Giorgio Busnelli führte das Möbelunternehmen B&B Italia wieder zurück in Familienhand. Und schließlich auch mit eigenem Geschäft nach Wien. Porträt:
Vielleicht zeigte sich damals schon die Kunst der Antizipation von B&B Italia. 1972 baute Renzo Piano dem Möbelhersteller den Unternehmenssitz im italienischen Novedrate in der Nähe von Como. Erst später wurde Piano zu dem, was Medien gern "Stararchitekt" nennen. Auch technologisch hat B&B Italia im Lauf seiner Geschichte viel vorweggenommen, was in der Möbelproduktion heute zum Standard geworden ist. "Forschung und Entwicklung", betont der CEO Giorgio Busnelli, sei nicht umsonst die wichtigste Abteilung. Kürzlich war Busnelli in Wien, um die Eröffnung des ersten Monobrand-Stores in Österreich mitzufeieren. Das "Schaufenster" sprach mit ihm über Familybusiness und sein Verhältnis zu den Designern.
Herr Busnelli, welches Verhältnis haben Sie zu Wien?
Zum ersten Mal war ich im Jahr 1973 hier. Aber als junger Mensch ist man ja nicht reif genug für all die kulturellen Dinge. Meine Frau liebt die Stadt. Mein Zugang zu Wien führt aber über Paolo Piva, der ja an der Universität für angewandte Kunst unterrichtet. Er hat uns öfter eingeladen, die Stadt gezeigt. Dank ihm habe ich ein gutes Verhältnis zu Wien. Und wenn ich an Wien denke, denke ich auch an Paolo.
Und wie könnte man das Verhältnis von B&B Italia zu den Designern beschreiben? Wegbegleiter waren ja große Namen wie Gaetano Pesce oder Mario Bellini. Antonio Citterio ist es noch heute.
Das Verhältnis zu den Designern hat sich tatsächlich stark gewandelt. Als das Unternehmen begann, mit Designern wie Scarpa, Magistretti oder Bellini zu arbeiten, da war die Zusammenarbeit intensiver und vor allem auch länger. Scarpa kam für ganze zwei Tage zu uns, da verbrachte man fast 15 Stunden miteinander. Heute fliegen die Designer zu zweistündigen Meetings ein, wenn Naoto Fukasawa etwa kommt, hat er eine Menge andere Termine mit anderen Firmen. Doch natürlich ist jeder Designer anders, jeder hat seinen eigenen Zugang zum Design, zu unserem Unternehmen, hat seine eigene Geschichte.
Gerade Möbelhersteller sprechen gern von ihrer DNA. Wie viel von den Designern steckt denn im Erbgut von B&B Italia?
Schauen Sie, ich bin etwa mit Antonio Citterio in derselben Stadt aufgewachsen. Mit sechzehn waren wir gemeinsam mit der Vespa unterwegs. Wir waren enge Freunde. Und wir haben mit ihm unseren Weg begonnen. In der Mode weiß man auch, was man erwarten kann und darf, wenn man Namen wie Prada oder Cavalli hört. Dasselbe gilt im Möbeldesign. Heute. Früher war das nicht so, wir waren eigentlich das erste Unternehmen, das begann, einen präzisen Lifestyle aufzubauen. Und wir haben die Kollektion mit Antonio immer koordiniert. Der Designer kann nicht einfach mit einem Entwurf ankommen, der nicht in unsere Kollektion passt. Das geht nicht. Wir haben gesehen, wenn wir gemeinsam die Dinge entwickeln, der Designer, ich und der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, entwickeln sie sich anders.
Das heißt, die Designs sind im besten Sinn Gemeinschaftsprodukte?
Über die Jahre haben wir uns die entsprechende Expertise angeeignet, mit der wir uns zutrauen, Projekte kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwicklen. Früher kam der Designer mit einer Idee und die Idee ging in Produktion. Die Idee kommt natürlich heute auch noch vom Designer. Aber es ist ein kooperativer Prozess und wenn der Entwurf nicht in die B&B-Italia-Kollektion passt, dann kommt er auch nicht in die Kollektion.
Die Entscheidung folgt auch einem Gefühl, das Sie entwickelt haben?
Wir müssen auch antizipieren und spüren, was die Welt zurzeit, aber auch morgen bewegt. Was sind die aktuellen Bedürfnisse, vor allem in unserer Branche? Und am Ende stehen Stücke in unserer Kollektion, von verschiedensten Designer, die alle zusammenpassen. Der "Tobi-Ishi"-Tisch von Barber Osgerby gemeinsam mit dem "Bend"-Sofa von Patricia Urquiola, unserem Bestseller, mit Entwürfen von Fukasawa. Das passt zusammen. Weil das Denken dahinter zusammenpasst.
Nach einem kurzen Intermezzo ist die Firma wieder gänzlich in Familienhand. Wie wichtig ist das für die Unternehmensentwicklung?
Wir haben die Firma vor zweieinhalb Jahren wieder in Familienhand zurückgebracht. Das war ein fundamentaler Schritt für uns. Private Equity Funds - das war nicht der Weg für uns. Und das kann auch nicht der Weg im Möbelbusiness sein. Denn wir schauen weiter nach vorn als nur fünf Jahre. Wenn man an der Börse ist, dann zählen die Quartalsberichte, dann muss man in die Werbung, in die kurzfristigen Wachstumsraten investieren. Oder Kosten reduzieren um jeden Preis. Das schadet der Entwicklung des Unternehmens und letztendlich auch der Qualität der Produkte. Ich würde das Unternehmen in keinem Fall mehr aus der Familienhand geben.
B&B Italia in Wien. Am Parkring 20 eröffnete kürzlich in Zusammenarbeit mit der Familie Spätauf der erste Monobrand-Store in Österreich.