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Energie: Netzausbau kostet 8,7 Milliarden

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Energie: Netzausbau kostet 8,7 Milliarden(c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
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Der massive Ökostromausbau zwingt Österreich zum kostspieligen Aufrüsten seiner Stromnetze. Für die Konsumenten sind die Zeiten fallender Netzgebühren damit vorbei.

Wien/AUER. Vor ein paar Jahren wäre das jüngste Hochwasser noch das größte Problem für Österreichs Stromnetzbetreiber gewesen. Immerhin muss die Infrastruktur in Salzburg teilweise erneuert werden, was naturgemäß Geld kostet. Verglichen mit dem, was ohnedies auf die Netzbetreiber zukommt, sind das aber Peanuts. Die Energiewende zwingt Österreich zu einer viel kostspieligeren Aufrüstung seiner Strominfrastruktur. Allein in den kommenden sechseinhalb Jahren sind Investitionen über 8,7 Mrd. Euro notwendig, schätzt die E-Control.

Schon die Ökostromkraftwerke, die heute in und um Österreich fix geplant sind, würden einen Ausbau der Netze um diese Summe fordern, erklärte der Regulator. In Niederösterreich werden in den kommenden Jahren hunderte neue Windkraftanlagen gebaut werden. Die notwendigen Verteilnetze, um den Windstrom aus dem Weinviertel auch zu den Verbrauchern zu bringen, fehlen aber. Zwei Drittel dieser Kosten übernimmt die Windbranche selbst. Den Rest bezahlen die Netzbetreiber – und damit die Kunden.

Die E-Control rechnet mit Investitionen von vier Milliarden Euro für Verteilnetze, eine weitere Milliarde für die Anbindung von Ökostromkraftwerken, eine Milliarde für den Ausbau intelligenter Stromzähler und 2,7 Milliarden für die Übertragungsnetze. Diese Hochspannungsleitungen müssen vor allem wegen Deutschland aufgerüstet werden. Denn dort liefern Solar- und Windkraftanlagen mitunter schon so viel Strom, dass Österreich die ins Land strömende Elektrizität kaum noch aufnehmen kann. Immer öfter müssen die Deutschen daher Windparks komplett vom Netz nehmen, um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden. Europaweit schätzt die EU-Kommission die Kosten der Energiewende bis 2020 auf eine Billion Euro. Mehr als die Hälfte davon wird nicht für den Bau neuer Kraftwerke fällig werden, sondern für den Ausbau der Netze.

Bürgerbeteiligung oder neue Allianzen?

Für die Österreichs Stromkunden bedeutet das vor allem eines: Die Zeit der fallenden Netztarife ist vorbei. Die Netzgebühren werden von der E-Control genehmigt und machen neben Energie und Steuern etwa ein Drittel der Stromrechnung aus. In den ersten zehn Jahren der Liberalisierung wurde zwar auch jährlich eine halbe Milliarde Euro in die Netze investiert. Dennoch fielen die Netzkosten für Konsumenten von 2,1 auf 1,6 Milliarden Euro. „Wir haben die Monopolrenten abgeschöpft“, erklärt E-Control-Ko-Chef Martin Graf. Ein durchschnittlicher Haushalt zahle für das Netz nun rund 80 Euro weniger als 2002.

In den nächsten Jahren wird sich das grundlegend ändern. Exzessive Tarife wurden nach der Liberalisierung bereits nach unten geschraubt. Die 8,7 Milliarden Euro werden sich also wohl oder übel auf den Stromrechnungen der Kunden wiederfinden. Auf eine Prognose der Tarifsteigerung will sich Graf aber nicht einlassen. Das hänge nicht zuletzt davon ab, wie günstig die Unternehmen die Investitionen finanzieren können. Seit Ausbruch der Krise im Jahr 2008 haben Europas Stromversorger deutlich weniger Kredite von den Banken bekommen. Die meisten finanzieren ihre Projekte über den Kapitalmarkt. Aber das ist nicht immer ganz einfach. Kreativere Lösungen wie Bürgerbeteiligungen oder neue Allianzen, seien gefragt, sagt Graf. In Deutschland hat der Netzbetreiber Tennet den Anschluss der Offshore-Windparks letztlich erst mit dem japanischen Mitsubishi-Konzern finanzieren können. Auch große Pensionsfonds sind dort bereits in das Geschäft mit dem Netzausbau eingestiegen.

In Österreich kann sich der Regulator breitere Allianzen der einzelnen Beteiligten vorstellen. Würden etwa die Unternehmen wie EVN, Wien Energie, Energie Burgenland und APG ihre Projekte für den Windkraftausbau im Osten in einer Projektgesellschaft bündeln, hätten sie deutlich bessere Chancen auf günstige Finanzierungen und Förderungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2013)