Besitzer von Fotovoltaikanlagen können den Sonnenstrom in der Regel nur zu 20 Prozent nutzen. Batteriehersteller Varta hat nun einen Speicher entwickelt, der dies ändern soll.
Wien. Auch wenn die Fördervolumina regelmäßig innerhalb von wenigen Minuten ausgeschöpft sind, fristet Solarstrom (Fotovoltaik) in Österreich mit einem Anteil am Gesamtstromverbrauch von 0,1Prozent ein Schattendasein. In anderen Ländern ist die direkt aus Sonnenenergie erzeugte Elektrizität längst ein Faktor in der nationalen Stromerzeugung. In Deutschland etwa liefert die Fotovoltaik fünf Prozent des Stroms.
Erzeugt wird dieser Strom in der Regel nicht in großen zentralen Solarparks, sondern in Kleinanlagen auf Dächern von Wohnhäusern, Industriebetrieben oder Scheunen. Mehr als eine Million solcher Kleinanlagen sind in ganz Deutschland verteilt. Diese dezentrale, erneuerbare Stromerzeugung soll nicht nur CO2-emittierende Technologien ersetzen, sondern auch die Stromnetze entlasten. So lautet zumindest die Theorie.
Die Realität ist eine andere. Denn die Sonne scheint am stärksten, wenn die Menschen keinen Strom verbrauchen. „Besitzer von Fotovoltaikanlagen können im Schnitt nur 20 Prozent der selbst erzeugten Energie nutzen, der Rest wird ins Netz eingespeist. Und da bei Sonnenschein alle Anlagen gleichzeitig überschüssigen Strom ins Netz einspeisen, kann dies die Netzstabilität stark beeinträchtigen“, sagt Herbert Schein, Chef des deutschen Batterieherstellers Varta, im Gespräch mit der „Presse“.
Ein Speicher spart Steuern
Varta hat nun ein Produkt entwickelt, mit dem das Problem gelöst werden soll: Einen Energiespeicher, der den erzeugten Strom bis zu den Abendstunden lokal speichert, wenn die Hausbewohner wieder zu Hause sind und Strom benötigen. „Mit unserem Speicher können 70 Prozent und mehr des eigenen Fotovoltaikstroms selbst verwendet werden“, sagt Schein. Der Speicher ist modular aufgebaut und kann daher an die jeweils benötigte Kapazität angepasst werden.
Mit 12.000 Euro für die kleinste Einheit ist das System nicht gerade günstig. Laut Schein zahle sich die Investition über die Lebensdauer von 20 Jahren aus. So ersparen sich die Besitzer von Fotovoltaikanlagen nicht nur den reinen Energiepreis (diesen würden sie ohne Speicherung ja auch für die Einspeisung des nicht benötigten Stroms in das Netz erhalten), sie müssen auch keine Netzgebühren und Steuern zahlen, die zwei Drittel des Endverbraucherpreises ausmachen.
„Heuer werden wir noch eine überschaubare Zahl von 500 Stück verkaufen, in fünf Jahren erwarten wir uns aber 10.000 Stück und mehr pro Jahr“, skizziert Michael Tojner die Ziele für den Energiespeicher, der erst seit einigen Wochen verkauft wird. Der heimische Investor und Aufsichtsratschef von Varta hat den deutschen Batteriehersteller 2007 mit seiner Investmentgesellschaft Montana Tech übernommen, nachdem die Firma wenige Jahre zuvor zerschlagen worden war.
Das Geschäft mit Autobatterien sowie Konsumentenbatterien wurde – samt Namen – an andere Firmen verkauft. Varta ist heute nur mehr im Geschäft mit Mikrobatterien für medizinische Geräte, Funkanlagen (etwa Polizeifunk) oder Elektrofahrräder tätig. Dies soll sich durch den neuen Energiespeicher für Fotovoltaikstrom nun ändern. „Unser Ziel für heuer ist ein Umsatz von 175 Mio. Euro, fast ausschließlich aus dem Geschäft mit Mikrobatterien. Mittelfristig erwarten wir uns aber auch über 100 Mio. Euro Umsatz aus der Energiespeicherung“, sagt Tojner.
Zusätzlich arbeitet Varta zusammen mit VW an der Entwicklung einer Batterie für Elektroautos. Hier sei man jedoch noch in der Forschungsphase. 2016 peilt Tojner einen Börsengang von Varta an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2013)