Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Bericht: Österreichs Abzug vom Golan verärgert Israel

GolanMission Israel ueber oesterreichAbzug
GolanMission Israel ueber oesterreichAbzug(c) APA (Harald Minich/HBF)
  • Drucken

Ein israelischer Offizieller spricht von einem "problematischen Zeichen": "Beim ersten Anzeichen von Ärger verschwinden sie." Die UNO sucht nach Ersatz für die Blauhelme: Eine Sondersitzung im Sicherheitsrat ist anberaumt.

Der Truppenabzug Österreichs dürfte die israelische Regierung schwer verärgert haben. Die Entscheidung "sendet eine sehr problematische Botschaft an die israelische Öffentlichkeit", zitierte der britische "Guardian" einen hochrangigen Offiziellen. Denn mit dem Abzug des größten Truppenstellers Österreich steht die UN-Mission zur Sicherung der Pufferzone zwischen Israel und Syrien vor dem Aus. "Der einzige Grund, warum man überhaupt jemanden dort (Anm.: am Golan) haben will, ist wegen schwieriger Zeiten. Das erste Mal in 40 Jahren ist es nicht so einfach, und die Präsenz endet? Das sendet eine sehr problematische Botschaft an die israelische Öffentlichkeit", wird der Offizielle zitiert.

Der Rückzug von der Mission UNDOF zeige das Problem solcher Blauhelm-Einsätze. "Wenn wir in Zukunft eine Lösung mit den Palästinensern finden, werden wir keine UNO-Friedenstruppen akzeptieren - weil sie beim ersten Anzeichen von Ärger verschwinden", wurde der Offizielle zitiert.

Beitrag zur Friedenssicherung "sehr geschätzt"

Auch Aviv Shir-On, Israels Botschafter in Wien, „bedauert" gegenüber der "Presse" den Abzug. Man erwarte von der UNO eine Weiterführung der Mission. Andernfalls sei eine Zuspitzung des Konflikts in der Grenzregion zu befürchten. Shir-On zufolge habe Israel den Beitrag Österreichs zur Friedenssicherung „sehr geschätzt", obgleich man sich nicht nur auf die UN-Mission verlassen habe: „Wir wussten uns immer selbst zu schützen."

Mit der dramatischen Situation auf den Golan-Höhen zwischen Syrien und Israel wird sich am Freitag der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen bei einer Sondersitzung befassen. Sie wurde für 15 Uhr Ortszeit (21 Uhr MESZ) am UN-Hauptsitz in New York einberufen. Dabei soll nach einem Ersatz für die Österreicher gesucht werden, sagte der britische UN-Botschafter Mark Lyall Grant.

Die USA forderten Österreich um mehr Bemühungen zur Koordinierung mit den Vereinten Nationen auf. "Wir haben die Österreicher darum gebeten, sich mit der UN über das Timing ihres Abzuges abzustimmen, damit die UN einen Ersatz für ihre Truppen finden kann", sagte die Sprecherin des US-Außenministerium, Jen Psaki, am Donnerstagabend in Washington. Üblicherweise werden die Vereinten Nationen drei Monate vor einem geplanten Abzug gewarnt, um Ersatz aufstellen zu können. Österreich will seine Soldaten aber binnen vier Wochen nach Hause holen.

Ban Ki-Moon bedauert Schritt

SP-Bundeskanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler Michael Spindelegger hatten diesen Schritt am Donnerstag angekündigt. Zuvor war es erstmals direkt am Grenzposten bei der Stadt Quneitra an der Waffenstillstandslinie auf den Golan-Höhen zu heftigen Gefechten zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen gekommen. Dem Regime gelang es dabei, den Grenzposten "Bravo-Gate" und damit das Eingangstor für die Blauhelme in die Pufferzone, zurückzuerobern. Durch Beschuss aus Syrien wurden indes zwei nicht-österreichische UNDOF-Soldaten im Camp Ziouani auf israelischem Boden verletzt.

Schweden von Österreich enttäuscht

In den vergangenen Monaten hatten bereits Japan und Kroatien ihre Soldaten abgezogen. Gegenwärtig stellen noch Indien und die Philippinen Truppen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon bedauerte die Entscheidung Österreichs. Ban sorge sich um die möglichen Konsequenzen des Rückzugs, sowohl auf den Friedenseinsatz als auch auf die Stabilität in der Region, sagte Bans Sprecher am Donnerstag in New York. "Österreich war offensichtlich ein entscheidender Teil der Mission. Der Rückzug wird ihre Handlungsfähigkeit beeinträchtigen."

Auch Schweden zeigte sich enttäuscht von Österreich. Die Entscheidung zum Abzug sei "bedauerlich", twitterte der schwedische Außenminister Carl Bildt. Er habe jedoch vor einem Scheitern der Einigung auf ein EU-Waffenembargo gewarnt, schrieb Bildt am Rande der Bilderberg-Konferenz im britischen Watford.

Die Lage am Golan blieb am Donnerstag angespannt. Israel beschwerte sich offiziell bei der UN-Truppe über das Eindringen syrischer Panzer in die Sicherheitszone, wie der Nachrichtenagentur dpa aus militärischen Kreisen bestätigt wurde. Laut einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP verlagerte Israel als Reaktion Panzer in die Nähe des Golan.

Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und später annektiert. Beide Länder befinden sich offiziell im Kriegszustand. Ein Jahr nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 wurde die Einrichtung einer Pufferzone unter UN-Kontrolle vereinbart. Dort dürfen sich eigentlich nur UN-Beobachtertruppen aufhalten. Allerdings wird das sowohl von Rebellen als auch durch das Regime oft ignoriert. UN-Soldaten wurden von regierungsfeindlichen Milizen sogar entführt.

 

(APA/Reuters/dpa/AFP)