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Auch Bikes von BMW zieht es nach Indien

Auch Bikes zieht nach
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Die globale Vernetzung schreitet munter voran: BMW folgt dem Beispiel von KTM und fertigt demnächst Motorräder mit einem Partner aus Indien. Mit einer günstigeren Fertigung eröffnen sich neue Segmente für BMW.

KTM ist seit 2007 mit dem indischen Konzern Bajaj Auto liiert, die Inder sind 49-Prozent-Eigner an der Mattighofener Firma. Entwickelt wird in Österreich, gebaut in Indien. Eines der ersten Modelle, die Duke 200, wurde dort gleich im ersten Jahr 8000-mal verkauft, und auch für die neue Duke 390, die nun weltweit angeboten wird, sieht es nicht schlecht aus.

 

Günstiger fertigen

Jetzt beschreitet die Motorradsparte von BMW einen ähnlichen Weg. Um künftig Motorräder unterhalb von 500 cm anbieten zu können, hat man einen langfristigen Vertrag mit der indischen TVS Motor Company geschlossen. Interessant, war doch die Ausweitung nach unten für BMW jahrelang überhaupt kein Thema. Doch es kommt bekanntlich immer anders, als man denkt.

Etwa der Kauf von Husqvarna, mit dem die Bayern 2007 den Mattighofenern auf dem Offroad-Sektor ans Leder wollten. Das ist nicht gelungen, und mit dem Vorstandswechsel von Enduro-Fan Herbert Diess zum eher pragmatischen (und mittlerweile schon abgelösten) Hendrik von Kuenheim wurde die ehemals schwedische Motocross-Schmiede zu Jahresbeginn an die Pierer Industries verkauft. Nun sucht man einen Partner, der vor allem günstige Fertigungsmöglichkeiten bieten kann.

Denn, so pfeifen die Spatzen von den Dächern, der Umsatz von BMW Motorrad ist zwar ausgezeichnet, doch die Gewinnspanne sei zu gering. Da hilft es auch nichts, dass sich die neue GS 1200 verkauft wie warme Semmeln. Zudem will man neue Märkte erobern, vor allem in Fernost, Südamerika und Afrika.

Hier passt TVS Motor Company bestens ins Bild. Sie ist der viertgrößte Motorradhersteller Indiens nach Hero, Bajaj und Honda mit einer Jahresproduktion von zwei Millionen Einheiten und mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz. Nach der Trennung von Suzuki 2001 brachte TVS ein eigenes Programm auf den Markt.

Die Inder erwarten sich von BMW Know-how, unter Umständen den Einstieg in Europa. Geplant ist die gemeinsame Entwicklung von Zweirädern unter 500 cm, Vertrieb und Design laufen weiterhin getrennt. Es liegt auf der Hand, dass in Indien produziert wird. BMW bezieht bereits Motoren aus Korea und China, vor allem für Roller- und Einzylinder. Derartige Zweiräder werden wohl auch ab 2015 von den Bändern rollen, denn in Indien ist durch viele Umsteiger nach oben ein Riesenmarkt im Entstehen.

Indische Fachmedien sehen den Deal nicht ganz unproblematisch. Man fürchtet, dass die Inder unter die Räder von BMW geraten könnten. Andererseits ist der indische Motorradmarkt nach China der zweitgrößte der Welt mit zwölf Millionen Stück im Jahr. Zu den Aufsteigern gehören Bikes über 250 cm, davon wurden im vorigen Jahr eine halbe Million verkauft, Tendenz stark steigend.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2013)