Schnellauswahl

Italien protestiert gegen "Mafia-Speisen" in Wien

Symboldbild Pizza
Symboldbild PizzaFabry
  • Drucken
  • Kommentieren

In Wien bietet ein Lokal Speisen mit den Namen berühmter Mafiosi und wichtiger Anti-Mafia-Kämpfer an. Nun beschwert sich die Außenministerin.

Die italienische Botschaft in Wien protestiert gegen das Lokal "Don Panino" in Wien-Neubau, das seine Gerichte und Brötchen (Panini) mit den Namen mehrerer Mafiosi und Anti-Mafia-Helden anbietet. Auf Anweisung der italienischen Außenministerin Emma Bonino betonte Sergio Pagano, ein italienischer Gesandter in Wien, in einem Schreiben an die österreichischen Behörden, dass der Gebrauch der Namen von im Kampf gegen die Mafia gefallenen Persönlichkeiten zu Marketingzwecken nicht nur „geschmacklos, sondern auch beleidigend“ gegenüber diesen Personen und all jenen Menschen sei, die sich täglich im Kampf gegen die Mafia engagieren.

Ironische Bemerkungen über prominente Opfer im Kampf gegen die Costa Nostra, wie Staatsanwalt Giovanni Falcone und Anti-Mafia-Aktivist Peppino Impastato, seien inakzeptabel und hätten „stark negative Reaktionen“ in der Öffentlichkeit in Italien sowie in der italienischen Gemeinschaft in Wien ausgelöst, berichtete das Außenministerium in Rom.

Unterschriftensammlung

Eine Facebook-Gemeinschaft, die sich “Italiani a Vienna” (Italiener in Wien) nennt, hatte kürzlich eine Unterschriftensammlung gestartet, in dem das Lokal aufgefordert wurde, die Namen seiner Menüs zu ändern. Bisher wurden 968 Unterschriften gesammelt.

Der Initiator der Kampagne, der in Wien lebende Paolo Federico, forderte mehr Respekt für die Mafia-Opfer. „Man darf den Begriff Mafia nicht zu Marketingzwecken verwenden“, betonte Federico nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Er bemängelte, dass in Wien zuletzt mehrere Pizzerien mit Namen eingeweiht worden seien, die auf die Mafia hinweisen, wie „Mafiosi“, „Camorra“ und „Al Capone“. „Wir hoffen, dass andere italienische oder österreichische Unternehmer mit geniereichen Einfällen dieser Art es sich anders überlegen werden. Man muss verhindern, dass der Begriff Mafia als Brand und Werbung genutzt wird“, so Federico.

Der von Impastato gegründete sizilianische Radiosender „100 Passi“, der engagierte Anti-Mafia-Kampagnen führt, startete auf der Webseite „change.org“ eine an das Außenministerium gerichtete Petition gegen “Don Panino”, die in Kürze 7.300 Unterschriften sammelte. Mehrere Kaufleute, Opfer von Erpressungen auf Sizilien, unterschrieben die Petition. „Ein derartiges Lokal sollte sofort schließen“, protestierte Nicoletta Scimeca, die einem Verband von im Kampf gegen die Mafia engagierten Kaufleuten angehört.

(APA)