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Uni Wien: NS-Mann als Namensgeber für Seminarraum

Wien NSMann Namensgeber fuer
Wien NSMann Namensgeber fuer(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Ein Paläontologie-Raum war nach dem Antisemiten Othenio Abel benannt. Das Schild wurde abmontiert, alle Räume werden nochmals überprüft.

Es war der Kurznachrichtendienst Twitter, der am Dienstag an der Uni Wien für Wirbel sorgte. Dort veröffentlicht: das Schild an einem Seminarraum am Institut für Paläontologie der Uni Wien – benannt nach Othenio Abel. Einem Mann, der nicht nur renommierter Forscher, sondern auch bekennender Nationalsozialist und Antisemit war. Bekanntermaßen: Erst im Vorjahr benannte die Akademie der Wissenschaften deshalb ihren Othanio-Abel-Preis um in Preis für Palöobiologie.

"Abel war nicht nur NSDAP-Mitglied, sondern auch Teil von antisemitischen Netzwerken", sagt der Uni-Wien-Historiker Oliver Rathkolb auf Anfrage zu DiePresse.com. "Das war der schönste Augenblick meines Lebens", soll Abel, der die Machtübernahme von "Kommunisten, Sozialisten und mit den beiden verbündeten Juden" fürchtete, laut Recherchen des Wissenschaftsjournalisten Klaus Taschwer gesagt haben, als an der Uni Wien das Hakenkreuzbanner entrollt wurde.

Raum Mitte der 90er benannt

Das Rektorat bedauerte den Vorfall, zumal Benennungen der vergangenen Jahre – etwa der Oskar-Morgenstern-Platz im neunten Wiener Gemeindebezirk, der auf Initiative der Uni 2012 nach einem vertriebenen Forscher benannt wurde – zeigten, wie sehr man sich mit der Vergangenheit auseinandersetze. Der Seminarraum sei Mitte der 90er Jahre vom Fachbereich Paläontologie benannt worden – offenbar habe man Abels Biografie nicht überprüft.

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Wien NSMann Namensgeber fuer

Heute könne das nicht mehr passieren, heißt es aus dem Rektorat. Für Benennungen gebe es nunmehr viel klarere Regeln – eine davon sei eben, dass man auch die Vergangenheit der betreffenden Forscher prüft. Was man allerdings hundertprozentig ausschließen könne sei, dass die Benennung des betreffenden Seminarraums nach einem Nationalsozialisten mit einer entsprechenden Gesinnung am Institut einhergehe, heißt es aus dem Rektorat.

Im konkreten Fall wurde immerhin rasch gehandelt: Das Schild sei innerhalb einer halben Stunde abmontiert worden, heißt es vonseiten des Rektorats der Uni Wien. Aus Anlass des Falls sollen nun alle Uni-Räume - „auch an den kleinsten Standorten“ - nochmals auf mögliche unrühmliche Vergangenheiten überprüft werden. Für den betreffenden Seminarraum soll demnächst ein neuer Name gefunden werden.

Zufällig auf Namen gestoßen

Angestoßen hat die Twitter-Debatte - und die folgende Entfernung des Schildes vom Seminarraum Karin Stanger, bezeichnenderweise Masterstudentin im Fach Zeitgeschichte an der Universität Wien. "Bei einer Exkursion im Rahmen einer Lehrveranstaltung sind wir zufällig auf den Seminarraum gestoßen", erzählt sie gegenüber DiePresse.com. Aufgefallen sei der Name dem begleitenden Professor.

(beba)