Rumpold: Untreue oder doch Betrug?

Rumpold Untreue oder doch
Rumpold Untreue oder doch(c) APA
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Ex-FPÖ-Werber Gernot Rumpold ist wegen Untreue in Bezug auf Telekom-Geld angeklagt. Laut Gericht kann das Verfahren aber auch „in Richtung Betrug“ laufen.

[WIEN] Es sei Beteiligung an der Untreue (begangen von Telekom-Managern), wenn man 600.000 Euro Telekom-Geld „ohne werthaltige Gegenleistung" kassiert. Den Vorwurf hielt die Anklage am Montag, bei Fortsetzung des Prozesses gegen Ex-FPÖ-Werber Gernot Rumpold (55), aufrecht. Richter Michael Tolstiuk lieferte eine brisante Ergänzung: Im Falle einer Verurteilung müsse der Sachverhalt nicht zwingend als Untreue gewertet werden. Der Weg könne „auch in Richtung schwerer Betrug" führen.

Denn: Rumpold sagt, er habe für die 600.000 Euro vier Konzepte bzw. Konzeptsentwürfe an die Telekom geliefert. Eines dieser Werbekonzepte sollte das mit dem Namen „Park your Bike" bezeichnete (von Rumpolds Partnerfirma „TCI" entwickelte) Wiener Leihfahrrad-System diversen Werbekunden schmackhaft machen: Fahrradständer sollten als Werbeflächen dienen. Rumpold war etwa mit der Firma Telering ins Geschäft gekommen. 300.000 Euro habe das Unternehmen bezahlt, so die Verteidigung. Der mögliche Haken an der Sache: 2004 bot Rumpold dieses Werbekonzept auch der Telekom Austria (TA) an; jenes Konzept, dass zuvor exklusiv an Telering gegangen war.

Deshalb belehrte der Richter den Angeklagten, dass auch Betrug bzw. schwerer Betrug in Frage komme. Rumpold verteidigte sich: Das Konzept hätte erst nach Auslaufen des Telering-Vertrages für die TA wirksam werden sollen. Und dann auch nicht nur für Wien, sondern für ganz Österreich.

Indessen ließ sich Rumpolds Ex-Frau Erika Daniel - sie führte mit ihrem Mann die Werbeagentur - aus Gesundheitsgründen entschuldigen. Die Verteidigung stimmt nun der Verlesung ihrer früheren Vernehmungen zu. Kommt das Gericht letztlich doch noch zu der Auffassung, dass Erika Daniel sozusagen live aussagen müsse, dürfte dies erst in mehreren Wochen möglich sein.

Natascha R. (37), eine Ex-Mitarbeiterin von Rumpold, die als Belastungszeugin galt, empörte sich über diese ihr von einigen Medien zugeschriebene Rolle. Mehr noch: Sie verstehe sehr gut, dass sie von ihrem Ex-Chef auf Unterlassung bestimmter Aussagen geklagt worden sei ("Die Klage ist selbstverständlich, er hat Recht") . Denn sie habe bei ihren Einvernahmen vor den Korruptionsbekämpfern der Polizei ("Ich wurde fünfeinhalb Stunden von einer Frau und einem Mann in meiner Wohnung einvernommen") den nun ebenfalls angeklagten Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer Arno Eccher mit dem Lobbyisten Peter Hochegger verwechselt.

"Das tät' ich nicht zahlen"

Für ein Raunen im Gerichtssaal sorgte die Zeugin, als sie die Frage beantwortete, wie die Rumpold-Agentur ihren Kunden bestimmte Lobbying-Maßnahmen verrechnete. Die Zeugin: "Das war schwierig. Wenn der Kunde bereit war, 100.000 Euro zu zahlen, dann haben wir 100.000 Euro verlangt. Ich bin auch oft dagesessen und habe mir gedacht: Das tät' ich nie zahlen, aber wenn der das zahlt ..."

Auch der frühere TA-Chef Heinz Sundt trat bereits am Montag in den Zeugenstand. Rumpolds Konzepte kenne er nicht. Dass die Beauftragung des früheren FPÖ-Werbers als Parteienfinanzierung zu sehen sei, konnte Sundt nicht bestätigen. Allerdings: "Sie können nicht als Telekom ohne politische Kontakte auskommen." Das Thema Parteienfinanzierung sei dennoch nie konkret besprochen worden.

Weiters wurde ein neuer Gutachter, Georg Jeitler, Fachmann für Medien, Werbung und Marketing, bestellt. Er soll prüfen, ob die (bisher nicht aufgetauchten) Rumpold-Konzepte bzw. deren (sehr wohl aufgetauchten) Entwürfe ("Präkonzepte") im Gegensatz zu den Anklagevorwürfen doch einen gewissen Wert hatten.
Weiters angeklagt sind, wie berichtet, Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer, Ex-TA-Prokurist Michael G. sowie Ex-FPÖ-Bundesfinanzreferent Detlev Neudeck. Fischer hat zugegeben, Rumpolds Agentur auf Ersuchen des damaligen Kärntner Landeschefs Jörg Haider engagiert zu haben. Er, Fischer, habe einfach nicht "nein" sagen können und somit akzeptiert, „dass die Konzepte nicht das wert sind, was die Telekom dafür bezahlt". Prozessfortsetzung: heute, Dienstag.

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