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Gestaltung: Was Büromenschen glücklich macht

Schon mit kleinen Maßnahmen große Wirkungen erzielen. Was Pflanzen können – und was färbige Beleuchtung mit Champagner gemeinsam hat.

Dass Wohlbefinden am Arbeitsplatz Leistung, Innovationsfähigkeit und Output deutlich erhöht, ist längst kein Geheimnis mehr. Die weltweit erfolgreichsten Firmen machen seit Jahren vor, wie es geht. Allerdings muss nicht gleich in Glaspaläste mit Rutschen, Hängematten und Wellnessbereichen investiert werden, schon kleine Veränderungen können am Arbeitsplatz große Wirkungen erzielen: Farben, Licht und Grünpflanzen können mehr, als man glaubt.

 

Warme Farben im Trend

Bei der Farbgestaltung in den Büros stehen derzeit warme Töne hoch im Kurs, und Bürodesigner Horst Steiner weiß auch, warum: „Die Menschen brauchen bei dem heutigen Stress ein bisschen Beruhigung, eine Art Geländer, an dem sie sich festhalten können“, erklärt er. Schrille oder aggressive Farben sind dafür selten geeignet, und können auch gern einmal auf emotionalen Widerstand bei Mitarbeitern und Kunden stoßen. Und auch allgemeine Regeln wie „Rot ist anregend“ oder „Grün beruhigt“ sind mit Vorsicht zu genießen. „Man sollte immer auf die Gruppe eingehen, eventuelle Lieblingsfarben berücksichtigen“, so Steiner – und wenn man diese nicht kenne, beispielsweise bei Kunden, seien dezente, ruhige Erdtöne immer eine gute Lösung.

Vorsicht ist auch bei färbiger Beleuchtung angebracht. Licht kann motivationssteigernd sein: Blaues Licht beispielsweise gilt als sehr inspirierend, kann aber auch schnell anstrengend werden, wenn es zu aggressiv ist. „Färbige Beleuchtung ist oft wie ein Aperitif“, verdeutlicht Steiner. „Am Anfang schmeckt ein Glas Champagner wunderbar, aber das heißt nicht, dass man das auch den ganzen Abend schlürfen möchte.“ Deshalb gehört hier zu den wichtigsten Dingen ein Dimmer, mit dem sich die bunte Pracht reduzieren lässt. Zum Arbeiten am Schreibtisch ist grundsätzlich helles, klares Licht gefragt, das entgegen manch zeitgeistiger Idee von indirekter Beleuchtung auch durchaus von oben scheinen darf. Zum Schreiben ist es das einzig Wahre, und auch an Besprechungstischen sollte zumindest eine Lichtquelle direkt auf den Tisch scheinen – gegen ergänzendes indirektes Licht gibt es natürlich nichts einzuwenden. Und hier sind im Gegensatz zur Farbgebung der Wände warme Töne der Produktivität eher abträglich: Diese machen nämlich auf Dauer müde, da die Lichtfarbe nicht dem Tageslicht entspricht; am Schreibtisch sollten daher mindestens 500 Lux gegeben sein.

Die Stars unter den effizienzsteigernden Maßnahmen im Büro sind aber fraglos die Grünpflanzen. Sofern sie regelmäßig gegossen werden und nicht als verdorrte Symbole der Lieblosigkeit im Raum stehen, bewirken die „grünen Kollegen“ wahre Wunder. Laut einer Studie der Washington State University steigerte sich die Reaktionszeit am Computer bei Menschen, die von Pflanzen umgeben waren, um zwölf Prozent, die Produktivität erhöhte sich, das Stresslevel nahm ab, und die Probanden fühlten sich aufmerksamer und wacher.

 

„Grüne Kollegen“ sorgen für Entspannung

Und auch Forschungen der Universität Oslo zeigen die förderlichen Auswirkungen, die Grünpflanzen auf die Gesundheit haben: Die Müdigkeit der Probanden reduzierte sich um 20, Kopfschmerz um 30, Heiserkeit und Hustenreiz sogar um rund 40 Prozent. Außerdem dienen Pflanzen als gute Schallschlucker – was in manchem Großraumbüro allein schon ein Segen wäre. Doch bei aller Begeisterung für diese Maßnahmen sollte eines nicht aus den Augen verloren werden: „Ein Arbeitsumfeld individualisiert zu gestalten ist immer nett“, betont Arbeitspsychologin Martina Molnar von Humanware. „Allerdings muss man aufpassen, dass es nicht nur eine Behübschung ist. Denn wenn die Arbeitsbedingungen sonst nicht stimmen und das tägliche Tun von Frust bestimmt ist, hilft die Farbe an der Wand auch nichts.“

Lichtblicke

Warme Farbtöne wirken beruhigend und schaffen eine angenehme Wohnatmosphäre.

Blaues Raumlicht kann inspirierend wirken, wenn es nicht zu aggressiv ist. Daher sollte der Lichtschalter mit einem Dimmer versehen sein.

Helles, direktes Licht in Tageslichtstärke ist für Schreibtischarbeit empfehlenswert. Damit lässt sich Müdigkeit vorbeugen. Grünpflanzen erhöhen die Produktivität, wirken gegen Stress und können als Schallschlucker eingesetzt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2013)