Am Herd

Wie Frauen Erfolg haben: nicht pfeifen, Stolz auf die eigene Leistung zeigen, tiefer sprechen - und über Gewichtsprobleme jammern.

Meistens bin ich nicht besonders zwider. Gibt auch nicht viel Grund. Ich mag meine Arbeit, ich mag meine Kollegen, an der Mehrzahl der Tage mag ich sogar meine Chefs, und vom Schreibtisch aus kann ich den Himmel sehen – und der ist im Moment blau. Das sei vorausgeschickt, um zu erklären, warum mir der Wissenschaftsredakteur mit den Worten „So wird das nix“ eine Studie ausgehändigt hat, in der es darum ging, dass Fröhlichkeit die Karriere hemmt – allerdings nur, wenn die fröhliche Person weiblich ist. Frauen traut man, ergaben Experimente, prinzipiell weniger Führungsstärke zu. Und wenn sie zu viel lächeln, verstärkt sich das.

Es gibt ja eine Menge Studien, denen man entnehmen kann, wie eine Frau zu sein und sich zu benehmen hat, wenn sie Erfolg haben will: Sie soll sich nicht zu sexy kleiden (befolge ich), sie soll Stolz auf ihre Leistung zeigen (versuche ich), darf nicht zu hastig sprechen (tu ich trotzdem), und sie soll hin und wieder über Gewichtsprobleme jammern.

Okay, das letzte ist kein Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie. Das ist der sarkastische Tipp einer Autorin, die damit auf die Tatsache reagiert, dass Frauen zwar lernen sollen, sich durchzusetzen – wenn sie es aber gelernt haben, gelten sie dann aber schnell als egoistisch und unnahbar.

Und dagegen helfen angeblich die Gewichtsprobleme. Wenn man keinen Grund hat, übers Gewicht zu jammern, tut es auch eine unglückliche Liebe. Oder man verteilt selbst gebackene Kekse.


Zielstrebig oder egoistisch? Übrigens halten nicht nur Männer Frauen für inkompetent, wenn sie hin und wieder pfeifend ums Eck kommen – auch Frauen denken so. „Manche Frauenstereotype sind bei den Frauen selbst sogar ausgeprägter“, so die Projektleiterin der Fröhlichkeitsstudie. Neu ist das nicht. Immer wieder zeigt sich: Auch Wissenschaftlerinnen erklären eine Forschungsarbeit, die unter einem Männernamen eingereicht wurde, für interessanter; auch Lehrerinnen beurteilen die Mathearbeiten von Mädchen schlechter – und wenn Frauen den Lebenslauf einer Karrierefrau lesen und anschließend nach ihrer Meinung gefragt werden, fallen Bezeichnungen wie egoistisch, dominant, unsympathisch. Der gleiche Lebenslauf, jetzt aber angeblich der eines Mannes? Zielstrebig! Ehrgeizig!

Mach ich das auch? Eh klar! Stereotype sind unbewusst, wenn man gegensteuern will, muss man sich anstrengen: also zweimal nachdenken, wenn mir eine Frau zu ehrgeizig vorkommt. Auf den Inhalt hören, wenn eine Teilnehmerin „Im Zentrum“ piepst. Überlegen, ob ich eine Frau unterschätze, die in Diskussionen unterbrochen wird – oder ob ich sie gleich für zu dominant halte, nur weil sie hin und wieder andere unterbricht.

Auch Männer sind zu dieser Übung übrigens herzlich eingeladen.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

diepresse.com/amherd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2013)

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