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OECD-Studie: Österreich profitiert von Zuwanderung

FEATURE - FRAUEN und ARBEIT
APA
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Migranten sind laut OECD "Nettozahler". Eine bessere Integration könnte die Einnahmen allerdings noch deutlich steigern. Ein weiteres Studienergebnis: Viele arbeitssuchende Spanier und Griechen verlassen Deutschland wieder.

Die erstmals im OECD-Migrationsausblick durchgeführte Analyse der fiskalischen Folgen der Zuwanderung zeigt, dass Österreich von der Zuwanderung profitiert: Die Haushalte steuerten zwischen 2007 und 2009 jährlich im Schnitt 2400 Euro zur Staatskasse bei. Berücksichtigt wurden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, abzüglich der Transferzahlungen. Im OECD-Durchschnitt waren es 3200 Euro. Aber dafür erhöhten sich die Nettozahlungen der Migrantenhaushalte in Österreich - anders als für die Masse der OECD-Länder - wesentlich stärker als jene der im Land Geborenen. Ein Grund dafür dürfte sein, dass ihre Beschäftigungsquote stieg. Allerdings würde eine bessere Ausbildung der Migranten Allein die bessere Integration hochqualifizierter Arbeitskräfte könnte die Nettoeinnahmen um eine halbe Milliarden Euro pro Jahr steigern, berechneten die Studienautoren.

Viele Zuwanderer verlassen Deutschland

Der OECD-Report gibt auch Antworten auf die Frage, ob Deutschland den Facharbeitermangel erfolgreich mit gut ausgebildeten Migranten aus kriselnden Euro-Ländern bekämpfen kann. Blickt man auf die aktuellen Zahlen, scheint die Rechnung aufzugehen: Immer mehr Südeuropäer verlassen ihre Heimat, viele versuchen ihr Glück in der Exportnation Deutschland. 2012 zog es dem Bericht zufolge 50 Prozent mehr Spanier und Portugiesen und sogar 73 Prozent mehr Griechen als im Jahr davor in die Bundesrepublik. Ein zweiter Blick auf die Zahlen zeigt allerdings: Viele Zuwanderer verlassen Deutschland schnell wieder. Nur jeder zweite Grieche und sogar nur jeder dritte Spanier blieb seit Ausbruch der Krise länger als ein Jahr in Deutschland, zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus dem OECD-Bericht.

OECD Deutschland kann neue

Mangelnde Qualifikation ist wohl nicht der Grund dafür: So haben heute 43 Prozent der neuen Zuwanderer einen Meister, Hochschul- oder Technikerabschluss. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie Arbeitsmarktforschers Herbert Brücker, wie das "Manager Magazin Online" schreibt. Zum Vergleich: Bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund macht der Anteil nur rund ein Viertel aus.

"Gerade junge Leute wollen zurück"

Einen andere mögliche Ursache dafür, dass Deutschland die Zuwanderer nicht halten kann, nennt Arbeitsmarktexperte Johann Fuchs im Gespräch mit Spiegel.de: Viele der Zuwanderer aus dem Süden würden keine Wurzeln schlagen wollen, sondern sich selbst als Gastarbeiter sehen, die einen kurzfristigen Engpass überbrücken wollen. "Wenn es den Heimatländern wirtschaftlich wieder besser geht, wollen gerade die jungen Leute wieder zurück", so Fuchs. Deshalb schwinde auch der Anreiz für deutsche Unternehmen, jetzt in die Ausbildung und Integration der Krisenflüchtlinge zu investieren.

Weil viele das Land verlassen, einer Million Zuwanderer blieb 2012 unterm Strich nur ein knappes Plus von knapp 400.000 Menschen, wenn man die Abwanderungen im selben Zeitraum berücksichtigt. In die Türkei wanderten sogar 4000 Menschen mehr ab, als nach Deutschland einreisten.

Ein Viertel mehr Zuwanderer in Österreich

Auch nach Österreich ging die Zahl der Zuwanderer aus der Türkei in den vergangenen Jahren zurück, schreibt die OECD. Insgesamt steigt die dauerhafte Zuwanderung jedoch - und zwar so schnell wie in wenigen anderen OECD-Ländern. Gut 58.000 Menschen kamen laut OECD im Jahr 2011 ins Land, das waren um 12.500 mehr als im Jahr davor, also ein Plus von 27 Prozent. Einen höheren Anstieg wiesen nur Deutschland und Irland aus. Detaillierte Daten aus dem Vorjahr gibt es für Österreich noch nicht.

Verantwortlich für den Anstieg ist vor allem die Zuwanderung aus anderen EU-Ländern: Fast jeder sechste Migrant kam im Jahr 2011 aus Deutschland, die zweitgrößte Gruppe waren die Rumänen, an dritter Stelle folgt Ungarn. Rund drei Prozent der Immigranten waren Türken, deutlich mehr Menschen kamen aus Serbien und Polen.

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(Red./APA)