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Pereira: „Salzburg lasse ich nicht im Stich“

Alexander Pereira
Alexander Pereirauo(c) APA (STEFFEN SCHMIDT)
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Intendant Alexander Pereira will bis 2016 bleiben. Das Kuratorium will ihn schnell loswerden. Als Kompromiss wird wohl ein Vertragsende mit 2014 angepeilt.

Die Salzburger Festspiele brauchen in jedem Fall eine substanzielle Erhöhung ihrer Subvention. Sonst haben sie keine Chance“, erklärte Alexander Pereira, Mittwoch, einen Tag nachdem bekannt wurde, dass er 2015 die Leitung der Mailänder Scala übernimmt, der „Presse“. Mögliche Nachfolger in Salzburg will er nicht kommentieren. Seine eigene Linie sei klar, so der Festspielintendant: „Ich erfülle meinen Vertrag bis zum bitteren Ende. Ich lasse Salzburg nicht im Stich. Ich bleibe verfügbar bis 2016. Das Programm der Mailänder Scala ist ja vorgeplant.“ Er freue sich über die Berufung nach Mailand: „Es war ja schon 2005 so weit, dass ich die Scala übernehmen sollte“, doch das Zürcher Opernhaus, das Pereira damals leitete, zog eine Subventionskürzung zurück, sodass er sich entschied, in der Schweiz zu bleiben. Stimmt es, dass Pereira Daniele Gatti als Musikdirektor gewinnen will? „Nein. Aber mit dieser Frage werde ich mich natürlich beschäftigen“, sagt er. Derzeit ist Daniel Barenboim Scala-Musikchef.

Am 11.Juni ist die nächste Kuratoriumssitzung. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (S) sowie Wilfried Haslauer (V), Landeshauptmannstellvertreter und bald Landeshauptmann, waren sich Dienstag einig, dass eine Doppelfunktion Pereiras in Mailand und Salzburg nicht infrage komme. „In Salzburg gibt es keine Nebenbei-Festspiele“, so Schaden. „Eine Doppelfunktion geht nicht“, so Haslauer. Daher wird man sich vermutlich auf ein Vertragsende mit 2014 einigen. Die Intendanz wird so schnell wie möglich ausgeschrieben. Die Favoriten des Kuratoriums sind der designierte Intendant der Wiener Festwochen ab 2014, Markus Hinterhäuser, und der Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele, Sven-Eric Bechtolf. Wollen die zwei überhaupt? Das steht auf einem anderen Blatt. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ließ Mittwoch ausrichten, man freue sich, „dass Markus Hinterhäuser so begehrt“ sei: „Das bestätigt uns in unserer Wahl.“ Im Klartext heißt das wohl: Wien ist nicht ohne Weiteres bereit, Hinterhäuser aus seinem Festwochen-Vertrag aussteigen zu lassen.

 

Burgstaller: „Arbeiten für die halbe Gage!“

Wenn doch, könnte Martin Kušej ins Spiel kommen, der im Oktober eine Professur am Reinhardt-Seminar übernimmt, allerdings seit 2011 am Münchner Residenztheater Intendant ist. Auch Franz Welser-Möst dürfte erneut umworben werden. Ob er sich freilich nach den Ärgernissen, die er in Salzburg erlebt hat, gewinnen lässt, ist die Frage. Oder es kommen neue Personen auf die Bühne, wie manchmal bei Ausschreibungen.

Bei den Verhandlungen über eine Vertragsauflösung in Salzburg geht es auch ums Geld. Mit einem drastischen Vorschlag zitiert die APA Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller: „Ziel ist eine saubere Lösung mit Pereira, der ja bis 30.9.2016 in Salzburg unter Vertrag steht. Ich könnte mir vorstellen, dass Pereira die kommenden zwei Festspielsommer, 2013, 2014, in Salzburg abwickelt. Aber mehr auch nicht. Und dafür könnte er höchstens die halbe Gage beziehen. Sollte er das nicht wollen, dann käme eine Interimslösung mit Helga Rabl-Stadler (Präsidentin, Geschäftsführerin des Festivals, Red.) und Sven-Eric Bechtolf auch für mich infrage. Eine klassische Doppelfunktion Pereiras für zwei Institutionen schließe ich aus.“ So weit Burgstaller.

In Mailand findet Pereira keine leichte Situation vor. Stéphane Lissner, der 2015 von der Scala an die Pariser Oper wechselt, hatte schwere Kämpfe mit den Gewerkschaften zu bestehen. Diese warnten Mittwoch vor einer „Privatisierung“ der Scala, die 800 Personen beschäftigt und (laut Lissner) nur 36 Prozent ihres Budgets vom Staat erhält. Andere Opernhäuser bekommen 50Prozent. Die öffentliche Hand in Italien schnürt Sparpakete. Die italienischen Medien reagierten verhalten bis positiv auf Pereiras Berufung: „Lob für Bürgermeister Giuliano Pisapia“, spendet „La Stampa“.

Mehr Raum für italienische Oper fordert „Il Giornale“. „Wird Pereira einen künstlerischen Direktor ernennen oder das Amt selbst bekleiden?“, fragt der „Corriere della Sera“. „Bestimmt kann ich nicht alles allein machen. Ob man von einem künstlerischen Direktor spricht oder von Assistenten, macht keinen Unterschied“, erklärt Pereira dazu im Magazin „News“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2013)