Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Assads Armee geht mithilfe des Iran und der Hisbollah weiter in die Offensive

Assads Armee geht mithilfe
Assads Armee geht mithilfe(c) REUTERS (STRINGER)
  • Drucken

Syriens Regime eroberte die strategisch wichtige Stadt Qusair an der Grenze zum Libanon zurück. An den Kämpfen waren Hisbollah-Milizen beteiligt.

Tahiche/Beirut/Damaskus. „Unsere heroischen Truppen haben Sicherheit und Stabilität nach Qusair zurückgebracht“, meldete das syrische Staatsfernsehen und zeigte rollende Panzer im Zentrum der Kleinstadt. Der Hisbollah-Kanal al-Manar aus dem Libanon sendete Bilder eines Mannes, der auf dem Uhrturm von Qusair die Flagge des Regimes hisste. Zeichen des Triumphs, die bitter nötig waren. Gerade für Hisbollah, die schiitische Miliz aus dem Libanon.

Zum ersten Mal hatte sich die „Partei Gottes“ aktiv an einer größeren Operation der syrischen Regierungstruppen beteiligt. Nur kurze Zeit sollte die Rückeroberung Qusairs dauern, das die Rebellen seit über einem Jahr besetzt hielten. Aus wenigen Tagen wurden jedoch drei Wochen und die Hisbollah musste unerwartet schwere Verluste hinnehmen.

 

Jumblatt handelte Rückzug aus

„Am Anfang liefen wir in einen Hinterhalt, in allen Gebäuden gab es Sprengfallen“, berichtete ein Hisbollah-Kämpfer in Beirut. Danach änderte man die Strategie, nahm die Rebellen Tag und Nacht unter Artilleriebeschuss. Am Mittwoch gab die Freie Syrische Armee ihren „taktischen Rückzug“ bekannt. Ein Rückzug, der nach Angaben der Syrischen Nationalen Koalition von Walid Jumblatt, dem Führer der drusischen Progressiven Sozialistischen Partei im Libanon, ausgehandelt worden sei. Kämpfer und ein Teil der bis zu 1500 Verwundeten durften sich ins nahe gelegene Dorf Dabaa und weiter zur libanesischen Grenze zurückziehen.

„Wer immer Qusair kontrolliert“, sagte Brigadegeneral Yahya Suleiman von der syrischen Armee, „kontrolliert die Mitte des Landes, und wer die Mitte des Landes kontrolliert, kontrolliert Syrien.“ Qusair liegt unweit der Autobahn, die die nur 30 Kilometer entfernte drittgrößte Stadt Homs mit Damaskus verbindet. Über diese Autobahn läuft der Nachschub zu den Truppen im Norden. Qusair ist zudem das Tor zur Mittelmeerküste nach Tartus und Lattaki. Dort leben überwiegend Alawiten, eine schiitische Sekte des Islams, zu der auch Präsident Bashar al-Assad gehört. Mit dem Verlust von Qusair sind die Rebellen von den Schmuggelrouten in den Libanon abgeschnitten.

Die Eroberung der Kleinstadt mit 50.000 Einwohnern ist nicht der erste militärische Erfolg des Regimes in den letzten drei Monaten. Regierungstruppen konnten die Belagerung zweier wichtiger Militärstützpunkte brechen. Zuerst in Wadi Deif, unweit von Maarat al-Numann, um die Verbindung nach Hama wieder herzustellen. Danach folgte Daraa an der jordanischen Grenze. Mit der Wiedereröffnung der Nachschubwege verhinderte man den Vorstoß der Rebellen auf das 120 Kilometer entfernte Damaskus. In der Hauptstadt wurden einige Stadtteile, die die Opposition besetzt hielt, „von Terroristen gesäubert“, wie Staatsmedien berichteten.

Präsident Assad befindet sich im Aufwind. Eine Entwicklung, die mithilfe der Verbündeten Iran und Hisbollah zustande kam. Die Islamische Republik lieferte neue Waffen. Iranische Drohnen werden zur Luftaufklärung benutzt. Anti-Mörser-Systeme können Raketenangriffe an ihren Ursprung zurückverfolgen und sofort das Feuer erwidern. Nicht zu vergessen die Soldaten der Hisbollah. Sie sind diszipliniert, gut ausgebildet und motiviert. Die Kämpfer sind im Straßenkampf geschult, ein entscheidendes Element, das Syriens Armee, die auf einen konventionellen Krieg mit Israel ausgerichtet ist, bisher fehlte und ihre bisherigen Niederlagen erklärt. Zudem haben iranische Offiziere die Militärstrategie des Regimes überarbeitet und die Truppenstruktur reorganisiert. Es wurde eine Miliz von 50.000 Mann aufgestellt, die sich aus den Volksorganisationen der regierenden Baath-Partei zusammensetzt.

Hinzu kommen schiitische Milizen aus dem Irak und Freiwilligenkontingente aus dem Iran. Angegriffen werden ausschließlich strategisch wichtige Ziele und das mit aller militärischen Macht, um den Erfolg zu garantieren. Als Nächstes steht Aleppo auf der Liste zur Rückeroberung. 4000 Hisbollah-Kämpfer befinden sich bereits in der syrischen Stadt im Norden des Landes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.06.2013)