Informatiker haben beste Jobchancen

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Informatiker haben beste Jobchancen(c) AP (JOERG SARBACH)

Nach sechs Monaten haben 75 Prozent der Absolventen der Universität Wien eine Stelle. Kaum jemand macht sich selbstständig. Beim Gehalt liegen Informatiker und Betriebswirte vorn.

Wien. Über die an den Unis ausgebildeten Bachelorabsolventen wird häufig gelästert – dennoch werden die neuen Abschlüsse gut angenommen. Aller Kritik zum Trotz finden die Bachelors rasch einen Job und verdienen sogar ähnlich viel wie die Absolventen der traditionellen Diplomstudien. Das besagt eine aktuelle Studie der Uni Wien, für die die ersten fünf Berufsjahre von rund 30.000 Absolventen untersucht wurden. Erstmals liegen damit aussagekräftige Daten für Bachelorstudien vor. Fazit: „Es gibt sehr wohl bereits einen etablierten Arbeitsmarkt für den Bachelor“, so Heinz Engl, Rektor der mit rund 90.000 Studierenden größten Universität des Landes, bei der Präsentation gestern, Montag. Tatsächlich steigen die Bachelors sogar rascher ins Berufsleben ein als andere: Während die Hälfte aller Bachelors höchstens 2,5 Monate auf Jobsuche ist, liegt der Medienwert bei den Magistern bei 2,7 Monaten.

Nach Studienrichtung betrachtet sind es (Wirtschafts-)Informatiker, Meteorologen und Geophysiker, die am schnellsten einen Job finden. Sie sind nach Median-Berechnung weniger als 30 Tage auf Jobsuche. Nicht einmal zwei Monate dauert es bei Statistikern, Mathematikern, Betriebswirten, Historikern, Pflege- und Bildungswissenschaftlern. Am schwersten tun sich Afrikanisten und Archäologen – sie brauchen bis zu sechs Monate.

 

75 Prozent haben rasch einen Job

26 Prozent der Absolventen haben unmittelbar nach dem Abschluss einen Job – wobei der Großteil von ihnen schon während des Studiums gearbeitet hat. Insgesamt sind ein knappes halbes Jahr nach dem Abschluss drei Viertel beschäftigt. Wie viele der verbleibenden 25 Prozent tatsächlich arbeitslos sind, geht aus der Studie nicht hervor: Sie können auch Job oder Studium im Ausland machen, auf das Gerichtsjahr oder auf ein Unterrichtspraktikum warten. Die Zahl derer, die fünf Jahre nach dem Abschluss ohne Arbeit bleiben, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zumindest anfangs müssen allerdings viele Absolventen mit prekären Jobs vorliebnehmen: So ist jeder Siebte ein Jahr nach dem Uni-Abschluss geringfügig beschäftigt, freier Dienstnehmer oder neuer Selbstständiger. Dieser Anteil sinkt mit den Jahren. Echte Selbstständige – also Unternehmensgründer – sind aber auch fünf Jahre nach dem Abschluss mit nur 3,4 Prozent in der Minderzahl. Die meisten Absolventen sind angestellt – 83 Prozent im ersten, 88 Prozent im fünften Jahr. Der öffentliche Dienst ist mit 20 Prozent ein wichtiger Arbeitgeber, zwölf Prozent der Absolventen kehren an die Uni oder in den Weiterbildungsbereich zurück.

Master verdienen deutlich mehr

Dass das neue Bologna-System mit Bachelor und Master auf dem Arbeitsmarkt gut ankommt, zeigt sich auch an den Einkommen: Im ersten Jahr nach dem Abschluss liegt das Medianeinkommen eines Bachelors bei 1600 Euro brutto. Ein Magister verdient nur etwa hundert Euro mehr, ein Master 2100 Euro, ein Doktor 2800 Euro. Die Unterschiede nach Abschluss werden mit den Jahren geringer – jene nach Studienfeld sind und bleiben aber beträchtlich (siehe Grafik).

Topverdiener vom ersten bis zum fünften Jahr sind die Wirtschaftswissenschaftler. Lehrer und Juristen starten mit Unterrichtspraktikum und Gerichtsjahr zwar niedrig, steigern sich aber. Am untersten Rand sind nach fünf Jahren – wenig überraschend – die Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaftler. Am besten verdienen anfangs die (Wirtschafts-)Informatiker und Betriebswirte (über 2500 Euro), am schlechtesten Afrikanisten und Archäologen (1000 bis 1500 Euro). Diese bilden auch nach drei Jahren das Schlusslicht, während zu den anfänglichen Bestverdienern auch Pharmazeuten und Chemiedoktoren kommen (3000 bis 3500 Euro). Fünf Jahre nach Abschluss gibt es für eine Aufschlüsselung zu wenige Daten. Frauen verdienen übrigens drei Jahre nach dem Abschluss 13 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – das liegt nicht nur, aber auch an der Studienwahl.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.05.2013)

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