegen die Gesellschaft zu revoltieren und prägte - gemeinsam mit Günter Brus, Hermann Nitsch und anderen - den Wiener Aktionismus.

Zeichenlehrer und Gerümpelskulpturen

Otto Muehl (auch: Otto Mühl) wurde am 16. Juni 1925 im burgenländischen Grodnau als Sohn eines Volksschullehrers und einer Hausfrau geboren. 1940 wurde der Gymnasiast zum Landdienst, später zum Reichsarbeitsdienst und zur Wehrmacht eingezogen.

Von 1948 bis 52 absolvierte er ein Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Uni Wien, 1952 begann er ein Studium der Kunstpädagogik an der Akademie der bildenden Künste. Während des Studiums begann er als Zeichenlehrer in einem Kinder-Therapieheim zu arbeiten.

In seinen ersten künstlerischen Arbeiten beschäftigte sich Muehl mit der Zerstörung des Tafelbildes und arbeitete an Gerümpelskulpturen. Er machte Bekanntschaft mit Günter Brus, Hermann Nitsch, Kurt Kren und anderen, die in der Folge den Wiener Aktionismus prägten oder begleiteten. 1962 entstand das Manifest "Die Blutorgel", im Jahr darauf wurde das "Fest des psycho-physischen Naturalismus" von der Polizei abgebrochen. Nach der Aktion "Kunst und Revolution" (1968) wurde Muehl verhaftet, er verbrachte zwei Monate in U-Haft.

Mehr als 600 Kommunarden

1970 gründete er die Kommune Praterstraße, in der bis zu 40 Kommunarden lebten. 1972 erwarb diese den burgenländischen Friedrichshof. In ihrer Blütezeit um 1983 umfasste die Kommune dort, in zahlreichen Stadt-Dependancen sowie auf der Kanarischen Insel La Gomera mehr als 600 Personen und verzeichnete auch erstaunliche wirtschaftliche Erfolge.

Die konkrete Arbeit an der radikalen Utopie von der Veränderbarkeit der Welt durch Kunst endete jedoch in Chaos, in heftigen Vorwürfen gegen den Errichter eines "despotischen, demütigenden, unterdrückenden Systems" und schließlich vor Gericht.

Sechseinhalb Jahre in Haft

1991 wurde Muehl wegen Sittlichkeitsdelikten bis hin zur Vergewaltigung, Verstößen gegen das Suchtgiftgesetz und Zeugenbeeinflussung schuldig gesprochen und zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sechseinhalb Jahre Haft verbüßte er. Nach seiner Entlassung lebte er gemeinsam mit einigen Künstlerfamilien in der Art & Life Family-Kommune in Portugal.

Künstlerische Einschätzung schwierig

Die Einschätzung der künstlerischen Bedeutung des Werks von Otto Muehl ist ebenso unterschiedlich wie die von ihm gewählten Ausdrucksformen. Schon in seiner ersten Aktion "Versumpfung einer Venus" (1963) und seinen folgenden "Materialaktionen" spielte Sexualität und das Herantasten an künstlerische wie gesellschaftliche Tabus eine große Rolle. Kaum eine internationale Aktionismus-Ausstellung kommt ohne seine Werke aus, doch schon 1973/74 wandte er sich vom Aktionismus ab und begann wieder zu malen.

Während Muehl in Haft saß, entdeckte der Sammler Rudolf Leopold das malerische Werk des Kommunenführers und begann, seine Werke von in der sich auflösenden Friedrichshof-Kommune groß einzukaufen. 2010 widmete ihm das Leopold Museum eine große Ausstellung. Damals entschuldigte sich Muehl, der seine Schuld lange leugnete, erstmals öffentlich. In seinem Entschuldigungsbrief hieß es (in Original-Schreibweise): „die stellungnahme der jugendlichen damals im gerichtssaal machte mich fassungslos. ich wollte sie befreien und habe sie mit sexueller überschreitung stattdessen überrumpelt und gekränkt. (...) ich hoffe, dass sie mir verzeihen."

Erst jüngst ist durch den Film "Meine keine Familie" von Paul-Julien Robert, der 1979 am Friedrichshof geboren wurde, das gescheiterte Experiment wieder thematisiert worden.

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(APA)