Zwei Sätze, um nervöse Eltern zu beruhigen: Das ist doch kein Beinbruch. Das ist nur ein Armbruch!
Du wirst sehen“, sagte mein ehemaliger Chef zu mir, als ich mit Hannah schwanger war: „Kinder zu erziehen ist nicht schwer. Wenn sie 18 werden, ohne sich etwas gebrochen zu haben, hat man es geschafft.“ Nicht gerade ehrgeizig, dachte ich mir damals. Für mich aber, stelle ich heute fest, immer noch zu ambitioniert: Marlene, 10, hat sich den Arm gebrochen, bei einem Kindergeburtstag. Sie ist rückwärts von der Hüpfburg gefallen, hat sich mit den Händen abgestützt, linke Speiche ab, so ist das.
Ich habe weiter Pizza für sechs Teenager gebacken, die bei uns zu Gast waren, Stephan ist mit Marlene ins Spital gefahren, so wie immer, wir haben nämlich Routine. Unsere Familie landet mindestens einmal im Jahr in der Ambulanz, ich kann schon ein Bruch-Ranking aufstellen. Am blödesten: mein Nasenbeinbruch. Es war schon spät, wir gingen im Laufschritt vom Park nach Hause, ich warf noch einen Blick zurück, um zu kontrollieren, ob ich eh nicht schon wieder was vergessen habe – da steht doch dort glatt ein Verkehrsschild. Direkt vor meiner Nase! Knacks. Am sportlichsten: Hannahs Bruch des kleinen Fingers, Ergebnis eines Zusammenstoßes mit einem Basketball. Am schnellsten verheilt: Marlenes Schlüsselbein mit fünf, sie brauchte nicht einmal einen Gips.
Auch Zähne brechen. Den schlimmsten, allerschlimmsten, allerallerschlimmsten Unfall hatte vergangenes Jahr mein Mann: Er setzte sich im Frühling auf sein eben repariertes Fahrrad, brauste los wie ein Teenie, verlor in voller Fahrt durch den Wald den Walkman (bitte, den Walkman!), griff in die Bremsen, ohne daran zu denken, dass die gerade ausgetauscht worden waren – und flog übers Lenkrad. Um aufzuzählen, was er sich alles gebrochen hat, ist die Kolumne zu kurz. Drei Zähne sind auch dabei.
Zu guter Letzt komme ich wieder zu mir zurück, mit dem am besten getimten Bruch: Am Tag vor der Abfahrt in den Sommerurlaub sprang ich beim Packen à la Nurejew über eine Tasche und blieb mit dem großen Zeh in der Schlaufe hängen. Drei Wochen trug ich ausschließlich Flipflops. Dann war alles gut (steif war der Zeh eh schon vorher, da war mir als Kind ein Freund mit Cloggs draufgestiegen).
Warum das immer uns passiert? Ich vermute eine familiär bedingte Mischung aus Zerstreutheit (von meiner Seite) und Übermut (die Familie Eibel). Wie immer: Marlene hat jetzt einen schwarzen Gips, die Farbe kann man sich neuerdings aussuchen, es gibt sogar Gips mit Bärentatzen. Ihr einziger Kummer ist, dass sie ihn im Urlaub tragen muss. Italien! Erstmals mit Pool! Und dann das.
Den heutigen Morgen habe ich damit zugebracht, zu recherchieren, ob der Dry Pro, ein Wasserschutz für den Gips, der mit einer Pumpe funktioniert, wirklich etwas taugt.
Ich werde aus dem Urlaub berichten.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2013)