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Sprachspaltereien: Der Natur sein Recht

„Die Natur fordert sein Recht, und das ist gut so“, schreibt jemand auf einem Internetforum zum Thema Hochwasser. Da fordert prompt die Grammatik ihr Recht, und das ist wirklich gut so! Wie positiv die Naturgewalt zu bewerten ist, sei dahingestellt. Ein anderer zählt im TV die vielen Hochwässer auf, die er schon überstanden hat. Diesmal ist der Umlaut – Lüsterklemme! – tatsächlich fehl am Platz.

Nur das Wässerchen kommt mit einem ä daher; die Dimensionen des jüngsten Hochwassers spotten freilich jeder Verniedlichung. Wenn jedoch ein Reporter vom „schlimmsten Hochwasser des 20. und 21. Jahrhunderts“ spricht,muss er, was das laufende Jahrhundert betrifft, über hellseherische Fähigkeiten verfügen. Es kann sich höchstens um das „bisher schlimmste“ handeln.

Mit Superlativen sollte man überhaupt behutsam umgehen. Nicht so die Veranstalter des Open-Air-Kurzfilmfestivals „espressofilm 2013“: „... wird der Garten des Volkskundemuseums jeden Donnerstag und Freitag von 5. Juli bis 30.August zum vielleicht schönsten Kinosaal Wiens.“ Die Einschränkung von Superlativen mit vielleicht, wohl, wahrscheinlich ist zwar sehr beliebt, aber unsinnig. Man will sich oder andere rühmen und macht zugleich einen Rückzieher. Eleganter wäre: einer der schönsten Kinosäle. Übrigens wird „jede espressofilmnacht zu einem unvergleichlich entspannten Genuss. Dafür sorgt mit der espressokantine auch die wohl charmanteste Kinobar Wiens“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2013)