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Grüne Wege, versteckte Vorzeigestrecken und viel Verwirrung

THEMENBILD: GRUeNE FARBE FUeR WIENS RADWEGE
THEMENBILD: GRUeNE FARBE FUeR WIENS RADWEGEAPA/GEORG HOCHMUTH
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Grüne Flecken, Fahrradstraßen in der Peripherie, „fahrradfreundliche“ Straßen, Radwege mit und ohne Benutzungspflicht: Die neuen Wege für Radfahrer funktionieren zum Teil gut. In allererster Linie sorgen sie aber für Verwirrung.

Wien/Cim. Klar, die Vorrangtafeln wären eindeutig. Die Rad-Embleme ebenso. Und langsam hätte es sich unter den Anrainern sogar herumsprechen können, dass die Hasnerstraße jetzt „fahrradfreundlich“ ist. Nur, an der Kreuzung bringt aller Vorrang nichts, wenn der dunkle BMW – manches Ottakringer Klischee stimmt ja doch – herbeirauscht und keine Anstalten zu bremsen macht.

An der nächsten Kreuzung nimmt ein Lieferwagen den Vorrang. Selbes Spiel, Tag für Tag. Die Ottakringer Hasnerstraße ist heute im Wesentlichen das, was sie schon vor dem September 2012 war, als sie – man schrieb damals von „Radgeschichte“ – als erste „fahrradfreundliche Straße“ Wiens eröffnet wurde. Eine ruhige, breite Allee, wunderbar zum gemütlichen Radfahren. Solange man schnell bremst – und nicht auf Vorrangregeln vertraut.

Wiens erste fahrradfreundliche Straße ist nicht die einzige Neuerung zur Förderung der urbanen Radler. Fahrradstraßen, Radstreifen, Radwege mit blauem Emblem, rot eingefärbt an Gefahrenstellen oder neuerdings abschnittsweise mit grünem Belag. Radwege mit Benutzungspflicht und jüngst auch ohne. So vielfältig sie sind, so verwirren sie auch.

Das nächste Stück innovativer Radverkehrsplanung à la Wien ist nur wenige hundert Meter von der Hasnerstraße entfernt: ein mit grünem Belag bezogener Radweg vor dem Westbahnhof. „Skandal!“, hieß es da schnell von mehreren Seiten, als die ersten Pläne bekannt wurden, die Radwege der Stadt um Millionenbeträge mit Belag überziehen zu lassen. Und erst recht, als kurz nach Start der ersten Tests schon schwarze Reifenspuren auf dem Belag zurückgeblieben sind. Diesen zum Trotz: Im Alltag fällt den wartenden Fußgängern an der Ampel nun zumindest eher auf, dass sie auf dem Radweg stehen – Konflikte werden seltener. Auch wenn rasante Bremsmanöver nicht ausbleiben, siehe die Bremsspuren.

Der zweite grüne Testweg, am Inneren Ring entlang des Volksgartens, zeigt weniger Reifenspuren. Das Problem dort, dass der Weg für die große Zahl an Radfahrern schlicht viel zu schmal ist und teils als Slalom verläuft, das löst aber aller Belag auch nicht.

 

Beschauliche Vorzeigestraße

Aber die mit dem größten Stolz präsentierte Errungenschaft dieser Saison ist eine andere: Wiens erste Fahrradstraße. Die Kuchelauer Hafenstraße im Norden der Stadt. Eine ruhige Straße, an Wochenenden gehört sie ohnehin seit jeher den Massen an Radausflüglern entlang der Donau. Auf der Straße entlang der Jausenstation Trummer, des Kanuzentrums, kleiner Schrebergärten oder der Fischerhütte kommen sich Radfahrer und Autofahrer kaum in die Quere. Achtet man nicht speziell darauf, fällt es auch nicht weiter auf, gerade Wiens famose erste Fahrradstraße zu passieren. Aber: Es macht auch keinen Unterschied.

Auf einen Blick

Die Hasnerstraße in Ottakring ist Wiens erste „fahrradfreundliche Straße“: Das Modell wurde erdacht, als Fahrradstraßen laut StVO noch nicht möglich waren. Sie ist verkehrsberuhigt, abgesehen von Querungen mit dem öffentlichen Verkehr sind Radfahrer auf der Hasnerstraße bevorrangt, dürfen nebeneinanderfahren, es gilt Tempo 30.

Die Kuchelauer Hafenstraße ist Wiens erste Fahrradstraße, wie sie die StVO seit Ende März 2013 erlaubt. Autofahrer dürfen dort nur zu- und abfahren. Radler haben Vorrang, Nebeneinanderfahren ist erlaubt.

In der Operngasse wurde die Radwegsbenutzungspflicht kürzlich aufgehoben. Das ist auch für andere stark frequentierte Strecken geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2013)