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Bucher kocht - und fürchtet "UdSSR-Modell" in Europa

Bucher kocht fuerchtet UdSSRModell
BZÖ-Chef Josef Bucher(c) Puls4 (Franz Pfluegl)
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In der Puls4-Sendung "Rezept für Österreich" tischte der BZÖ-Chef Hendl im Prosciutto-Mantel auf, verteidigte Tote und plädierte für ein "Zweitstimmen-Wahlmodell".

Kochsendungen stehen mittlerweile in nahezu allen Sendern auf der Programm-Karte. Der Privatsender Puls4 wählte Montagabend ein ungewöhnliches Menü: In "Rezept für Österreich" versuchte BZÖ-Chef Josef Bucher potenzielle Wähler "einzukochen". Während der orange Spitzenkandidat sein Lieblingsrezept - Landhendlbrust im Prosciutto-Mantel mit Früchten und Gemüse der Saison - fabrizierte, arbeitete ihm TV-Koch Oliver Hoffinger zu. Oder besser: Er arbeitete für ihn. Denn während der Bündnispolitiker versuchte, sich auf das Schneiden von Zwiebeln und Mangos zu konzentrieren, wurde er von Personality-Talkerin Johanna Setzer interviewt. Oder besser: unterbrochen.

Warum der Spross einer Kärntner Wirtshausfamilie denn keine regionale Spezialität bereite, wurde gefragt. Er habe vor Jahren ein "Kasnudlwettkochen" gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser bestritten - und verloren. "Davon wollte ich mich nun abheben", so Bucher, der vor Kurzem selbst ein Kochbuch herausgegeben hat. Ob der Orange denn oft hinterm Herd stehe? "Jedes Wochenende", betonte er. Auch helfe er im Gasthaus seiner Eltern aus - obwohl er in der Hotelfachschule im Kochen stets schlechte Noten gehabt habe.

Keine Nachspeise und kein Haider - bitte

"Mit Nachspeise tu' ich mir immer noch schwer", räumte Bucher ein. "Da muss man sich ans Rezept halten." Im Magen lagen ihm in der zweiten Sendungshälfte dann auch Fragen nach seinem Ex-Wegbegleiter Jörg Haider. Warum er sich von dem verstorbenen Landeschef nicht endlich distanziere, wollten Moderatorin Corinna Milborn und "Presse"-Kolumnistin Anneliese Rohrer nach der Kocherei am Esstisch wissen. "Haider hat viel gearbeitet - und wer viel arbeitet, macht Fehler", so Bucher gereizt. Er werde einem Toten aber "nicht alles in die Schuhe schieben". "So wurde ich nicht erzogen", ärgerte er sich darüber, immer "auf dasselbe" angesprochen zu werden.

(c) Puls4 (Franz Pfluegl)

Gefragt nach seinem "Rezept für Österreich", stellte Bucher ein "Zweitstimmen-Modell" vor. Der Wähler sollte nicht nur eine Partei wählen, sondern auch einen Kandidaten - durchaus von einer anderen Partei. Auch eine Wahl-App schwebe ihm vor. Durchgerechnet habe er sich das freilich noch nicht. Er sei sich aber sicher, so die Wahlbeteiligung steigern zu können. Schweigsamer wurde Bucher beim Thema Telekom-Zahlungen an das BZÖ im Jahr 2006. Er habe damals zwar "Wirtschaftspolitik" gemacht, von Geldflüssen aber "nichts gewusst". Immerhin sei er nur einfaches Parteimitglied gewesen.

Gegen Ende der Sendung wurde es noch einmal laut. Bucher ärgerte sich über die EU-Politik. "Die Länder der Eurozone sind nicht auf der gleichen Stufe", wetterte er. Dennoch seien Staatschefs bestrebt, "den Wettbewerb - das Wichtigste überhaupt - abzuschaffen. Damit schaffen wir ein UdSSR-Modell."

Zwischen Kochjargon und schrillen Farben

Das Ende der Sendung kam abrupt: Interview aus, kurze Werbepause und schnell noch eine Essensverkostung, galt es in den letzten zehn Minuten unterzubringen. Das Fazit: Das Hendl mundete, die Kocherei trat in den Hintergrund, die Themen wurden im Küchenjargon durchgekaut: "Wie viele Frauen haben Sie eingekocht?" "Wir werden Bucher grillen." "Politiker geben immer ihren Senf dazu." "Sie packen ein Haider-Rezept aus." Und Bucher? Der wirkte am Ende der 55-minütigen Sendung eher angefressen als hungrig.

"Rezept für Österreich"

Die Sendung „Rezept für Österreich“ ist ab sofort montags auf Puls4 zu sehen. Von 22.05 bis 23.10 Uhr kochen im Wochenrhythmus die heimischen Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl. Grünen-Chefin Eva Glawischnig, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sowie Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger sind die nächsten. Ob auch SP-Bundeskanzler Werner Faymann und Frank Stronach den Kochlöffel schwingen werden, ist offen.

Moderiert wird die Sendung von Johanna Setzer. Den Kandidaten steht TV-Koch Oliver Hoffinger zur Seite. Corinna Milborn und ein Gast-Journalist "grillen" die Gäste nach der Kocherei am Interview-Esstisch, bevor das Gekochte gekostet wird.