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John Galliano bereut antisemitische Tirade

Zum ersten Mal seit seinem antisemitischen Kommentar und dem damit verbundenen Abgang bei Dior, spricht der ehemalige Modedesigner mit "Vanity Fair" über die Gründe für seinen Absturz.

Ganz offen spricht John Galliano in der Juli-Ausgabe des Modemagazins Vanity Fair über seine Drogen- und Alkoholprobleme, die zu seinem Karriereende geführt haben.

Absturz nach Modeschauen

„Nach den Kollektionen bin ich abgestürzt. Ich habe mir immer ein paar Tage frei genommen um darüber hinwegzukommen, wie jeder. Aber je mehr Kollektionen ich machte, desto öfter passierte es und dann war ich ein Sklave [des Alkohols]. Dann habe ich Pillen genommen, weil ich nicht schlafen konnnte. Dann andere Pillen, weil ich nicht aufgehört habe zu zittern. Ich habe so viele Stimmen in meinem Kopf gehört, die so viele Fragen gestellt haben, aber ich habe nie auch nur für eine Sekunde zugegeben, dass ich ein Alkoholiker bin. Ich dachte ich könnte es kontrollieren", spricht der 52-Jährige nun ganz offen über seine Erkrankung.

Nach Video übergeben

Doch seine Probleme blieben nicht unerkannt. Dior CEO Sidney Toledano und LVMH Chef Bernard Arnault haben versucht Galliano dazu zu überreden, seinen Lebensstil zu ändern. Doch das schlug auf taube Ohren, bis zu dem für ihn verhängnsivollen Kommentaren in einem Pariser Cafe, der von zwei Frauen mitgefilmt wurde. „Meine Assistentin hat mir das von dem Video erzählt. Als ich es sah, habe ich mich übergeben. Das war ein Gefühl als würde ich auf die Straße steigen und ein Bus oder ein Truck würde an mir vorbeifahren und das Blut würde aus meinen Beinen weichen. Ich war von der Angst gelähmt. Ich habe versucht herauszufiniden, worauf ich meinen Ärger dabei gelenkt habe. Und nun realisiere ich, dass ich so verdammt zornig war und so unzufrieden mit mir selbst, dass ich die gehässigsten Sachen gesagt habe, die ich nur konnte."

Seit zwei Jahren nüchtern

Mittlerweile ist der Designer seit zwei Jahren nüchtern. Doch die Zeit nach seiner Entlassung bei Dior war nicht leicht. "Ich habe in einer Blase gelebt. Ich war backstage und es gab eine Schlange von fünf Menschen, die mir geholfen haben. Eine Person hatte eine Zigarette für mich. Die andere Person das Feuerzeug. Ich wusste nicht einmal, wie man einen Bankomaten benutzt."

"Dankbar für das, was passiert ist"

Zaghafte Versuche zurück in die Modeindustrie hat John Galliano bereits unternommen. Im Juli 2011 hat er das Hochzeitskleid für Kate Moss entworfen, das er eine „kreative Rehabilitation" nennt. Anfang des Jahres war er zudem für einige Wochen im Designstudio von Oscar de la Renta tätig. Seine weitere Zukunft sieht er positiv. „Es klingt ein wenig bizarr, aber ich bin dankbar für das, was passiert ist. Ich habe so viel über mich selbst gelernt. Ich habe den kleinen Jungen wiederentdeckt, der hungrig war etwas zu erschaffen. Das hatte ich verloren. Ich bin lebendig."

(Red.)