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Brandsteidl: Kindergartenpflicht für Babys löst Probleme

Brandsteidl fordert Kindergartenpflicht fuer
Brandsteidl fordert Kindergartenpflicht fuer(c) APA
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In Wien gibt es der Stadtschulratspräsidentin zufolge ein Problem mit dem Subproletariat. Deshalb sollten Kinder lieber in Kindergärten sein als zuhause. Die Opposition ist empört.

Wiens Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl hat sich ordentlich in die Nesseln gesetzt. Bei einer Diskussionsveranstaltung des Magazins KOSMO am 6. Juni  sagte sie, es gebe in Wien kein Migrationsproblem, sondern ein "Subproletariatsproblem". Also ein Problem mit dem untersten Ende der Gesellschaft. Deshalb brauche man auch keine gesonderten Schulklassen für Kinder mit Sprachproblemen, sondern vielmehr eine Kindergartenpflicht ab dem ersten Lebensjahr, wie die Wiener Zeitung Brandsteidl zitiert.

"Eltern fürs Liebhaben zuständig"

Brandsteidl berief sich demnach auf die Ergebnisse des "Wiener Lesetests". Diese würden zeigen, dass Schüler aus sozial schwierigen Verhältnissen Leseschwächen haben - unabhängig davon, ob sie Migrationshintergrund hätten oder nicht. "Nur weil ich deutsch spreche, bin ich dadurch nicht gescheiter", betont Brandsteidl. Um die Leseschwächen zu beheben, wäre neben dem Pflicht-Kindergarten ab dem ersten Lebensjahr auch die Einführung der Ganztagsschule nötig. So könnte sichergestellt werden, dass sich ausschließlich Lehrer und nicht Eltern um die Leistung der Kinder in der Schule kümmern. "Als Eltern soll man schließlich nicht für den Mathematikunterricht, sondern fürs Liebhaben der Kinder zuständig sein."

Brandsteidl selbst wollte sich gegenüber der Wiener Zeitung zu ihren Aussagen aktuell nicht mehr äußern, im Büro der Stadtschulratspräsidentin rudert man aber zurück. "Dieses Thema steht sicher nicht auf der tagespolitischen Agenda", hieß es und: "Es fällt auch gar nicht in den Bereich des Stadtschulrates." Die Forderung sei vor dem Hintergrund "je früher und umfassender die Förderung, desto besser" zu betrachten.

Empörung von ÖVP und FPÖ

Als "eine Beleidigung der Bevölkerung" wertet Isabella Leeb, Bildungssprecherin der ÖVP Wien, diese Aussagen. Solche Aussagen würden eine "unglaubliche Respektlosigkeit" gegenüber den Wienern dokumentieren. Auf Missstände im Bildungswesen werde bei den Sozialisten stets mit Zwangsverpflichtungen reagiert. "Den Eltern Erziehungsfähigkeiten abzusprechen und sie auf das Liebhaben der Kinder zu reduzieren, ist eine außerordentliche Anmaßung", so Leeb.

Empörung kommt auch von der FPÖ-Wien. Bildungssprecher Dominik Nepp vermutet eine Verstaatlichung der Familie: "Brandsteidl wünscht sich offenbar alte DDR-Zeiten. Am besten sollen die Kinder gleich mit einem Jahr abgegeben werden, 18-jährig bekommt man sie dann als vorbildliche SPÖ-Soldaten retour". Gerade in den ersten Lebensjahren spiele die Familie die wichtigste Rolle im Leben eines Kindes. Diesen Anker einem Kind entreißen zu wollen, sei Brutalität. Die SPÖ müsse zur Kenntnis nehmen, dass Deutschdefizite in erster Linie ein Problem von Migrantenkindern seien. Dass Brandsteidl diese als Subproletariat beschimpft sei "einer Stadtschulratspräsidentin nicht würdig. Damit ist sie rücktrittsreif", so Nepp.

(rovi)