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Sexting: Mobbing ändert sein Gesicht

Sexting Mobbing
Sexting Mobbing(C) Alton
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Immer mehr Jugendliche machen intime Fotos von sich selbst und verschicken diese dann. Häufig tauchen die Bilder später im Internet auf.

Wien. Mobbing in der Schule ändert sein Gesicht. Wurden unbeliebte Schüler früher gedemütigt, indem man sie schlicht vor aller Augen verprügelte, wurden sie vor einigen Jahren häufig dabei gefilmt und der Clip ins Internet gestellt. „Happy Slapping“ nannte sich das Phänomen, das inzwischen schon wieder am Abklingen ist. Dafür verbreitet sich in Österreich nun eine neue Form des Mobbings: das sogenannte „Sexting“. Dabei werden Jugendliche mit ihren eigenen Nacktfotos erpresst.

Möglich ist das, da immer mehr Jugendliche intime Fotos von sich selbst in Umlauf bringen. Bereits 45Prozent der Jugendlichen haben einmal ein Nacktfoto von sich gemacht. Gar 75 Prozent der Befragten kennen mindestens eine Person, die bereits ein intimes Foto von sich verschickt hat, das besagt eine erst kürzlich veröffentlichte Umfrage von „147 – Rat auf Draht“, der Telefonhotline für Kinder und Jugendliche.

Allein die Tatsache, dass Jugendliche derartige Fotos von sich machen, sei aber nicht bedenklich, sagt Barbara Buchegger von der Initiative Saferinternet: „Die Mediennutzung hat das Sexualverhalten der Jugendlichen eben verändert.“ Solange diese Bilder lediglich an Beziehungspartner versendet und ausschließlich von diesen angesehen würden, sei dies durchaus legitim, so die Expertin.

 

Technologie erhöht Risiko

Doch: Was als harmlose Aktion beginnt, kann bitter enden. Denn sobald das Foto einmal aus der Hand gegeben wurde, geht die Kontrolle darüber verloren. Dazu kommt, dass das Verschicken von Nacktbildern rechtlich gesehen verboten ist – „das wird als Kinderpornografie eingestuft“, sagt Buchegger.

Zum wirklich großen Problem wird Sexting dann, wenn die intimen Fotos missbräuchlich verwendet werden. Auch von immer mehr Schulen hört man, es sei keine Seltenheit, dass Nacktfotos an komplette Klassenlisten verschickt werden – etwa via Gratis-SMS mit „WhatsApp“. Was darauf folgt, ist für die Schüler alles andere als angenehm. Spöttische Kommentare von Mitschülern und Veröffentlichungen auf Facebook sind Usus. Die Folgen: Fotos, die im Netz auftauchen, können kaum gelöscht werden. Diese Hänseleien können bis zu schweren psychischen Belastungen führen.

Dass mit dem Verbreiten von Nacktfotos im Internet der Höhepunkt der Mobbing-Praktiken erreicht ist, bezweifelt Buchegger: „Ich fürchte, dass das nicht der Fall ist.“ Mit der Nutzung neuer Medien entstünden auch immer wieder neue Formen des Mobbings. Und: Die Benützer dieser neuen Medien werden stets jünger. Das lasse sich auch in anderen Ländern beobachten. Sexting selbst ist in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Kanada schon seit Jahren ein bekanntes Problem.

 

Bewusstseinsbildung

Es gibt aber Hoffnung: „Immerhin haben wir eine Phase erreicht, wo wir diese Dinge als Probleme wahrnehmen“, sagt Buchegger. An den Schulen würden derartige Vorfälle immer öfter offensiv angesprochen und auf einen vorsichtigeren Umgang mit dem Internet hingewiesen. Dabei wird auch externe Hilfe in Anspruch genommen. Allein die EU-weite Plattform Safeinternet.at hält rund 1000 Workshops pro Jahr ab.

Die zunehmende Sensibilisierung mache es leichter, mit dieser Form des Mobbings umzugehen.

Auf einen Blick

Sexting bezeichnet das Verschicken von Nacktfotos – ein Phänomen, das immer mehr Schüler betrifft. Laut einer aktuellen Umfrage hat bereits jeder zweite Jugendliche Nacktfotos von sich selbst gemacht. Zumeist werden die Bilder an den Partner geschickt, dort bleiben sie aber nicht immer. Immer wieder werden intime Fotos weitergeschickt, zuweilen werden Kinder und Jugendliche damit erpresst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2013)