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Alles für die Fische? Unterwegs mit dem Greenpeace-Schiff

Arctic Sunrise
Arctic SunriseUte Woltron
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Mit dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise unterwegs zu den „Bauern der Meere“: den kleinen Fischern Europas.

Eigentlich sollten wir jetzt das Schiff putzen. Es ist acht Uhr morgens, also genau die Zeit dafür. Jeder von uns sollte entweder die Gänge aufwischen, die Klos schrubben oder die Messe aufräumen, in der wir gerade unseren Frühstückskaffee getrunken haben. Doch wir sind frühmorgens ausgebüxt und im Hafen von Dénia an der Ostküste Spaniens für ein paar Stunden vom großen auf ein kleines Schiff geschlüpft. Das große, die Arctic Sunrise, ist derzeit unser Zuhause und gehört Greenpeace – der stählerne Regenbogen-Koloss wird erst zu Mittag wieder auslaufen. Bis dahin sind wir zurück. Das kleine Schiff ist ein schnittiges Schlauchboot und wird von einem fröhlichen Spanier gesteuert, der früher Fischer war. Jetzt betreut er ein kleines Unterwasserschutzgebiet gleich neben der Hafen- und Fischerstadt. Dorthin sausen wir.

Mit an Bord ist Thilo Maack, Mitte 40, Greenpeace-Mann aus Deutschland und Meeresbiologe. Wir lassen die mit Betonklötzen verbauten und vom Menschen zerfressenen Meeresufer hinter uns, tuckern schließlich eine stille, felsige Steilküste entlang, betrachten Kormoranküken in ihren Nestern auf winzigen Felsvorsprüngen, ertappen uns beide dabei, wie wir versonnen den Finger ins Meerwasser tauchen und das Salz dessen schmecken, was einst die Ursuppe war. Irgendwie ist dieser seit ein paar Jahren einfach in Ruhe gelassene Küstenstrich ein Ort, an dem man erahnen kann, wie es früher war, bevor der Mensch alles in Besitz nahm. Selbst das, was ihm nicht zusteht, nämlich den Lebensraum so gut wie aller anderen Kreaturen, die auf diesem schönen Erdball zu Hause sind.

Knapp drei Viertel der gesamten Erdoberfläche sind von Meer bedeckt. Die Wahrscheinlichkeit, spintisiert Thilo, dass ein auf der Erde gestrandeter Außerirdischer daheim erzählt, die Erde sei ein dunkler, kalter, nasser Ort, wäre also ziemlich hoch. Doch was heißt hier schon „das Meer“: Jeder Ozean ist anders, jeder folgt seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten und beheimatet die unterschiedlichsten Kreaturen. „Ich stelle mir vor“, sagt der Meeresbiologe mehr zum stillen Wasser als zu mir, „wie das Mittelmeer vor 150 Jahren ausgeschaut haben muss – damals schwammen hier noch jede Menge Rote Thunfische, Blauhaie, Pottwale und Orcas, es gab rote Korallen, und an den Küsten wimmelte es von Muränen, Zackenbarschen, Oktopoden, Rochen und Sardinenschwärmen.“ Unvorstellbar heute. Das Mittelmeer ist großteils leer, blank wie ein Servierteller, wenn das große Fressen am Buffet vorbei ist.

Die Arctic Sunrise ist seit März in europäischen Gewässern unterwegs, um genau diese Botschaft zu transportieren. Die folgt einer sehr einfachen Formel: Wir Menschen entnehmen dem Meer Tag für Tag zu viele Fische. Wenn wir unsere Gefräßigkeit nicht zügeln, wenn wir nicht begreifen, dass selbst die Ozeane in ihren gewaltigen Dimensionen letztlich eine endliche Ressource darstellen, wird es in absehbaren, von Meeresbiologen und Forschern berechenbaren Zeiträumen viele Fischarten nicht mehr geben. Weil die Fische vor lauter Gefangenwerden gar keine Zeit mehr haben, geschlechtsreif zu werden, zu laichen, sich zu vermehren und ihre schwindenden Bestände aufzufrischen. Die EU-Kommission geht heute davon aus, dass von einigen Fischarten mittlerweile mehr als 90 Prozent des Bestandes gefangen wird, bevor er sich fortgepflanzt hat. Das EU-Parlament legte zwar im vergangenen Februar einen Reformvorschlag für die gemeinsame Fischereipolitik vor, der noch im Juni von Ministerrat und Kommission beschlossen werden soll und in dem „ein neues Engagement des Fischereisektors“ gefordert wird. Doch Länder wie Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland legen sich in manchen Punkten quer. Sie wollen sich nicht auf das festlegen, was eigentlich das Wichtigste wäre: Sie wollen die grotesk überdimensionierte europäische Fischfangflotte nicht gesundschrumpfen, wobei die Gesundung den schwindenden Fischbeständen gilt und vor allem die kleinteilige sogenannte handwerkliche Fischerei fördern würde.

Den Unterschied zwischen Mega-Trawlern und Kleinfischern können sich Binnenlandbewohner kaum vorstellen. Wir kennen hauptsächlich die Bilder riesiger schwimmender Fischfabriken, die bis zu 450 Tonnen Fisch täglich aus dem Meer kämmen und sofort auf Fließbändern im Schiffsbauch verarbeiten und, portioniert verpackt, einfrieren. Ohne Rücksicht auf Verluste, also auf Fische und andere Meerestiere, die von den kilometerlangen Netzen mitgefangen werden, die aber nicht verwertbar sind und die tot oder schwer verletzt wieder über Bord geworfen werden. Allein in Europa machen diese Reibungsverluste alljährlich 1,4 Millionen Tonnen Tiere aus. Weltweit fallen dieser Art zu fischen laut WWF jährlich geschätzte 300.000 Seevögel, ebenso viele Wale, mehrere Millionen Haie und eine Viertelmillion Schildkröten zum Opfer. Das ist etwa so, als ob man für jedes einzelne geschlachtete Schwein auch gleich zwei Rehe, drei Hasen, ein paar Falken, Bussarde und Nachtigallen umbringen und auf den Müll kippen müsste.

Genau diese „Beifänge“ gibt es in der viel kleinerteiligen, handwerklichen Fischerei kaum bis gar nicht. Wie die funktioniert, können wir hier draußen auf dem Meer ebenfalls aus nächster Nähe betrachten. Ein paar Hundert Meter vor der Küste holen gerade drei Mann auf einem feschen kleinen Fischerboot ihr Netz ein. In der späten Nacht sind sie ausgefahren, haben ihr Standnetz ausgeworfen, Kaffee aus Thermoskannen getrunken, getratscht und gewartet. Jetzt wird das Netz langsam über die am Heck des Schiffes befestigten Rollen händisch eingeholt. Alle paar Meter hat sich ein Fisch verfangen. Er wird vorsichtig aus dem Nylongespinst geklaubt, begutachtet, entweder einbehalten, oder lebend und unverletzt wieder ins Meer geworfen.

Diese Fischer sind die Bauern der Meere. Sie pflegen es, sie behandeln die kleinen Fische wie Saatgut, das wachsen, gedeihen, sich vermehren kann. Die handwerklichen Fischer Spaniens, Griechenlands, Frankreichs, Portugals und anderer Meeresländer stellen immerhin 80 Prozent der europäischen Fischfangflotte. Doch sie holen lediglich 20 Prozent aller in europäischen Gewässern gefangenen Fische aus dem Meer. Die restlichen 20 Prozent der Fangflotte, die großen, fetten Fischtrawler, verleiben sich dafür 80 Prozent aller Fänge ein. Samt Beifang. Die Großen sind die Raubritter der Meere. Sie plündern und morden, und wir EU-Bürger unterstützen sie dabei kräftig mit unseren Steuergeldern. Rund 1,2 Milliarden Euro lässt der Europäische Fischereifonds jährlich an Subventionen springen. Davon profitieren vor allem Großkonzerne, die diese Fabriksschiffe betreiben.

Zurück im Hafen klettern wir auf die vom Oberdeck bis hinunter in den Laderaum frisch geputzte Arctic Sunrise. Am Kai stehen ein paar Hundert Menschen. Sie betrachten und fotografieren das Schiff, winken, rufen hinauf zu uns. Viel Sympathie schwirrt hier durch die Luft. Ich kann mich einer eigentümlichen, alten Freude nicht erwehren, hier dabei sein zu dürfen, als ein Teil der Crew. Wohl nur am Rande, aber immerhin. Ich könnte auch daheim sitzen und Thunfischsalat essen. Morgen, nehme ich mir vor, werde ich nicht nur die Duschen putzen, sondern auch die Gänge schrubben. Thilo hat auch ein schlechtes Gewissen, aber das kriegen wir hin.

Die Arctic Sunrise ist neben der Rainbow Warrior III und der Esperanza eines der drei Schiffe von Greenpeace. Früher wurde der knapp 50 Meter lange, vormals norwegische Eisbrecher zur Seehundjagd eingesetzt. Heute ist das Schiff umgebaut und rund ums Jahr im Dienste des Umweltschutzes unterwegs. Als Greenpeace im Jahr 1976 das weiße Fell gerade zur Welt gekommener Robben, die man mit Keulen zu erschlagen und noch bei lebendigem Leib zu häuten pflegt, mit Farbe besprühte, war das Schiff gerade ein Jahr alt und ich selbst noch ein Kind. Doch die Bilder der lediglich durch ein bisschen grelle Farbe vor dem Abschlachten geretteten Robbenbabys wirken bis heute nach. Wenig Aufwand, große Wirkung. Leute, die sich für die Kreatur einsetzen, den Kopf dafür hinhalten. Damals wurden Greenpeace-Aktivisten für diese Aktion verhaftet und der Tierquälerei angeklagt.

Neun Jahre später versenkte der französische Geheimdienst die legendäre Rainbow Warrior, das erste Greenpeace-Schiff, im Hafen von Auckland, Neuseeland. Ein Aktivist ertrank dabei. Die Regenbogenkrieger hatten gegen Frankreichs Kernwaffentests auf dem Mururoa-Atoll protestiert und bei der Evakuierung der Bewohner eines Nachbaratolls geholfen. Zwei der französischen Agenten wurden gefasst und verurteilt, die anderen entkamen mithilfe eines Atom-U-Bootes und blieben unbehelligt. Heute weiß man, dass die geplante Versenkung mit dem anmaßenden Decknamen „Operation Satanique“ bis in die obersten Regierungsspitzen Frankreichs bekannt und abgesegnet war.

Alles ist letztlich mehr eine Frage der Macht als der Gesetze. Die werden sowieso von den wenigsten eingehalten. Nur ein Beispiel: Während Nicht-EU-Länder wie Norwegen und Island die nachweislich vorbildliche Bewirtschaftung ihrer Fischbestände penibel kontrollieren und mit drakonischen Strafen auffahren, wenn Vorschriften nicht eingehalten werden, liefert das restliche Europa auch auf diesem Gebiet wenig mehr als eine Farce. An der deutschen Ostseeküste beispielsweise gibt es 27 Anlandehäfen für Fischer, doch gerade einmal vier Kontrolleure. Diese müssen sich überdies 24 Stunden vor ihrer Inspektion ankündigen. Wie die Situation in Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal aussieht, kann man sich selbst vorstellen. Wozu also die Debatte um Fangquoten, wenn die nicht einmal kontrolliert werden?

Die Meeresbiologin Célia Odeja, Anfang 30 und ebenfalls bei Greenpeace, weiß genau, wie die Unterwasserwelt aussieht, wenn sie einmal leergefischt ist: Viele Seeigel, wenige Fische. Ein trübes Trauerspiel in Wassergrün und Felsgrau. Die Spanierin hat allerdings auch erfahren, wie rasch sich Unterwasserbiotope erholen können, wenn man sie nur für ein paar Jahre in Ruhe lässt. Während wir unter lautem Schiffshorngeblase aus dem Hafen auslaufen und Kurs auf Gibraltar nehmen, schildert sie die Entwicklung des Unterwasserparks, den wir gerade eben via Schlauchboot betrachtet haben. Als sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal darin tauchte, gab es da gar nichts, sagt sie: „Es war zum Weinen!“ In den Folgejahren beobachtete und dokumentierte sie in regelmäßigen Tauchgängen die erstaunlich kurze Rekonvaleszenz der vormals fast totgefischten Unterwasserwüste. Der Fischbestand erholte sich, die Seeigelmassen reduzierten sich. Das ist immer ein gutes Zeichen, sagt die Meeresbiologin, denn wenige Seeigel deuten auf viele Fische hin, die sie fressen. Außerdem können die ihrerseits den Meeresboden nicht mehr leerraspeln. Die Pflanzenwelt erholt sich, Jungfische können sich darin verstecken, die Populationen erstarken wieder, das Biotop wird stabiler und kräftiger. Andere Fische gesellen sich aus der Umgebung dazu, denn aufgrund des deutlich verbesserten Pflanzenwachstums steigt auch das Nahrungsangebot wieder.

Wen also angesichts all der Umweltkatastrophen und Hiobsbotschaften der umweltschützerische Mut verlassen hat, wer der Meinung ist, man könne sowieso nichts mehr tun, die Menschheit rassle samt der von ihr vernichteten Natur in den Abgrund, sollte noch einmal darüber nachdenken. Die Erholung der Meere könnte, wenn man wollte, ziemlich schnell erfolgen. Was man selbst tun kann? Ein erster sinnvoller Schritt wäre es zum Beispiel, genau darauf zu schauen, welchen Fisch man einkauft und wie er gefangen wurde. Thunfisch gehört sicher nicht dazu, denn von acht Thuna-Arten sind genau zwei noch nicht gefährdet.

Die Arctic Sunrise schippert derweilen durch das ruhige Mittelmeer, mit an Bord all diese Botschaften. Um die handwerklichen Fischer zu unterstützen, um die Menschen aufzuklären und aufmerksam zu machen. Man kann ja ruhig Fisch konsumieren, aber nicht halt- und maßlos, sondern mit Bedacht und Rücksicht.

An einem frühen Morgen passieren wir die Meerenge von Gibraltar. Rechts die Lichter Europas, links die Afrikas. Über uns die letzten Sterne, unter uns das schwarze Meer. Noch ist die See ruhig, das Schiff still. In der Nacht wird sich das ändern: Sturm auf dem Atlantik. Ronnie, der philippinische Schiffskoch, holt Ingwerwurzeln aus dem Kühlraum. Ingwer soll gut gegen Seekrankheit sein. Jedes Kaffeehäferl, jeder Sessel, alles wird festgezurrt. Am nächsten Tag sitzen von 24 Leuten genau sechs beim Mittagessen. Das Schiff rollt und schlingert, es kracht, ächzt und quietscht. Ein Tablett in der Schiffsküche hat sich aus der Verankerung gelöst und fliegt krachend von einer Wand zur anderen. Die Arctic Sunrise hat als Eisbrecher wenig Tiefgang. Wind und Wellen spielen mit dem Schiff, es hüpft und tanzt. „Waschmaschine“ hießt es deshalb im Greenpeace-Geheimslang. Wer nicht seekrank wird, kommt sich vor wie in einem nicht enden wollenden Fun-Ride im Prater. Das Geschaukle ist unbeschreiblich. Wer es nicht verträgt, büßt seine Sünden in der Koje ab.

Wir anderen halten unsere Teller und die Salzstreuer fest, sonst fliegen sie uns um die Ohren. „Nicht seekrank?“, fragt Daniel Rizzotti, Kapitän, Argentinier, Mitte 40. Nein, zum Glück nicht. Kann aber noch werden. Vier Tage später steht fest, dass ich seefest bin, ja „der geborene Seemann“, wie der dritte Maat, ein Kroate, zu meiner Freude bemerkt. Die Leute hier halten zusammen, trotzdem gilt nur, wer auch etwas kann, wer Arbeit leistet, wer das System aktiv aufrecht erhält. Wir sitzen in einer winzigen Blechbüchse auf dem Meer, jeder muss funktionieren, jeder weiß, was von ihm verlangt wird. Alle hier sind Greenpeace-Leute. Sie kommen aus Italien, Argentinien, Bulgarien, Tasmanien, Ungarn, Finnland, Kanada. Das Schiff und die Einsätze fordern Kondition. Schwere Arbeit. Die Arctic Sunrise ist störrisch, bockig, aber auch ein Schiff, mit dem man sowohl den Amazonas hinauffahren als auch die Arktis durchmessen und, ohne ein einziges Mal zwischentanken zu müssen, die Erde umrunden kann. Das beste Schiff von Greenpeace, sagen sie. Wenn auch nicht das schönste. Ihr Zuhause für jeweils drei Monate. So lange dauern die Einsätze im Schnitt. Dieser hier begann am Schwarzen Meer und endet in London.

Zwischendurch erreichen wir die Bucht von Muros in Galizien. Blauer Himmel, endlich wieder ruhige See. Innerhalb einer halben Stunde versammeln sich rund um die Arctic Sunrise mehr als 50 kleine und sehr bunte Fischerboote. Es wird gerufen, gelacht, von Schiff zu Schiff gehüpft. Die Schiffshörner tuten, die Botschaft, die hier ausgesandt wird, gilt dem spanischen Fischereiminister, Miguel Arias Cañete. Er soll dort in Brüssel endlich die nachhaltige Fischerei unterstützen, nicht die großen Haie, wird auf Transparenten gefordert, die wir, noch auf dem ruhigen Mittelmeer schippernd, im Laderaum der Arctic Sunrise tagelang gemalt haben: „Cañete, versenk die europäische Fischerei nicht.“

Die Großen der Branche tun das derweilen unverdrossen selbst am allerbesten. Die durch sie geschrumpften Fischbestände zwingen die Riesentrawler inzwischen weit hinaus über die Grenzen europäischen Hoheitsgebiets. Die spanische Fischereiflotte beispielsweise holt mit allein 400 hochseetauglichen Schiffen mittlerweile 90 Prozent der Fänge aus den Meeren vor Westafrika, aus dem Pazifik, bis vor die Westküste Südamerikas.

Die somalischen Piraten, das sollte als Denkanstoß nicht vergessen werden, sind nicht zuletzt auch die Fischer von gestern, die ihrer Existenzgrundlage beraubt wurden. Ein einziger großer Trawler kann an einem Tag so viel Fisch aus dem Meer holen wie die gesamte ostafrikanische handwerkliche Fischerei zusammen in einem ganzen Jahr. Die Ausbeutung der Meere verlagert sich. Die Fischereipartnerschaftsabkommen der EU mit Drittländern sorgen dafür. Die Distanzen vergrößern sich.

Die sind ungeheuer, wenn man einen Ozean als Wohnzimmer hat. Wenn man weite Strecken über das Meer fahre, tagelang, ohne Land zu sehen, sagt Steve, Amerikaner, Aktivist, Funker und mit Ende 40 einer der Ältesten an Bord, werde einem erst bewusst, wie läppisch klein man als Mensch sei. Mitsamt diesem Schiff. „Spätestens am dritten, vierten Tag wird dir klar, dass du völlig unwichtig bist.“

Dennoch: Man kann daheim sitzen und Thunfischsalat essen. Man kann aber auch nachdenken und Fisch als das begreifen, was er ist: eine kostbare Delikatesse. Man kann bei Greenpeace oder einer anderen Umweltorganisation anheuern, man kann aber auch den Regenbogen im eigenen unsichtbaren Wappen tragen und sein Bewusstsein für die Natur und die andere Kreatur schärfen. Würden das alle tun, wäre das schon genug. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2013)