Exklusiv! Letzte Geheimnisse der Bilderberg-Konferenz in Watford

Wird es Frieden in Nahost geben? Werden sich die EU-Staaten wirtschaftlich erholen, oder doch eher die USA? Und übersetzt man „Grove“ wirklich als „Druidenloge“?

Ein innerster Kreis der global agierenden Gegengift-Organisation hat sich vom Tagesgeschäft vorübergehend zurückgezogen – offiziell wegen Fiebers, insgeheim aber, um über Hertfordshire nachzudenken. Dort zählt Watford zu den unauffälligen Städten nördlich von London, mit einem berüchtigten Bier-Festival. An diesem Wochenende aber konkurriert der rustikale Ort mit mondänen Treffs.

Die Bilderberg-Konferenz findet 2013 nicht in St. Moritz oder Versailles statt, sondern bei Watford im „Grove“ – das bedeutet Wäldchen, Hain oder Druidenloge. Wie immer ist man diskret, als ob sich Bischöfe zur Himmels- oder Freimaurer zur Weltenrettung träfen. Bilderberg ist im Grunde ein Bubenklub, ein exklusiver. Geht man von den drei Eingeladenen aus Österreich aus, findet sich intellektuell, künstlerisch und politisch reichlich Talent, obwohl von den rund 140 Teilnehmern auch heuer nur zehn Prozent Frauen sind. Da schickt allein der Finanzriese Goldman Sachs, der neben BP zu den großen Gönnern des informellen Vereins zählt, mehr Direktoren, Ex-Mitarbeiter und Verbündete.

Nichts Konkretes soll nach außen dringen, wenn Spitzenkräfte aus Politik, Militär, Adel, Wirtschaft und Medien zusammenfinden. Das war schon bei der Gründung so, als Bernhard der Niederlande 1954 in sein Hotel de Bilderberg einlud, damit sich Amerikaner und Europäer frei austauschen konnten. Als erster Vorsitzender war der Prinz ein typisches Beispiel für transatlantische Transaktion. Er trat 1976 zurück, weil er in den Bestechungsskandal des US-Rüstungskonzerns Lockheed-Martin verwickelt war. Deshalb fiel damals die Bilderberg-Konferenz zum bisher einzigen Mal aus. 1977 ging es mit einem neuen Obmann munter weiter, mit dem Tory und Ex-Premier Alec Douglas-Home.

Aber mit der Diskretion hapert es inzwischen sehr. So waren auf der Homepage der Bilderberger 2013 nicht nur die Namen der Teilnehmer, sondern auch die Themen im Voraus zu erfahren. Schade um das Geheimnis!

Drei der neuesten Fragen konnte das innerste Gegengift-Gremium nun bereits a priori bearbeiten: „Können die USA und Europa rascher wachsen und Jobs kreieren?“ Unsere Antwort: „Aber ja!“ beziehungsweise „Leider nein, zumindest nicht bis 2020“. Wird es Frieden in Nahost geben? „Aber ja, beziehungsweise nicht so ganz gleich, also eher nein.“ Und was halten wir vom Cyber-Krieg? „Schrecklich! Da muss unbedingt eine Resolution her.“

Anderes bleibt wohl stärker umwölkt, selbst wenn es bald publik wird. Was die Sitzungen über Big Data, Arbeitsplätze, Nationalismus, Populismus, Schulden, Online-Erziehung, Afrika und Medientrends zusammentragen, wird man im Lauf des Jahres bis ins Letzte erfahren. Die Teilnehmer in Watford sind nämlich nicht Druiden, sondern Beamte, Journalisten oder gar Politiker – also Plaudertaschen. Man sammle in den nächsten Monaten all die Sonntagsreden, Zeitungsartikel, Diskussionsbeiträge, die Leute wie Kissinger, Lagarde, Ackermann oder Monti von sich geben. Alles wird gesagt werden. Von fast allen.

 

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