Thielemanns "Ariadne" aus Baden-Baden: ein Vergnügen.
Christian Thielemann wird im Herbst 2014 an die Wiener Staatsoper zurückkehren. Den "Lohengrin" in der Karwoche kann er wegen der Übernahme der Salzburger Osterfestspiele nicht einstudieren. Dafür hat er angeboten, einige Repertoireaufführungen der neuen "Ariadne"-Produktion zu dirigieren. Wie dieses Werk unter seiner Leitung klingt, konnte man in Baden-Baden bereits erfahren. In einer kargen, aber sinnvollen Inszenierung Philippe Arlauds sangen Ren e Fleming, Robert Dean Smith und Jane Archibald (Zerbinetta) die Hauptpartien. Sophie Koch gab den Komponisten im "Vorspiel". Thielemann nimmt verhältnismäßig breite Tempi, lässt seine Staatskapelle Dresden herrlich weiche, dunkel-samtige Klänge hervorzaubern, in die sich die Singstimmen betten können. Die Fleming genießt dieses "Klangbad" hörbar, verströmt ihren schönen Sopran bis in höchste Höhen sicher und volltönend, viel mehr auf vokale Schönheit der Melodielinien bedacht als auf Wortdeutlichkeit. Man hört Strauss pur, von Hofmannsthal vernimmt man nur Stichworte. Am Genuss ändert das wenig, diese "Ariadne" ist ein hedonistisches, musikalisches Vergnügen, gegliedert durch die subtil konzertierten Ensembles der Komödiantentruppe. Manche Interpreten kleinerer Partien setzen dem Ganzen noch Glanzlichter auf, der prächtige Bariton Nikolay Borchevs etwa im Lied des Harlekins: Thielemann gibt ihm Zeit, jede Phrase detailliert auszukosten - die Nummer dauert etwa 50 Prozent länger als gewohnt, klingt aber plötzlich nicht wie ein lockeres Aper u, sondern geradezu bedeutsam.
Rauschhaftes Finale. Die Zerbinetta Jane Archibalds hat die nötige Beweglichkeit in den Koloraturen, wenn auch nicht ganz die Souveränität großer Vorbilder. Auch der Bacchus Robert Dean Smiths ist der edel timbrierten Ariadne nicht ganz ebenbürtig, doch gerät das Finale dank Thielemanns gewaltigen Expansionspotenzials unglaublich, was aus 36 Musikanten an Klangfülle herauszuholen ist! zum rauschhaften Erlebnis. Für Kenner amüsant: Im Vorspiel begegnet man alten Bekannten, Eike-Wilm Schulte etwa, der einen altersweisen Musiklehrer gibt, und René Kolle, einst der Bacchus in der Verfilmung mit Gundula Janowitz unter Karl Böhms Leitung. Jetzt ist er der Haushofmeister und erledigt diese Aufgabe trotz einiger indezenter Regiegags mit der nötigen arroganten Grandezza. Brian Large ließ sein wachsames Auge über den Bildschnitt wachen. (Decca 0743809)